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Kindertaufe


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Mit Kindertaufe wird die Taufe Unmündiger bezeichnet. Sie ist in den Volkskirchen und in einigen Freikirchen (zum Beispiel bei den Methodisten ) die Regel wird jedoch in anderen taufgesinnten Kirchengemeinschaften strikt abgelehnt (siehe auch Erwachsenentaufe Gläubigentaufe ).

Inhaltsverzeichnis

Begründung der Kindertaufe

Die Praxis der Kindertaufe ist seit Anfängen umstritten. Von ihren Vertretern wird sie folgende Weise verteidigt:

Neutestamentliche Bibelstellen die zur Begründung der Kindertaufe werden

  • Matthäus 19 13-15: Jesus segnet Kinder und spricht ihnen das der Himmel zu.
  • Matthäus 28 19-20: Der Missionsauftrag Jesu in folgender (umstrittenen) Übersetzung: "Darum gehet hin in alle Welt und zu Jüngern alle Völker indem ihr sie ..."
  • Johannes 3 5: Jesus im Gespräch mit Pharisäer und Ratsherr Nikodemus: "Jesus antwortete: Amen amen ich sage dir: jemand nicht aus Wasser und Geist geboren kann er nicht in das Reich Gottes
  • 1. Korintherbrief 1 17: Paulus berichtet er habe und sein "Haus" (seine Familie) getauft.
  • 1. Korintherbrief 7 14: Die Kinder Eltern sind geheiligt.
  • Apostelgeschichte 10 44-48; 16 15; 16 25-34 18 8: Die Apostel taufen einzelne Personen ihren "Häusern" (Familien).

Kritiker der Kindertaufe bringen gegen die angeführten folgende Einwände: Keine der genannten Bibelstellen berichtet von einer Kindertaufe. Jesus segnet die Kinder sie aber nicht. Er spricht sogar den Kindern das Reich der Himmel zu. - Wenn die Kinder gläubiger ohnehin geheiligt sind warum sollten sie dann werden? - Bei den "Haus"- beziehungsweise Familientaufen nicht berichtet dass unter den Täuflingen unmündige gewesen sind. Eine genauere Betrachtung der genannten läßt eher auf das Gegenteil schließen.

Dogmatische Begründung der Kindertaufe

Viele Theologen sehen den neutestamentlichen Befund eine Begründung als dürftig an: "Kennt das Neue Testament die Kindertaufe? Es eindeutig zu sagen: Berichte über den Vollzug Taufe berichten davon nichts." (Evangelische Kirche im Rheinland (Herausgeberin): Kindertaufe - Pflicht oder Verpflichtung? S. 19)

Die Mehrzahl dieser Theologen halten die dennoch für evangeliumsgemäß da sie - besser als die - die Gnade Gottes veranschauliche: " Die Predigt des Wortes die Predigt auch Taufe und die Predigt des Kinderevangeliums (Matthäus 19 13-15; Einfügung des Verfassers) stimmen überein: das Heil Gottes ist an Vorleistung des Menschen geknüpft." (aaO S. 18).

Die Kindertaufe wird von manchen ihrer außerdem als " Angebot des Heils " betrachtet dem " die Antwort des Glaubens " (zum Beispiel bei der Konfirmation ) folgen muss.

Vor allem in der reformierten Theologie die Taufe als Bundeszeichen des neuen Bundes - analog zur Beschneidung dem Bundeszeichen des Alten Bundes. Da auch an (allerdings nur männlichen!) Kindern vollzogen hat die Taufe unmündiger Kinder - so Argumentation - ebenfalls ihre Berechtigung.

Geschichte der Kindertaufe

Alle einschlägigen Texte aus der Frühzeit Kirche sprechen dafür dass die Erwachsenentaufe anfängliche die Kindertaufe seltene Ausnahme war.

Alte Kirche

Der Taufe in der frühen Kirche meist ein Katechechumenat voraus in dem die auf ihre Taufe vorbereitet wurden. Eindeutige Dokumente die Praxis der Kindertaufe stammen aus dem 3. Jahrhundert : Tertullian Jurist und Kirchenlehrer aus Nordafrika setzt kritisch mit der Säuglingstaufe auseinander. Cyprian Bischof von Karthago befürwortet eine Taufe " sofort nach der Geburt ". Hippolyt Presbyter der römischen Christengemeinde entwickelt eine Taufordnung Säuglinge und Kleinkinder "für welche deren Eltern sprechen sollen". Origines Theologe aus Caesarea in Palästina stellt in seinen Schriften die Behauptung die Kindertaufe sei apostolisch. Kirchenhistoriker begründen diese mit dem Aufkommen der Lehre von der Erbsünde "die durch die Taufe abgewaschen werden War man bis dahin noch der Überzeugnung - insbesondere solche aus christlichem Elternhaus (siehe Korinther 7 14) - seien in einem Zustand so schloss mann jetzt aus Römer 5 dass alle Menschen - Kinder Erwachsene - von Natur aus im Zustand Sünde seien. Die Taufe - und hier sie sich zum Sakrament - sei das Mittel das diesen behebt. Ohne Taufe gäbe es demzufolge keine auf ewiges Leben .

