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Kirchensteuer


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Die Kirchensteuer ist eine Steuer die in Deutschland vom Staat im der Kirchen von deren Mitgliedern erhoben und die Kirchen weitergeleitet wird. Diese Steuer sorgt wieder für Diskussionen.

In Schweden gibt es für die evangelisch-lutherische Kirche gleiche System wie in Deutschland; partiell vergleichbar die Kirchengemeindesteuer in mehreren Kantonen der Schweiz mit und der ohne staatliche Mithilfe Kirchenbeitrag in Österreich . Die mit der Mandatssteuer in Italien Ungarn und Spanien eingeführten Verfahren beschreiten neue Wege. In Ländern ist die Kirchensteuer unbekannt dort erfolgt Finanzierung der Kirchen über interne Beitragserhebungen oder ähnlich dem teilweise auf Gemeindeebene erhobenen Kirchgeld .

Die Kirchensteuer leitet sich vom staatlichen her ist aber in keiner Weise eine Leistung oder staatlich festgesetzte Abgabe. Im Sinne Steuerrechts sind Steuern "Geldleistungen die nicht eine für eine besondere Leistung darstellen und von öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen werden bei denen der Tatbestand zutrifft an das Gesetz die Leistungspflicht knüpft" (§ 3 (1977)). An dieses Verständnis knüpft auch die an. Sie wird - ausschließlich von Mitgliedern jeweiligen Kirche - in Deutschland als Zuschlag Einkommensteuer und Grundsteuer A erhoben; die Erhebung Zuschlag zur Vermögensteuer ist in den Kirchensteuergesetzen deutschen Bundesländer ermöglicht.

Vermutlich hat die Kirchensteuer einen großen zu den hohen Kirchenaustritten der vergangenen Jahre geleistet.

Inhaltsverzeichnis

Kirchliche Finanzierung

Die Entwicklung bis zum 19. Jahrhundert

Die Kirche lebt seit dem 1. Jahrhundert von Schenkungen Erbschaften und wie oben von Kollekten also Sammlungen unter Gliedern der Gemeinde. Ab dem 6. Jahrhundert Kirche lässt sich eine Finanzierung durch von Grund und Boden feststellen.

Ein Einschnitt bedeutet das Wirken von Martell der von 714 bis 741 fränkischer Hausmeier war. Für die 732 ausgetragene Schlacht gegen die Araber bei gab er Bauern Land aus kirchlichem Besitz Lehen wenn sie ihrem Herrn schwergepanzert in Krieg folgten. Pippin von 741 bis 768 König führt den geistlichen Zehnt ein Ausgleich für die Enteignungen in der Zeit Martells. Im 10. Jahrhundert wird der seit Karl dem Kahlen ( 843 - 877 ) eingesetzte Zerfall der abendländischen Kultur besonders Viele Adlige erzwingen die Übertragung von Klöstern privaten Erbbesitz Laienäbte werden eingesetzt. Ähnliches bewirkt Wirren im 16. Jahrhundert infolge der Reformation . Kirchen und Klöster werden säkularisiert. Weltliche bereichern sich daran. Schließlich wird im Augsburger Religionsfrieden von 1555 das "Landesherrliche Kirchenregiment" festgeschrieben: "Wessen Region Religion". Für etliche Regenten scheint dies ein zur persönlichen Bereicherung gewesen zu sein.

Noch weiter führt der 1789 gefasste Beschluss der französischen Nationalversammlung in das gesamte Kirchengut zu Nationaleigentum erklärt wurde. wird für den Bereich der heutigen Bundesrepublik durch die Abtretung der linksrheinischen Gebiete Deutschlands Frankreich im Jahr 1797 relevant. Schließlich wird 1803 im Reichsdeputationshauptschluss die Säkularisation und damit die Enteignung Kirche beschlossen.

Die Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert: dem Weg zur Kirchensteuer

In der nachnapoleonischen Zeit finanziert sich Kirche zunächst durch

  • Ertrag aus dem Restvermögen
  • staatliche Leistungen die auf Grund des landesherrlichen Kirchenregimentes gewährt werden
  • staatliche Ergänzungsverpflichtungen wegen der Säkularisationen.

