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Fiqh


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Fiqh (arab. فقه) ist die islamische Jurisprudenz . Sein Gegenstand ist das religiös legitimierte Gesetz die Schari'a .

Geschichte

Das was heute als islamisches Recht ist existierte zur Zeit Mohammeds noch nicht. In der präislamischen Stammeskultur man sich zur Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten an so genannten hakam der für besondere Weisheit bekannt war. besaß keinerlei Exekutivgewalt um ein Urteil zu daher forderte er von den Kontrahenten meist dass sie einen Eid schworen und als einige Kamele einem neutralen Dritten übertrugen. Nach Hidschra Mohammeds und seiner Anhänger nach Medina übernahm Mohammed die Rolle eines solchen hakam für die Muslime. Auch die ersten "rechtgeleiteten" Kalifen ( Raschidun ) amtierten als Schiedsrichter für die muslimische Erst die Umayyaden - Kalifen setzten Richter ( qadi ) ein die in ihren Entscheidungen relativ waren d.h. sie fällten ihre Urteile nach ray (Gutdünken Meinung) wobei sie Rekurs auf Koran die Tradition und örtliches Gewohnheitsrecht ( `urf ) nahmen.

Die wichtigsten ältesten Rechtsschulen im Islam die Schulen von Kufa und Basra im Irak und die von Medina und Mekka die sich hauptsächlich nach lokalen Gewohnheitsrecht Im 8. Jahrhundert entstand eine Bewegung von Menschen die vestärkt auf die eigentlichen Quellen des Islam wollten und die auf den Vorrang der Sunna des Propheten über die an altarabischen orientierte Rechtssprechung der älteren Rechtsschulen pochte.

Die Abbasiden die 750 die Umayadische Dynastie ablösten kamen eigentlich diese revolutonäre Bewegung an die Macht. Sie formelle Gerichtshöfe und etablierten ein System von Die Richter waren theoretisch unabhängig von der und entschieden allein nach dem islamischen Recht.

Infolge dieser Ereignisse wurden in der Frühzeit die vier auf den unten genannten beruhenden sunnitischen Rechtsschulen ( madhahib ) etabliert.

die Hanafiten nach Abu Hanifa ( 699 - 767 )
die Malikiten nach ihrem Gründer Malik Ibn Anas (gest. 795 )
die Schafiiten nach Muhammad ibn Idris al-Schafii ( 767 - 820 )
die Hanbaliten nach Ibn Hanbal ( 780 - 855 )

Darüber hinaus gibt es eigene Rechtsschulen Schiiten und der Kharidjiten .

Das islamische Recht ( fiqh ) gründet sich seit den auf die usul al-fiqh ("die Wurzeln des Rechts") die Prinzipien islamischen Rechts. Diese sind:

  • 1. Koran
  • 2. Hadith (Berichte mündliche Überlieferungen der Sunna (Gebräuche) des Propheten)
  • 3. Qiyas (Analogieschluss)
  • 4. Idschma (Konsens der Rechtsgelehrten)

Menschliche Handlungen werden in fünf Kategorien verpflichtend lobenswert erlaubt missbilligt und verboten ( haram ).

Die praktische Anwendungen des islamischen Rechts man furu' al-fiqh ("Die Zweige des Rechts") die auf von Fällen und Entscheidungen beruhen. Jeder Rechtsgelehrte kann in Zweifelsfällen Rechtsgutachten eine so genannte fatwa erstellen. Zur Entscheidungsfindung betrieb er dabei idschtihad ("Anstrengung") d.h. er versucht in der durch selbstständige Interpretation der Rechtsquellen und anhand zulässigen Methoden herauszufinden wie ein bisher noch dagewesener Fall zu entscheiden sei. Derjenige der Fatwa beantragt hat ist dann an sie das islamische Recht schließt jedoch den Fall aus dass zwei Rechtsgelehrte zu unterschiedlichen oder völlig gegensätzlichen Entscheidungen gelangen.

