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Mittelalterliche Musik


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Der Kirchenvater Clemens von Alexandria (starb 220) untersagte seiner Gemeinde den Gebrauch der Tonfolgen als der Würde des Gottesdienstes nachteilig. dem genannten Verbot tritt die christliche Kirche erstenmal musikalisch selbständig auf wenn auch vorläufig negierend; denn es bedurfte für sie noch Jahrhunderte der Erstarkung um der selbst zur der römischen Weltherrschaft noch allumfassenden Macht der Kultur selbstschöpferisch gegenüber zu treten. Eine höhere darf die musikalische Reform des heiligen Ambrosius Bischofs von Mailand (gest. 397) beanspruchen die vier mit D E F und beginnenden Oktavengattungen der Griechen (von ihm mit griechischen Zahlworten protos deuteros tritos und tetrardos bezeichnet) zum Gebrauch für seine Kirche und damit zunächst zwar ebenfalls nur eine des antiken Systems bezweckte gleichzeitig jedoch den zu dem noch heutigentags gültigen System der Kirchentonarten legte.

Von höchster Wichtigkeit aber sind die welche die Musik dem Papst Gregor der Große (gest. 604) zu danken hat. Dieser das System der Kirchentonarten indem er den Ambrosianischen Tonarten den so genannten authentischen vier hinzufügte welche Plagaltonarten genannt wurden und zu Haupttonarten in einem Abhängigkeitsverhältnis standen ähnlich wie mit hypo bezeichneten Oktavengattungen der Griechen zu übrigen den altern. Wie jene bestanden auch Plagaltonarten in einer Umstellung der Teile der nur mit dem Unterschied dass bei den der christlichen Kirche die Quinte als tiefere die Quarte als höhere Hälfte der Oktave wurde.

Die enge Zusammengehörigkeit der authentischen und Töne (deren Verhältnis von den Schriftstellern des durch die Bezeichnung "männlich" und "weiblich" treffend ist) zeigt sich am deutlichsten darin dass musikalische Schwerpunkt der Grund- oder Finalton beiden ist: die authentische Tonart hat ihn in Tiefe die plagalische dagegen in der Mitte Tonleiter findet ihren Abschluss auf der Quarte sie nach der Höhe und der Tiefe Umfang einer Oktave umschweift. Nach diesem Prinzip man auch die Melodien in authentische und ein nämlich solche die sich vom Grundton zu seiner Oktave und zurück bewegen und die von ihrem Grundton aus eine Quinte und eine Quarte abwärts steigen um schließlich zu ihm zurückzukehren (vgl. Kirchentöne).

Hiermit war das griechische System der wieder vollständig ins Leben gerufen wenn auch mit den frühern Namen derselben denn Gregor sich wie auch sein Vorgänger Ambrosius die durch Zahlworte zu bezeichnen:

  • erster Kirchenton: D-d
  • zweiter Kirchenton: A- a
  • dritter Kirchenton: E-e
  • vier-ter Kirchenton: H-h
  • fünfter Kirchenton: F-f
  • sechster Kirchenton: C-c
  • siebenter Kirchenton: G-g
  • achter Kirchenton: D-d (dieser vom ersten durch den Finalton unterschieden welcher dort D G ist).

Ein weiteres Verdienst um die Musik sich Gregor durch die Verbesserung der schon den Päpsten Silvester und Hilarius im 4. 5. Jahrhundert gegründeten Kirchengesangschulen sowie durch Zusammenstellung zu seiner Zeit bekannten Kirchengesänge in dem genannten Antiphonarium centone welches bis zur Gegenwart die Grundlage römischen Kirchengesanges geblieben ist. Den Gipfel seiner Tätigkeit aber bezeichnet die Einführung der nach benannten Vortragsweise des Gregorianischen Gesanges oder Cantus planus (lat. ebener Gesang ) so genannt weil er nicht wie antike und auch noch der Ambrosianische Gesang Zeitwert der Töne dem Metrum der Dichtung sondern es dem Sänger überließ.