Im 19. Jahrhundert beginnt die Geldwirtschaft zu dominieren. Damit wird der Zehnte unpraktikabel. So beginnt 1827 die Einführung der Kirchensteuer nachdem sie 1808 noch in Preussen gescheitert war weil Bürger die Erhebung von Kirchensteuer als Eindringen Staates in die persönlichen Verhältnisse auffassten. Lippe-Detmold ist das erste deutsche Territorium in sie erhoben wird. Es folgen 1831 Oldenburg 1835 die preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen die rheinisch-westfälische Kirchenordnung 1838 Sachsen 1875 Hessen 1888 Baden 1892 Bayern und 1905 / 06 Preußen . Verschiedene Gründe sind für diese Entwicklung worden. Es geht zum einen um den der Landesherrschaften sich aus dem Unterhalt der zurück zu ziehen um so die öffentlichen zu entlasten. Zum anderen wird damit argumentiert der Anteil der kirchlich gebundenen Bevölkerung zurück und so eine grundsätzliche allgemeine Finanzierung durch Ganze des Staates nicht mehr begründbar sei.

1919 wird die Kirchensteuer in der Weimarer Reichsverfassung verankert. In Artikel 137 Absatz 6 es: "Die Religionsgesellschaften welche Körperschaften des öffentlichen sind sind berechtigt auf Grund der bürgerlichen nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu 1939 werden in Österreich das zu diesem Zeitpunkt wieder zu Teil des nun nationalsozialistischen Deutschen Reiches geworden Kirchenbeiträge als privatrechtliche Pflichtleistungen geordnet. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland übernimmt 1949 in seinem Artikel 140 die Weimarer Es heißt dort: "Die Bestimmungen der Artikel 137 138 139 und 141 der deutschen vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes."

Zur gegenwärtigen Kirchensteuererhebung in Deutschland

Voraussetzung für Kirchensteuererhebung sind

  1. die Anerkennung einer religiösen Organisation als Körperschaft des öffentlichen Rechts
  2. Kirchensteuerbeschlüsse der zuständigen Leitungsgremien (es handelt hierbei beispielsweise in der Ev.Kirche im Rheinland um die Presbyterien in der Protestantischen Landeskirche der Pfalz um die Landessynode )
  3. die Anerkennung der Beschlüsse durch die Landesministerien (meist: Finanzministerium).

Heute beträgt die Kirchensteuer in den Kirchen und Bundesländern die in ihren Kirchensteuergesetzen Obergrenze festlegen 8% bzw. 9% von der und erbringt je nach Kirche unterschiedlich etwa bis 80% der kirchlichen Einnahmen. Davon ist Teil – z.B. sind es 2004 in Rheinland-Pfalz an die Finanzbehörden abzuführen als Betrag für Dienstleistung der Steuererhebung.

Die Pflicht zur Zahlung an die ist an die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Organisationen gebunden und erlischt mit dem formalen des Kirchenaustritts .

Die Kirchensteuer kann bis zu einer von 5% des zu versteuernden Einkommens als Sonderausgabe steuerlich geltend gemacht werden. Damit ist durch die Kirchensteuer verursachte zusätzliche Belastung des bei Spitzenverdienern nur etwa halb so groß der der Kirche zufließende Betrag. Der restliche der der Kirche zukommt entgeht dem Staat Steuereinnahme. Im Gesamten bewirkt diese begrenzte Abzugsfähigkeit durchschnittliche Reduzierung der Einkommensteuerschuld um derzeit 39 des Kirchensteuer (Quelle: Subventionsbericht der Bundesregierung). Die ist damit den Spenden für anerkannte gemeinnützige oder religiöse Organisationen gleichgestellt.

Zur Kirchensteuererhebung sind alle religiösen Körperschaften öffentlichen Rechts in Deutschland berechtigt. Derzeit nutzen Möglichkeit:

  • die evangelischen Landeskirchen und ihre Gemeinden der EKD
  • die Bistümer der Römisch-Katholischen Kirche
  • das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland
  • die Freireligiösen Gemeinden bzw. Landesgemeinde Baden Offenbach und Pfalz
  • die Unitarische Religionsgemeinschaft Freie Protestanten
  • die jüdischen Gemeinden ("Kultussteuer")

Im Jahr 2002 betrug das Kirchensteueraufkommen in Deutschland:

  • Katholische Kirche 4 1 Mrd. Euro
  • Evangelische Kirche 4 3 Mrd. Euro
  • Gesamt 8 4 Mrd. Euro
  • Verringerung der Einkommensteuer um insgesamt 3 Mrd. Euro.

Die Kirchen verwenden die Kirchensteuereinnahmen nach Angaben folgendermaßen (gerundet):

  • Katholische Kirche:
    • Pfarrer und anderes kirchliches Personal: ca.
    • Sachkosten Verwaltung: ca. 10%
    • Kirchenbauten: ca. 10%
    • Schule und Bildung: ca. 10%
    • Soziales und Caritatives: ca. 10%
  • Evangelische Kirche:
    • Pfarrer und anderes kirchliches Personal: ca.
    • Sachkosten Verwaltung: ca. 10%
    • Kirchenbauten: ca. 10%
    • Schule Bildung Soziales und Caritatives: ca.

