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Mainzer Republik


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Als Mainzer Republik wird der kurzlebige Freistaat bezeichnet der von März bis Juli 1793 unter dem Schutz der französischen Revolutionstruppen auf dem Gebiet des heutigen Rheinhessen und der Pfalz bestand und der das erste auf bürgerlich-demokratischen Grundsätzen beruhende Staatswesen auf deutschem Boden gewesen ist.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Mainzer Republik

Vorgeschichte

Zu Beginn des 1. Koalitionskrieges versuchten preußische und österreichische Truppen unter Führung des Herzogs von Braunschweig die Revolution in Frankreich zu ersticken und König Ludwig XVI. wieder in seine alten Rechte einzusetzen. Versuch scheiterte am 8. August 1792 in der Kanonade von Valmy. Die Revolutionsarmee ging zum Gegenangriff über drang unter Adam Custine Ende September in die Pfalz und besetzte am 22. Oktober 1792 Mainz . Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal hatte Stadt bereits verlassen.

Die deutschen Jakobiner

Bereits am Tag nach der Besetzung 20 Mainzer einen Jakobinerclub . Mit ihren später gegründeten Ablegern in Speyer und Worms warben die deutschen Jakobiner im Sinne Aufklärung für die Ideale der Französische Revolution Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit. Zu den Gründungsmitgliedern des Clubs gehörte der Universitätsbibliothekar und Naturforscher Georg Forster weitere Professoren und Studenten der Universität auch Kaufleute und sogar Beamte des Kurstaats.

Custine versuchte die eroberten Gebiete zunächst Hilfe der alten kurmainzischen Verwaltung zu regieren setzte aber bald Verwaltungen ( Munizipalitäten ) in den Städten Mainz Speyer Worms Bingen sowie eine Allgemeine Administration für das gesamte Besatzungsgebiet ein. Dabei er auf die Jakobinerclubs zurück deren Mitglieder Städten und Dörfern nun massiv für die der Revolution warben - mit Flugschriften Plakaten aber auch spektakulären Propagandaktionen wie der Errichtung Freiheitsbäumen. Mitte Dezember 1792 ergab eine Umfrage in 40 Gemeinden etwa drei Viertel der Bevölkerung eine Umgestaltung Staatsordnung nach französischem Vorbild befürwortete.

Die Gründung der Republik

Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle der Bevölkerung im Besatzungsgebiet ohne äußeren Druck Dies änderte sich um die des Jahreswende 1792 / 93 . Aufgrund der Erfahrungen in den ebenfalls Gebieten der Österreichischen Niederlande deren Bevölkerung wenig Bereitschaft zur Revolution hatte der Konvent in Paris am 15. Dezember beschlossen demokratische Ordnungen in den besetzten notfalls auch gegen den Willen der Bevölkerung etablieren.

Auch in Mainz erschienen daher Anfang 1793 Kommissare des Konvents. Sie sollten zusammen den deutschen Jakobinern die Wahlen zu den und zu einer verfassunggebenden Versammlung vorbereiten forderten von allen Wählern bereits im Voraus einen Eid auf die der Revolution zu leisten. Dieser Eid wurde vielen Orten verweigert und es kam teilweise zu Repressionen der Jakobiner gegen die Bevölkerung. Wahlen zum Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent am 24. Februar 1793 verliefen an den Maßstäben der Zeit dennoch halbwegs demokratisch. 130 Städte und Dörfer den Gebieten links des Rheins und südlich der Nahe sandten ihre Abgeordneten nach Mainz.

Das erste auf demokratischem Wege zustande Parlament der deutschen Geschichte trat am 17. März 1793 im Mainzer Deutschhaus (heute Sitz des Landtages von Rheinland-Pfalz ) zusammen. Am folgenden Tag erging das

Dekret des zu Mainz versammelten rheinisch-deutschen Nationalkonvents 18. März 1793 wodurch in dem Striche Landes von Landau bis Bingen alle bisherigen willkürlichen Gewalten abgeschafft werden.

In Artikel 1 des Dekrets heißt

Der ganze Strich Landes von Landau bis welcher Deputierte zu diesem Konvente schickt soll jetzt an einen freyen unabhängigen unzertrennlichen Staat der gemeinschaftlichen auf Freiheit und Gleichheit gegründeten gehorcht.
Und weiter in Artikel 2:
Der einzige rechtmäßige Souverän dieses Staats nämlich freie Volk erklärt durch die Stimme seiner allen Zusammenhang mit dem deutschen Kaiser und für aufgehoben.
Im folgenden erkärte das Dekret alle Herrschaftsrechte für erloschen und drohte den bisherigen und allen die ihnen bei der Rückgewinnung Herrschaft helfen sollten mit der Todesstrafe.

Das Ende des Freistaats

Den Delegierten war bewusst dass der Freistaat auf sich allein gestellt nicht lebensfähig Daher beschlossen sie schon am 23. März beim Konvent in Paris die Angliederung Frankreich zu beantragen. Der Delegation die zu Zweck in die französische Hauptstadt entsandt wurde auch Georg Forster an. Am 30. März nahm der Konvent den Antrag der Deputierten einstimmig an. Praktische Auswirkungen hatte dieser jedoch nicht mehr. Denn mittlerweile waren preußische auf das Gebiet des Freistaats vorgedrungen und mit der Belagerung und Beschießung von Mainz In den vier Monaten bis zur Kapitulation 23. Juli beschränkte sich das Gebiet der Mainzer also allein auf die Stadt.

Nach dem Abzug der Franzosen und Besetzung durch die preußischen Truppen sahen sich deutschen Jakobiner sofern sie nicht geflohen waren und Inhaftierung ausgesetzt. Die sogenannte Klubistenverfolgung endete erst 1795 als die französischen Revolutionstruppen erneut zum vorstießen und das gesamte linksrheinische Gebiet für Jahre an Frankreich angegliedert wurde.

Literatur

  • Heinrich Scheel Die Mainzer Republik Berlin 1975
  • Franz Dumont Die Mainzer Republik 1792/93. Studien zur Revolutionierung Rheinhessen und der Pfalz in: Schriftenreihe Alzeyer Geschichtsblätter Sonderheft 9 Alzey 1982
  • Walter Grab Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern. Geschichte der deutschen Jakobiner Frankfurt am Main 1985
  • Die Mainzer Republik. Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent hg. vom Landtag Rheinland-Pfalz Mainz 1993
  • Peter Schneider Mainzer Republik und Französische Revolution Mainz 1991




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