[...] die Textesilben wie in der Rede nach Belieben zu dehnen und zu "Indem so die Melodie von den Fesseln Metrik befreit war" sagt Ambros "zerriß das Band welches bis dahin die Musik noch mit der antiken verknüpft hatte darin liegt die hohe Bedeutung der musikalischen des heil. Gregor dass sich nun die tatsächlich von der Wortdichtung emanzipierte in welcher bisher fast als integrierender Bestandteil unselbständig aufgegangen

  
Nach Gregors Tod mußten wiederum Jahrhunderte bevor die Musik in ein neues Stadium Entwickelung treten konnte bevor dasjenige Element zur gelangen sollte welches eigentlich das Unterscheidungsmerkmal der von der modernen Musik bildet: die Mehrstimmigkeit Harmonie (im heutigen Sinn des Wortes). Der welcher es unternahm feste Regeln für das Erklingen zweier oder mehrerer Tonreihen auszustellen war (Ubaldus) ein Mönch des Klosters St.-Amand in (gest. 930). Er folgte dabei teils der Musiklehre welche in der lateinischen Bearbeitung des Boëthius (gest. 525 n. Chr.) zu seiner wiederum Gegenstand des Studiums geworden war teils bereits vor ihm an musikalischen Instrumenten gemachten Erfahrungen; die von ihm seinen mehrstimmigen Tonsätzen Namen Diaphonie ("Zusammenklang") und Organum ("Musikinstrument") deuten auf die eine wie die andere Quelle.

Das Verfahren Hucbalds bestand zunächst darin er zu einer Tonreihe eine zweite in schon von den Griechen als vollkommenste Konsonanz Quinte hinzufügte; sodann gewinnt er durch Oktavenverdoppelung tiefen Stimme Quartenparallelen in den beiden Oberstimmen; durch Oktavenverdoppelung der zweiten Stimme einen vierstimmigen z. B. Neben dieser rein mechanischen Tonkombination er aber noch eine andere von nur Stimmen deren eine meist auf derselben Tonhöhe während die andere sich in verschiedenen Intervallen sie herum bewegt.

Indessen war auch mit dieser Art Organums wiewohl es schon eine annähernd kunstmäßige zeigt für die Ausbildung der mehrstimmigen Musik nicht viel gewonnen und man wird die Äußerungen Hucbalds bezüglich der Wirkung dieses "lieblichen mit Vorsicht aufnehmen müssen. Auch dem ein später wirkenden als Musikreformator zu hohem Ruhm Guido von Arezzo (gest. 1050) sollte es nicht gelingen Kunst des mehrstimmigen Tonsatzes wesentlich zu fördern; ist ihm ein anderer wichtiger Fortschritt zu die Ausbildung einer den erhöhten Bedürfnissen der entsprechenden Notenschrift . Als solche waren von den Griechen 24 Buchstaben des Alphabets (für die Instrumente verkehrter Stellung) benutzt worden von Gregor d. aber die des lateinischen Alphabets und zwar richtiger Erkenntnis der Notwendigkeit einer Vereinfachung der Notation nur die sieben ersten als zur der diatonischen Tonleiter hinreichend. Beide Notierungsarten aber an dem Fehler dass sie das Steigen Fallen der Melodie nicht anschaulich darstellten.

Dies vermochte eine dritte schon zu Zeit bekannt gewesene und auch von ihm den Buchstaben benutzte Tonschrift die Neumen bestehend in einer großen Zahl von Punkten Strichelchen und Schnörkeln deren Ursprung in Accenten der griechischen Schriftsprache zu suchen ist zu einem gewissen Grade; doch war die der einzelnen auf- und absteigenden Tonzeichen solange dieselbe nicht mit Hilfe eines Liniensystems präzisierte unbestimmt um nicht die verschiedensten Lesarten zuzulassen. Übelstand nun half Guido ab indem er Versuche seiner Vorgänger mit erst einer dann bald schwarzen bald farbigen Linien dadurch zum brachte dass er vier Linien nebst den Spatien benutzte und so die Möglichkeit gewann Neumen im Umfang einer Oktave (genau einer ihren bestimmten Platz anzuweisen.

Von den mancherlei weiteren Erfindungen welche Zeitgenossen und Nachfolger des gefeierten Mannes ihm Teil mit Recht zum Teil mit Unrecht haben verdient namentlich seine Gesanglehrmethode Erwähnung vermittelst er in Jahresfrist oder höchstens in zwei die Ausbildung eines Sängers vollenden zu können Diese Methode bestand darin dass der Schüler Intervallverhält-nisse eines zu erlernenden Gesanges durch Vergleichung einem ihm schon bekannten schneller erfaßte; als zu solchen Vergleichen geeigneten Melodientypus empfahl Guido Hymne des Paulus Diaconus in welcher die Sänger bei Heiserkeit Johannes dem Täufer dem "Patron der hellen ( vox clamantis ) Heilung erflehten: Der Vorteil den gerade Hymne dem Schüler bot war ein doppelter: weil ihre einzelnen Melodiephrasen (nach heutiger Ausdrucksweise die für die Kirchentonarten charakteristischen Intervallverhältnisse darstellten weil die Anfangstöne dieser Phrasen eine aufsteigende Skala bilden welcher zufällige Umstand später die Völker veranlaßte die Töne der Tonleiter mit Silben ut re ml fa sol la bezeichnen. (Das sl für die siebente Stufe erst später nachdem das Oktavensystem allgemein angenommen in Frankreich hinzugefügt).

