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Émile Michel Cioran


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E.M. Cioran

Cioran Émile Michel ; (* 1911 in Sibiu (Hermannstadt) im ungarischen Teil Habsburgermonarchie heute Rumänien ; † 1995 in Paris ) Philosoph. Zählt zu den bedeutensten Essayisten und radikalsten Kulturkritikern der Nachkriegszeit . Hervorragender Stilist der mit seinen pessimistischen desillusionierenden Aphorismen und Essays unter den Existenzialisten Frankreichs aufsehen erregte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

E.M. Cioran war das zweite Kind orthodoxen Priesters und späteren Erzbischofs von Sibiu Emilian Cioran und seiner Elvira Comaniciu. Schon während seiner Zeit als am Gymnasium in Sibiu ( 1920 - 1928 ) wird Cioran von anhaltender zermürbender Schlaflosigkeit die einerseits in ihm in Zusammenhang mit allgemeinen Unbehagen am Dasein die Obsession des Todes auslöst ihn andererseits quasi ekstatische Zustände erleben läßt.

Ab 1926 beginnt C. mit seiner ersten Phase philosophischer Lektüre und nimmt 1928 sein Studium der Ästhetik und Philosophie an der Universität Bukarest auf. Seine Schwerpunkte sind Kant Fichte Hegel Schopenhauer Nietzsche Simmel [Wölfflin]] Husserl Heidegger die russischen Spiritualisten und die orientalischen Mystiker .

C.s Lehrer sind Tudor Vianu (1898- Professor für Ästhetik und Literaturwissenschaft und eine der bedeutendsten rumänischen Persönlichkeiten diesem Gebiet sowie Nae Ionescu ( 1890 - 1940 ) Professor für Logik und Metaphysik der mit seiner Philosophie des Erlebens Großteil der Generation C.s beeinflusst hat. Mit einer Diplomarbeit über den »Intuitionismus« Henri Bergsons beendet C. 1932 sein Studium.

1931 - 1933 nimmt er intensiv am kulturellen und intellektuellen Leben in Bukarest Teil und veröffentlicht ersten Werke . In dieser Zeit beginnt auch seine mit Mircea Eliade. Als Humboldtstipendiat setzt er 1933 - 1935 seine Philosophiestudien in Berlin Dresden und München fort.

1934 wird C.s Erstlingswerk »Pe culmile (Auf den Gipfeln der Verzweiflung) der Preis junger rumänischer Schriftsteller verliehen. 1936 arbeitet er als Lehrer Philosophie am Gymnasium in Kronstadt wonach er 1937 als Stipendiat des Bukarester Institut français nach Paris geht um eine Dissertation über Nietzsches Ethik zu schreiben.

Zwischen 1939 - 1941 erfolgen weitere Studienaufenthalte in Berlin. Die Dissertation nimmt C. niemals in Angriff; dafür er bis 1944 weitere fünf Bücher in rumänischer Sprache. Als nach dem Zweiten Weltkrieg eine Rückkehr nach Rumänien für C. nicht mehr in Frage entschließt er sich in Frankreich zu bleiben wo er nachdem 1945 sein Stipendium zu Ende geht in sehr ärmlichen lebt. Um seine Integration in die neue Umgebung zu beschleunigen er sich fortan in französischer Sprache zu Bereits seinem ersten 1949 bei Gallimard erscheinenden französischen Werk »Précis décomposition« (Lehre vom Zerfall) das sich entschieden Aufklärung und Rationalismus wendet wird ein Jahr später der Rivarol« verliehen.

Von nun an lehnt C. alle Auszeichnungen ab die ihm zuerkannt werden so den »Prix combat« 1977 den »Prix Roger Nimier« und 1988 die von der Französischen Akademie angebotene höchstdotierte Auszeichnung den »Grand Prix Seinen Werken gebühre kein Beifall meint C. sie allesamt Werke der Negation seien negiere auch er selbst jede Von 1960 bis zu seinem Tod lebt in einer Mansardenwohnung im Quartier Latin.

