Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 17. Oktober 2019 

Jürgen Schneider


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.
Dr. Jürgen Schneider (* 30. April 1934 in Frankfurt am Main ) ist ein ehemaliger deutscher Bauunternehmer der einer Aufsehen erregenden Milliardenpleite im Jahre 1994 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Zuvor hatte er sich allem durch die aufwändige Sanierung historischer Immobilien in Frankfurt München Leipzig und Berlin einen Namen gemacht.

Inhaltsverzeichnis

Der Aufstieg

Jürgen Schneider Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers zunächst Maurer und studierte anschließend Bauingenieurwesen in Darmstadt . Später promovierte er im Fach Staatswissenschaften an der Universität Graz . Seit 1963 arbeitete er in der Firma seines die er später übernehmen sollte. Doch 1982 schied er aufgrund von Streitigkeiten mit Vater aus der Firma aus. In der soll der Vater die ihm bekannten Banken aufgefordert haben seinem Sohn kein Geld leihen.

Doch diese Bitte blieb offenbar erfolglos Schneider gelang in den folgenden Jahren der in das Immobiliengeschäft großen Stils. Anfang der 1990er Jahre galt Schneider als erfolgreicher Investor . Aus der denkmalgeschützten Firmenzentrale der prunkvoll restaurierten Villa Andreae in Königstein im Taunus regierte er sein milliardenschweres Imperium aus 150 Immobilien.

Zu dieser Zeit war Schneider hoch - nicht zuletzt weil er sich in Linie historischen Immobilien in großen Innenstädten widmete er aufwändig restaurieren ließ. Dazu zählten unter die legendäre Leipziger Mädler-Passage mit dem schon Goethes Faust erwähnten Auerbachs Keller . Finanziert wurden die teuren Vorzeigeprojekte von Banken die sich von Schneider blenden ließen ihm großzügig Kredite gaben.

Lug und Betrug

Weil seine Projekte fast ausnahmslos unrentabel benötigte Schneider immer größere Kredite um die früherer Investitionen zu vertuschen. Ihm fehlte es an dem dafür eigentlich nötigen Eigenkapital . Ausgerechnet ein Mitarbeiter der Hypotheken -Tochtergesellschaft der Deutschen Bank soll ihn auf die Idee gebracht den Wert eines Objektes (das Goldene Kreuz in Baden-Baden ) durch geschönte Angaben zu steigern. Schneider bekam den und fand offenbar Gefallen an der Ausnutzung offensichtlichen Nachlässigkeit der Kreditinstitute bei der Überprüfung Angaben.

Die Dreistigkeit mit der Schneider dabei war beispiellos und warf später auch ein Licht auf die Banken. Bei einem Kredit den Neubau der Zeilgalerie einem großen Geschäftsgebäude auf der Frankfurter Zeil erhöhte Schneider die tatsächliche Nutzfläche von Quadratmetern in den Unterlagen auf angebliche 22.000 fälschte zudem Mietverträge für 30 erfundene Mieter . Den Mitarbeitern der Deutschen Bank war der Überpüfung offenbar entgangen dass auf dem (unweit ihrer Zentrale) die Nutzfläche korrekt mit Quadratmetern angegeben war. Auch ihren Münchener Kollegen dem Bernheimer Palais fiel offenbar nicht auf dass zwei und damit einige Tausend Quadratmeter fehlten.

Der große Knall

Ende Februar 1994 erschien ein kritischer Artikel über Probleme Mietern der Schneider-Immobilien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Schneider begann an der Standhaftigkeit Lügengebäudes zu zweifeln. Er informierte Anfang April Hauptkreditgeber Deutsche Bank über die drohende Zahlungsunfähigkeit tauchte anschließend mit seiner Frau Claudia unter. Bombe war geplatzt. Während die Schneiders mit Haftbefehl gesucht wurden begann am 14. April 1994 mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens vor dem Königsteiner Amtsgericht die Aufnahme des entstandenen Schadens.