Ungeachtet aller Fortschritte welche die Musik gemacht mußte ihre nunmehr wichtigste Aufgabe die des mehrstimmigen Gesanges so lange ungelöst bleiben es dem Belieben der Sänger überlassen war Dauer der Töne zu bestimmen und es Mitteln fehlte wie die Höhe und Tiefe auch den Zeitwert des Tons durch die dem Auge kenntlich zu machen. Dieser Mangel Veranlassung dem cantus planus einen cantus mensurabllis ("gemessener Gesang" Mensuralmusik) gegenüberzustellen dessen zuerst von Franco von Köln (um 1200) wurden.

Wie seine Vorgänger geht auch Franco den Griechen aus indem er zunächst nur Notenwerte die Longa und die Brevis annahm entsprechend der langen und kurzen der antiken Prosodie . Die Vereinigung dieser beiden Notengattungen deren die Hälfte der erstern galt ergibt den der entweder als Trochäus oder als Jambus erscheint selbstverständlich aber stets dreiteilig ist; erklärt es sich dass in den frühsten der Mensuralmusik der dreiteilige Rhythmus allein Anwendung und als später auch der zweiteilige in kam der vollkommene genannt wurde letzterer aber unvollkommene. Im weitern Verlauf seiner Darstellung freilich Franco die Traditionen des Altertums denn hier als neue Notenwerte die doppelte Longa ( Maxima ) und die halbe Brevis ( Semibrevis ).

Mit diesen Zeichen zu denen noch für die Pause kommt war es schon möglich eine mannigfaltige Musik zu notieren; nur litt die des Mittelalters an dem Übelstand dass der der Noten nicht durch ihre Gestalt allein auch durch ihre Stellung zur Nachbarnote bedingt was ihre Entzifferung sehr erschwerte. Die Schwierigkeiten sich noch bei den so genannten Ligaturen d. h. Gruppen von mehreren in Zeichen zusammengezogenen Noten welche auf einer Silbe wurden und in denen der Wert der Noten sich nach dem rechts oder links auf- oder absteigenden Strich etc. bestimmte.

Zudem war das wichtige Hilfsmittel zur Wiedergabe der Mensural- oder wie sie auch wurde Figurenmusik der Taktstrich um diese Zeit unbekannt; erst im 16. Jahrhundert erscheint er und da bis er im Anfang des Jahrhundert allgemein in Gebrauch kommt.

Auf einer ungleich höhern Stufe zeigt die neue Kunst des mehrstimmigen Tonsatzes zur des Marchettus von Padua und des Johannes Muris Doktors der Theologie an der Universität Paris (um 1300). In den Schriften dieser erscheint zuerst das Verbot der noch von ihres Wohlklangs wegen gepriesenen Quinten- und Oktavenparallelen verschiedenen anderen für den mehrstimmigen Tonsatz noch heute gültig gebliebenen Lehren. Auch findet sich de Muris schon das Wort Kontrapunkt statt des bis dahin gebräuchhlichen Ausdrucks Discantus als Bezeichnung eines zweistimmigen Tonsatzes.

Zur vollen Entfaltung aber gelangt die Musik erst Ende des 14. Jahrhunderts mit Guillaume Dufay der als Mitglied der päpstlichen Sängerkapelle Zurückverlegung des heiligen Stuhls von Avignon nach hier die für Ausbildung des Kontrapunktes erfolgreichste eröffnete welche nach der hauptsächlich dabei beteiligten die niederländische genannt wird. Von hoher Bedeutung es für die Wirksamkeit der niederländischen Tonsetzerschule inzwischen neben der geistlichen auch die weltliche zum Leben erwacht war.

Die Ausbildung der Vulgärsprachen die pädagogischen der seit der Zeit Karls d. Gr. Universitäten und Klosterschulen von welch letztern namentlich zu St. Gallen auch die Musik mit pflegte endlich die Einflüsse des Morgenlandes teils dem maurischen Spanien her teils während der alles dies hatte zur Entfesselung der künstlerischen besondern der dichterischen und musikalischen Triebe der Völker mitgewirkt.