Rezension

Äußerst unterschiedliche kulturell divergierende ihrem Wesen nach jedoch miteinander verwandte Tendenzen prägen C.s Denken. Die spanische Mystik das deutsche Mittelalter die Widersprüchlichkeit des Pascalschen Menschen die Verzweiflung Kierkegaards Nietzsches Negativismus und Vitalismus der russische Spiritualismus die Endzeitstimmung eines Klages oder Barrès die Lebensphilosophie seines rumänischen Lehrers Nae Ionescu sind nur die wichtigsten Einflüsse.

Indem er sich gegen jede Form Systemen wendet spricht er einem Individualismus das Wort das erst im entgrenzten zu sich selbst findet. Auch wenn C.s und Werk tiefe mystische Züge tragen entscheidet sich zwischen den zwei Möglichkeiten der Verzweiflung der Erkenntnis philosophisch zu entkommen: der Mystik und dem Skeptizismus für den letzteren. Dieser Schritt kommt ihn einem »Erkennen ohne Hoffnung« gleich. Dabei sich sein Skeptizismus nicht allein gegen Sprache Philosophie Geschichte und Religion sondern in einem beinahe selbstzerstörerischen Duktus auch gegen sich selbst. Im Laufe Jahre entwickelt sich C.s Philosophie auf eine stoische Position zu deren Mittelpunkt die Beschäftigung dem von Leid Tod und dem Bösen Dasein des Menschen bildet. Aufgrund seiner Ideen und seiner eigenwilligen Persönlichkeit kann C. bedeutendster Skeptiker und radikalster Kulturkritiker des 20. angesehen werden.

Originalzitate

"Im grunde sind alle Ideen falsch absurd. Es bleiben nur die Menschen so sie sind ... ich bin von jeder geheilt."

"In jedem Menschen schlummert ein Prophet: er so gibt es ein klein wenig des Übels in der Welt ".

"Um Alles bringt uns diese Welt ihren Fesseln und ihrer stickigen Luft: außer die Freiheit Hand an uns zu legen; diese Freiheit flößt uns eine derartige Kraft einen solchen Stolz ein daß wir der unter der wir stöhnen schließlich Herr werden".

"Wir haben sämtliche Wahrheiten gegen uns. wir setzen unser Leben fort weil wir einfach hinnehmen und uns weigern die nötigen zu ziehen".

"Meine Abkehr von der Philosophie geschah dem Augenblick da ich die Unmöglichkeit erkannte Kant auch nur die geringste menschliche Schwäche nur den leisesten Akzent wahrer Trauer zu

Quelle: Lehre vom Zerfall

Werke (Auswahl)

  • Auf den Gipfeln der Verzweiflung Frankfurt/M. (1989)
  • Das Buch der Täuschungen Frankfurt/M. (1990)
  • Gedankendämmerung Frankfurt/M. (1993)
  • Lehre vom Zerfall übers. v. Paul Celan Reinbek (1953)
  • Syllogismen der Bitterkeit Frankfurt/M. (1969)
  • Dasein als Versuchung Stuttgart (1983)
  • Geschichte und Utopie Stuttgart (1965)
  • Der Absturz in die Zeit Stuttgart (1972)
  • Die verfehlte Schöpfung Wien (1973)
  • Valéry und seine Idole in: Über das reaktionäre Denken. Zwei Frankfurt/M. (1980)
  • Vom Nachteil geboren zu sein . Gedanken und Aphorismen Wien München Zürich
  • Über das reaktionäre Denken zu Joseph de Maistre in: Zwei Frankfurt/M. (1980)
  • Gevierteilt Frankfurt/M. (1982)
  • Widersprüchliche Konturen Literarische Porträts Frankfurt/M. (1986)
  • Der zersplitterte Fluch Aphorismen Frankfurt/M. (1987)

Literatur

  • Thomas Stölzl: Ein Säulenheiliger ohne Säule - Begegnung mit Cioran Literaturverlag Droschl 1989
  • Richard Reschika: E.M. Cioran zur Einführung Junius Verlag 1995
  • Rupert Guth: Die Philosophie der einmaligen Augenblicke – Überlegungen E.M.Cioran 1997
  • Cornelius Hell: Skepsis Mystik und Dualismus – Eine Einführung das Werk E.M. Ciorans 1985
  • Friedgard Thoma: Um nichts in der Welt Weidle Verlag 2001
  • Peter Sloterdijk Der selbstlose Revanchist; aus Nicht gerettet – nach Heidegger Suhrkamp 2001

Weblinks



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