Schneiders Bankschulden beliefen sich auf über Milliarden D-Mark knapp ein Viertel davon hatte ihm Deutsche Bank gegeben. Deren damaliger Vorstandssprecher Hilmar Kopper bezeichnete auf einer Pressekonferenz die Summe offenen Handwerker -Rechnungen (etwa 50 Millionen Mark) im Vergleich als Peanuts . Diese Äußerung hat das Ansehen der Bank der ein Mitverschulden an der Millardenpleite wurde stark beschädigt. Peanuts wurde in der Folge das Unwort des Jahres 1994.

Schneider tauchte erst wesentlich später wieder Die internationale Fahndung endete erst am 17. Mai 1995 als Jürgen und Claudia Schneider in Miami Florida festgenommen wurden. Jürgen Schneider verbrachte die bis zu seinem Prozess zunächst in US-amerikanischer und nach der Auslieferung im Februar 1996 in deutscher Untersuchungshaft .

Der Prozess

Am 30. Juni 1997 begann der spektakulärste Wirtschaftsprozess den Deutschland erlebt hat. Als Zeugen wurden Vertreter von 50 Banken vor das Frankfurter Landgericht geladen. Im Verlaufe des Prozesses der Verhandlungstage dauerte stellte Richter Heinrich Gehrke auch eine Mitschuld der an der Millardenpleite fest - in erster weil die Mitarbeiter der Kreditabteilungen die falschen ungeprüft akzeptierten obwohl ihnen in mehreren Fällen bankinterne Warnungen vorlagen. Auch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat festgestellt dass allein die Deutsche in 15 Fällen gegen Vorschriften des Kreditwesens- Hypothekenbankgesetzes verstoßen habe.

Diese Mitschuld der Kreditinstitute war es Schneider am 23. Dezember 1997 eine angesichts der Schadenshöhe relativ Strafe von sechs Jahren und neun Monaten Eine strafrechtliche Verfolgung von Mitarbeitern der am Skandal beteiligten Banken fand nicht statt. Doch die Deutsche Bank hatte für Monate mit Image -Problemen zu kämpfen.

Das Leben danach

Nachdem Schneider im Dezember 1999 aus der Haft entlassen wurde (unter der Untersuchungshaft verbüßte er zwei Drittel der ging Schneider unter die Autoren . Unter Mitarbeit des Ghostwriters [ Ulf Mailänder ] veröffentlichte er drei Bücher darunter die Autobiographie Bekenntnisse eines Baulöwen sowie eine Übersicht über seine Immobilien dem Titel Alle meine Häuser. Moderne Denkmale in Deutschland . Die Einnahmen sollen in den von eingerichteten Hilfsfond zur Unterstützung von der Pleite Handwerker fließen.

Nicht nur in bankenkritischen Kreisen gilt Schneider als moderner Robin Hood . Vor allem große Teile der Leipziger sind ihm bis heute dankbar für die zahlreicher historischer Bauten die ohne Schneiders illegale wohl kaum möglich gewesen wäre. Die Bedeutung für die Entwicklung der Leipziger Innenstadt drückt auch in speziellen Stadtführungen der besonderen Art aus in deren Mittelpunkt die kulturhistorisch ehemaligen Schneider-Gebäude stehen.

Literatur

  • Marc Frey: Die Akte Schneider Piper München 1996 ISBN 3492038832
  • Udo Frank Beate Thorn: Paläste Pleiten Peanuts. Der Banken-Skandal Schneider. Hoffmann u. C. 1996 ISBN 3455111807
  • Jürgen Schneider: Bekenntnisse eines Baulöwen Ullstein 1999 ISBN 3898340058
  • Jürgen Schneider: Alle meine Häuser. Moderne Denkmale in Deutschland. Vaw B.H. 2000 ISBN 3932366107
  • Jürgen Schneider: Top oder Flop - Was gute Geschäfte schlechten unterscheidet Eichborn 2001 ISBN 3821816473




Bücher zum Thema Jürgen Schneider

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/J%FCrgen_Schneider.html">Jürgen Schneider </a>