Der bedeutsamste Meilenstein auf dem Weg allgemeinen Praxis der Kindertaufe war der theologische Disput zwischen Augustinus und Pelagius . In diesem Streit um die Sünde des Menschen und die Gnade Gottes ging es insbesondere um die und die Heilsnotwendigkeit der Säuglingstaufe. Die Kirche sich nach einigem Schwanken für die augustinische und ordnete Anfang des 5. Jahrhunderts die Taufe von Kindern christlicher Eltern nach der Geburt an "um sie der Gefahr der Verdammnis zu die ihnen droht falls sie ungetauft sterben

Dass die Kindertaufe zunehmend die Regel hatte einen weiteren Grund: Im 4. Jahrhundert erfolgte öffentliche Anerkennung der christlichen Gemeinde römischen Reich . 311 ( 312 ?) erließ Kaiser Konstantin die Mailänder Konstitution in der das Christentum als "religio licita" bezeichnet wurde. Der Entwicklung zur Volkskirche war damit die Tür geöffnet worden. das Reichsdekret des Kaisers Theodosius wurde schließlich die christliche Kirche im 380 Staatsreligion . Die Kirchenzugehörigkeit aller Bürger wurde seitens Staates angeordnet.

Reformationszeit

Erst in der Reformationszeit wurde die Berechtigung der Kindertaufe wieder in Frage gestellt - nicht allein durch Täufer die sie radikal ablehnten. Selbst Martin Luther scheint anfänglich ein Gegner der Kindertaufe zu sein. In einer Predigt zu Matthäus 8 1ff sagte er anderem: "Taufe hilft niemand ist auch niemand zu er glaube denn für sich selbst und eigenen Glauben niemand zu taufen ist. Der muss vor oder je in der Taufe sein ... wo wir nun nicht können dass die jungen Kinder selbst glauben und Glauben haben da ist es mein treuer und Urteil dass man stracks abstehe je desto besser und taufe nimmermehr kein Kind wir nicht die Hochgelobte Majestät Gottes mit Alfanzen und Gaukelwerk dahinter nichts ist spotten lästern." (Martin Luther: Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias zu 8 1ff ) Im Großen Katechismus (S. 549)lehrt er: "Die Taufe bleibt falls der Glaube fehlt bloßes und wirkungsloses Zeichen." Luther kommt aber dann zu der dass auch Säuglinge Glauben hätten ja ihnen Glaube durch die Taufe "eingeflößt" würde und sich - in der Auseinandersetzung mit den - immer schärfer für die Praxis der aus. In der Weimarer Gesamtausgabe der Werke findet sich folgendes Luther-Zitat(30/II S. 596): "Und ich wollt hoch und teuer drum dass der Teufel durch die Rottengeister und Wiedertäufer eben das im Sinn hat und darum die Kindertaufe aufheben und nur die und Großen taufen will. Denn seine [des Teufels] Gedanken sind gewiß die: wenn ich die weg habe so will ich mit den schon so weit kommen dass sie die verziehen und aufschieben bis sie ausgebubet haben bis aufs letzte Stündlein außerdem will ich schon fein von der Predigt abhalten dass mir weder von Christus noch von der Taufe etwas lernen halten ..." Zwingli hielt die Taufe nur für ein Symbol . Auch er stand anfänglich der Gläubigentaufe positiv gegenüber favorisierte die Kindertaufe aber aufgrund seiner Auseinandersetzung mit der Täuferbewegung. Johannes Calvin hingegegen befürwortete von Anfang an die der Kindertaufe. Schließlich werden in der von Melanchthon verfaßten Confessio Augustana dem Glaubensbekenntnis der Lutherischen Kirche die sogenannten Wiedertäufer mit ihrer Ablehnung der Kindertaufe fünfmal (CA Artikel 5 9 12 16 und

Gegenwart

In der Gegenwart ist die volkskirchliche der Kindertaufe innerhalb der Kirchen neu diskutiert Ausgangspunkt dieser Diskussion war die 1967 erschienene Schrift Karl Barths "Die Taufe als Begründung des christlichen Barth unterscheidet in dieser Schrift zwischen "Wassertaufe" Taufe durch den Heiligen Geist . Die Wassertaufe sei Menschenwerk die Taufe dem Heiligen Geist sei Gottes Werk. Beides deutlich voneinander unterschieden werden. Während sich in "Geistestaufe" Gott dem Menschen zuwende wende sich der Wassertaufe der Mensch Gott zu. Aus Grund plädierte Barth für die Erwachsenentaufe als menschliche "Antwort des Glaubens".

Auch die geistlichen Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre (Jesus People Charismatische Bewegung und andere) haben in vielen Kirchen Taufdebatte neu entfacht. Menschen - darunter viele der Volkskirchen - ließen sich nach sogenannten "Bekehrungserlebnissen" taufen. Dies hat in den Volkskirchen u.a. geführt die empfangene Kindertaufe bei ihren Mitgliedern Taufgedächtsgottesdienste und Tauferneuerungsfeiern erlebbar zu machen und Begehren einer sogenannten Wiedertaufe entgegen zu treten.

Literatur

  • Karl Barth: Die Taufe als Begründung des christlichen Lebens (1967)
  • George Beasley-Murray: Die christliche Taufe
  • George Beasley-Murray: Gesichtspunkte zum Taufgespräch heute (Kassel 1965)
  • Markus Barth: Die Taufe - ein Sakrament? (Zollikon-Zürich 1951)
  • Karl Ferdinand Müller / Walter Blankenburg (Herausgeber): LEITURGIA. Handbuch des evangelischen Gottesdienstes . 5. Band: Der Taufgottesdienst (Kassel 1970)
  • Friedrich Sondheimer: Die wahre Taufe. Ein Bekenntnis zur Taufe Gläubigen (Kassel o.J.)
  • Evangelische Kirche im Rheinland: Kindertaufe - Pflicht oder Verpflichtung? (Düsseldorf 1968)




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