Irgendwann im elften oder zwölften Jahrhundert Zeitrechnung bzw. im vierten oder fünften Jahrhundert Zeitrechnung erklärten immer mehr islamische Rechtsgelehrte die des Idschihad" für geschlossen was dann auch allgemeinen Konsens wurde und unangefochten bis ins Jahrhundert so blieb. Grund für die "Schließung Tore des Idschtihad" ( انسداد باب الاجتهاد insidad bab al-Idschtihad ) war die Tatsache dass eigentlich jeder Muslim prinzipiell eine Fatwa ausstellen kann was der Praxis zu ständiger Unsicherheit über Rechtsfragen kann da es im sunnitischen Islam nicht etwas wie einen fest abgegrenzten Klerus gibt das alleinige Recht zur Ausstellung einer Fatwa sondern nur die relativ unklar abgegrenzte Gruppe Rechtsgelehrten ( Ulama ). Einige Gelehrte der damaligen Zeit ( Al-Ghazali Al-Amidi ) käpften vielleicht in weiser Voraussicht vehement diese Erstarrung unterlagen aber letztendlich doch. Seitdem und gibt es immer wieder Versuche Einzelner bestimmter Gruppen die "Tore des Idschtihad" wieder öffnen oder sie wurden sogar tatsächlich von in der Praxis geöffnet was aber weder fundamentalistische noch der konservative Islam bisher anerkannt

Immer gab es die Möglichkeit durch bestimmte Vorschriften zu umgehen wie man das in der jüdischen "Halacha" schon lange praktiziert. kann z.B. das Zinsverbot ungangen werden indem der Kapital bei einer Bank einzahlt keine Zinsen bekommt sondern Anteile erwirbt und dann Dividenden bekommt also Teile am gemeinsam erwirtschafteten was erlaubt ist. So entstand ein eigenes Bankensystem das auf diesem Wege nicht gegen Scharia verstößt.

In allerneuester Zeit vor allem seit die westliche Welt intensiver mit dem Islam der Scharia befasst wird sogar behauptet die des Idschtihad" seien nie geschlossen gewesen und sei ein Mythos um den Islam als zu diffamieren. Studiert man ältere Schriften so das "Schließen der Tore des Idschtihad" zwar kontrovers diskutiert und oft eine Wiedereröffnung vorgeschlagen gar praktiziert das Faktum das die "Tore Idschtihad" aber mindestens 600 wenn nicht gar Jahre geschlossen waren wird in diesen Schriften nie bestritten.

All das oben gesagt gilt eigentlich für den sunnitischen Islam. Der schiitische Islam kennt einen (die bekannten Ajatollahs und andere) und hat nie die Tore des Idschtihad prinzipiell geschlossen. ist eine Fatwa von Ayatollah Khomeini natürlich als die eines nicht in ein hierarchische eingebundenen sunnitischen Muftis auch oder gerade weil er vom eingesetzt und entlohnt wird. Deshalb hatte die von Ayatollah Khomeinei obwohl sie eigentlich nicht Sunniten gilt doch eine große Autorität.

Mit dem Todesurteil des iranischen Politikers Ayatollah Khomeini gegen den Schriftsteller Salman Rushdie ist das Wort Fatwa im Abendland Verruf geraten. Obwohl sich auch zahlreiche moderne mit Fragen der Politik auseinandersetzen enthält die praktische Handlungsanweisungen für den Alltag der Muslime. beantworten beispielsweise knifflige Fragen wie "Wann darf in Zonen wo die Sonne nicht untergeht Ramadan das Fasten brechen?" und nehmen Stellung Problemen der Sexualität ("Ist Cunnilingus erlaubt?") oder Abtreibung .

Für das sich davon teiweise unterscheidende Recht das nicht die oben beschrieben Erstarrungsphase siehe: Djafariten . Für die Charidschiten bzw. die aus ihnen hervorgegangenen recht Ibaditen mit ihren eigenen Rechtstraditionen siehe unter gleichnamigen Artikel: Ibaditen

Bedeutende Rechtsgelehrte: Al-Ghazali Ar-Razi Al-Amidi Al-Dschuwaini

Weiterführende Literatur

  • J. Schacht: The Origines of Muhammadan Oxford 1950
  • J. Schacht: An Introduction to Islamic Oxford 1964
  • Yasin Dutton: The Origins of Islamic 1999



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