Diskussion um die Kirchensteuer

In der Bundesrepublik Deutschland kam es 1973 in Folge der "Freiburger Thesen" der FDP zur Diskussion da dort die Trennung von Staat und Kirche und damit die Ersetzung des staatlichen durch ein kircheneigenes Beitragssystem gefordert wurde. In Form befinden sich diese Forderungen auch heute im Programm der FDP. Ähnliche Positionen wurden von der Partei "Die Grünen" formuliert.

Auch innerkirchlich ist die Kirchensteuer nicht Seit etwa 1980 gibt es Debatten darüber ob die an staatliche Besteuerungsziele sinnvoll und rechtens sei. wurde und wird über den Sinn einer diskutiert die von weniger als 40% der entrichtet wird. Vor diesem Hintergrund gewinnt die der Erhebung von Kirchgeld zunehmend Bedeutung. Je den Landesgesetzen kann es ein in seiner festes oder variables Kirchgeld geben.

Die Anbindung an das Einkommenssteuerrecht hatte verschiedene Nebenwirkungen zum Beispiel wurde bis zum 2003 für konfessionslose Arbeitslose ein Abschlag vom berechnet. Erst seit inzwischen nur noch knapp Hälfte aller Arbeitnehmer Kirchensteuer zahlt wurde diese abgeschafft.

Nach ihrem 1990 erfolgten Beitritt zur Ev. Kirche in Deutschland forderten die evangelischen Landeskirchen im Bereich früheren DDR auf Grund ihrer Geschichte von EKD-Gliedkirchen eine größere Distanz zum Staat die mit der Forderung einherging die Kirchensteuer abzuschaffen.

Die Erhebung durch die staatlichen Finanzbehörden umstritten. So werden als Gegenargumente vorgebracht:

  • Das staatliche Eintreiben einer Steuer für eine oder religiöse Gruppierung widerspreche der im Allgemeinen Neutralität des Staates in weltanschaulichen und religiösen
  • Die Erhebung der Kirchen-/Kultussteuer wird als einseitige insbesondere der evangelischen Landeskirchen und der römisch-katholischen aufgefasst obwohl derzeit sechs verschiedene Kirchen und dieses Verfahren nutzen.
  • Es wird mit einem erheblichen Aufwand der Verwaltung gerechnet ohne dabei die Vergütung zu die die Kirchensteuer erhebenden Organisationen zu zahlen derzeit in Rheinland-Pfalz 4%.

So sind die Kirchen in Deutschland Meinung dass um die vielfältigen Aufgaben erfüllen können eine beständige Zahlung der Beiträge unerlässlich

In Deutschland verzichten viele insbesondere kleinere der Vereinigung Evangelischer Freikirchen zusammengeschlossene Konfessionen auf den Einzug von Ihnen ist eine deutliche Unterscheidung zwischen Staat Religionsgemeinschaften wichtig. Die Mitgliedsbeiträge werden hier in Regel als freiwillige Spenden bezeichnet. Manche geben den biblischen Zehnten als verbindliche Regel für solche "freiwilligen Gaben" Vgl. dazu zum Beispiel den Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland [1] den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland [2] oder die Evangelisch-methodistische Kirche [3] .

Biblische Quellen

Vorpfingstlich

In der Bibel werden unterschiedliche Abgaben Es gibt Geld- und Naturalabgaben:

Nachpfingstlich

Lukas beschreibt die Kirche in ihren Anfängen eine Gemeinschaft die die Gütergemeinschaft pflegt. So nach Apostelgeschichte 2 44f ; 4 32 in der Urgemeinde alle Gläubigen alles besessen haben. Die Habe wurde demnach eingesetzt nachdem einer bedürftig war". Für diese zuweilen "urchristlicher Kommunismus" bezeichnete Gütergemeinschaft sind verschiedene Gründe

  • Durch ihre Konversion zum Christentum fielen Gemeindeglieder aus dem jüdischen Hilfesystem heraus und aus dem familiärem Rückhalt ausgeschlossen.
  • Jesus lebte mit seinen Jüngern ein Vorbild.
  • Besitz wurde als Gefahrenquelle für das Heil gesehen (vgl. Matthäus 19 24 ).
  • Es gab eine lebendige Erwartung der Christi durch die alles Materielle wertlos wurde.

Vermutlich hat es keine volle Gütergemeinschaft wohl aber eine ausgeprägte Solidarität untereinander. Dafür etwa folgende neutestamentliche Belege:

siehe auch

Zehnt

Weblinks

Zahlen und Fakten


Kritik am Kirchensteuersystem



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