Im südlichen Frankreich erklingt zuerst der der Troubadoure und erweckt bald darauf bei den Völkern die Kunst des Minnegesanges. Waren es beiden Fällen vorwiegend die höheren Gesellschaftsklassen welche der Pflege des Gesanges annahmen so traten bürgerlichen Elemente der Bevölkerung und die bis gering geachtet gewesenen Instrumentalmusiker in gleicher Absicht zunftmäßig geordneten Genossenschaften zusammen und förderten wenn in beschränkter Weise das Verständnis für Dicht- Tonkunst.

Die Schulen der Meistersinger in Nürnberg Ulm Straßburg die Instrumentalgenossenschaften zu Wien (1288) und Confrérie de Saint-Jullen ménestriers zu Paris (1330 f. Musikantenzünfte) dürfen diesem Sinn musikgeschichtliche Bedeutung beanspruchen wie tief ihre Leistungen an Kunstwert unter denen der und Minnesänger stehen und nicht minder unter Erzeugnissen des Volksgesanges von dessen hoher Blüte damaliger Zeit das neuerdings in der Bibliothek Wernigerode aufgefundene im 15. Jahrhundert verfaßte so Lochheimer Liederbuch unzweideutige Kunde gibt.

Weit entfernt der ausschließlich von der gepflegten Kunstmusik hinderlich in den Weg zu treten vielmehr dieser Aufschwung des weltlichen Gesanges den Kontrapunktisten eine schätzbare Unterstützung zur Lösung ihrer im allgemeinen durch die ermutigende Teilnahme welche auch aus weitern Kreisen ihren Arbeiten entgegengebracht im besondern indem ihnen der Volksgesang das Material zu ihren Kompositionen lieferte; denn auf Erfindung von Melodien mußte die Kunstmusik verzichten solange der mit der Technik des mehrstimmigen Tonsatzes die des Komponisten für sich allein in Anspruch

Dies erklärt die der heutigen Zeit Verwendung volkstümlicher Melodien zum thematischen Inhalt der Messen Motetten und anderer Kirchenkompositionen der niederländischen Schule die noch auffallendere Praxis jener Zeit die Volksgesang entnommene Melodie sofern sie als Gegenstimme einer Melodie des Gregorianischen Gesanges ertönte mit weltlichen Text zu dem lateinischen der andern singen zu lassen.

Das ausschließliche Streben nach Beherrschung der und die Freude an der Überwindung der Schwierigkeiten war endlich auch noch die Ursache für die niederländische Schule charakteristischen Neigung die er erwähnte Verwickeltheit der Mensuralnotation nicht nur zu vermindern sondern geflissentlich zu erhöhen.

Namentlich schienen die Nachahmungen in Kanonform den Scharfsinn des Tonsetzers wie des Ausführenden die Probe zu stellen und wenn man anfangs begnügte wie auch heute bei Notierung Kanons nur eine Stimme hinzuschreiben und den der übrigen Stimmen durch ein Zeichen anzudeuten unternahm man es später selbst gleichzeitig eintretende mit nur einer Notenreihe zu notieren der des Sängers es überlassend aus den hinzugefügten die Absicht des Komponisten zu enträtseln.

Ihren Höhepunkt erreichte diese Richtung mit Johannes Ockenheim (Okeghem etwa 1455-90 am Hof der von Frankreich angestellt) von dem unter anderm Messe existiert in welcher das "Kyrie" statt Schlüssel Taktzeichen etc. nur mit einem Fragezeichen ist. Dennoch zeigt sich schon bei diesem der mit Recht als der Vater des gilt neben der scholastischen Künstelei das Streben ausdrucksvoller Tongestaltung und es bedurfte nur uoch Menschenalters weiterer Arbeit um dem geistigen Gehalt Musik im Kampf gegen die spröde Materie Sieg zuverhelfen: mit Josquin des Prés (gest. einem Schüler Ockenheims und wie dieser am Königshof vorwiegend wirksam ist die Entwickelungsperiode des Kontrapunktes überwunden und an Stelle des mühseligen die freie Entfaltung des schöpferischen Geistes getreten; ist der erste der Niederländer dessen Werke echter Genialität erfüllt sind und mit Recht sein Zeitgenosse Martin Luther von ihm sagen: "Josquin ist ein Meister der Noten; diese thun müssen wie er gewollt andre Komponisten thun wie die Noten wollen" .

< Musik der Antike | Alte Musik >

Siehe auch: Portal Musik Geschichte der Musik

Quelle



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