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Musik der Antike


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Der Ursprung der Musik zu allen Zeiten und bei allen ein beliebter Gegenstand der Spekulation wird bei Völkern des Altertums mit Übereinstimmung von der Gottheit hergeleitet ihnen allen die Musik als bildend und unter Umständen auch als wunder wirkend gilt.

Inhaltsverzeichnis

Indien

Schon bei dem ältesten Kulturvolk der herrscht diese Anschauung bei den Indern welche in Brahma nicht nur den obersten der Götter auch den Schöpfer der Musik und in Sohne Nared den Erfinder des nationalen Musikinstruments Vina verehren.

Den durch göttliche Macht offenbarten Tonweisen wurden die wunderbarsten Wirkungen zugeschrieben: Eine hatte Folge daß der welcher sie anstimmte vom verzehrt wurde eine andere vermochte die Sonne versinstern eine dritte Regen hervorzubringen etc. Die diesen Mythen ausgesprochene Phantastik der Inder kennzeichnet ihre Theorie; unfähig die Masse der von Natur gegebenen musikalischen Klänge durch Reduzierung auf übersichtliche Anzahl zu einem entwicklungsfähigen System zu (was streng genommen erst der nachchristlichen Zeit sollte) schwelgten die Inder in einem fast Reichtum von Intervallen und Tonarten welch letztere nach Angabe des Musikgelehrten Soma auf nicht als 960 beliefen.

Hierbei ist allerdings zu bemerken daß Begriff "Tonart" im Altertum ein anderer und war als gegenwärtig und alle die durch Vertiefung oder Überspringung einzelner Intervalle der Skala Varianten als solche galten.

Findet man ferner dass sich die eben so wenig wie die übrigen Völker Altertums auf die Einteilung der Oktave in Halbtöne beschränkten sondern auch Vierteltöne verwendeten (es deren nach Ambros 22 aus die Oktave) erscheint ihre Musik zwar überreich an melodischem ebendeswegen aber ungeeignet auf dem Weg logischer zu innerer Selbständigkeit geführt zu werden.

China

Besser hätte dies dem nüchtern-rationalistischen Sinn Chinesen gelingen können wäre derselbe mit der künstlerischen Fortschritt nötigen Phantasie gepaart gewesen; in der letztern aber konnte sich die chinesische nicht über die primitiven Entwicklungsstufen kleinlicher Spekulation und noch weit weniger über einen eng Kreis hinaus wirken als die Werke der Kunst Chinas.

Trotzdem nahm die Musik im öffentlichen Chinas eine hervorragende Stellung ein; man erkannte ihr ein wirksames Mittel zur Beförderung der und der weiseste aller chinesischen Gesetzgeber Konfutse (500 v. Chr.) behauptete sogar wenn wissen wolle ob ein Land wohl regiert gut gesittet sei so müsse man seine hören.

Mit der Zeit bildete das starre am Hergebrachten welches in China den Fortschritt allen Gebieten der Arbeit erschwerte und schließlich Land um die Früchte seiner Jahrtausende alten gebracht hat auch für die Entfaltung der ein schweres Hemmnis. Als Beleg dieser überkonservativen sei nur die Tatsache erwähnt daß die fünftönige der Quarte und Septime ermangelnde Skala welche K. M. v. Weber seiner Ouvertüre Turandot zu Grunde gelegt hat) allen Reformversuchen Trotz noch bis in das 16. Jahrhundert Chr. den Chinesen als Normalsystem galt.

Ihr die fehlenden Intervalle aufzuzwingen so die Musikgelehrten heiße so viel wie der einen sechsten oder siebenten Finger anfügen zu und selbst dem als Musikkenner allgemein anerkannten Tsai-Yu der sich in der ersten Hälfte 16. Jahrhunderts an die Spitze der musikalischen gestellt hatte gelang es nicht den Widerstand brechen.

Ägypten

Derselbe einseitige Konservatismus war es auch die künstlerisch noch weit begabtern Ägypter auf dem halben Weg ihrer Ausbildung Daß die Musik im öffentlichen wie im Ägyptens eine wichtige Rolle spielte zeigen die auf fast allen Monumenten des Landes wiederkehrenden Darstellungen von Sängern und Instrumentisten bald einzeln bald zu und Orchestern vereint.

Auch läßt die Mannigfaltigkeit der dort Instrumente unter ihnen die große reichbesaitete Harfe eine gewisse äußere Pracht und Üppigkeit der Musik schließen; indessen darf mit Recht angenommen daß ihr Inhalt zu diesem Reichtum der in keinem Verhältnis stand. Denn wie die und Malerei Ägyptens auf einer gewissen Ausbildungsstufe durch den Machtspruch einer in geheimnisvollem Dunkel Priesterkaste zur steten Wiederholung gewisser Typen gezwungen so auch die Dicht- und Tonkunst; diese aber mußten unter den genannten Verhältnissen um sicherer dem Zustand der Erstarrung anheimfallen als zu ihrem Gedeihen die lebendige Teilnahme des am wenigsten entbehren können.

In diesem Zustand zeigt sich die Kunst noch zur Zeit Platons (4. Jahrhudert v. Chr.) der in "Gesetzen" ( Nomoi Buch 2) berichtet daß man dort Formen und gute Musik wohl zu schätzen "wie aber diese schönen Formen und gute beschaffen sein müssen ist von ihren Priestern und weder Malern Musikern noch anderen Künstlern es erlaubt etwas Neues von jenen einmal schön erkannten Mustern Abweichendes einzuführen. Daher kommt auch daß ihre Gemälde und Statuen die 10.000 Jahren verfertigt wurden in keinem einzigen besser oder schlechter sind als diejenigen welche jetztgemacht werden."

Mußte so Ägypten durch ein ungünstiges gehindert seine künstlerische Mission unvollendet lassen so ihm doch die Ehre den beiden hervorragendsten des Altertums den Hebräern und den Griechen Bahn zur Erreichung der höchsten Ziele gewiesen haben.

Im alten Ägypten sind Musikaufführungen mit Tanz ebenso nachgewiesen wie bei den Hethitern . Die Lieder wurden auch in einer Notenschrift dargestellt. Bekannt sind als Instrumente die Leier die Trompete die Harfe und ein Zupfinstrument in ihren jeweils frühesten Formen. Näheres unter Musikgeschichte .

Israel

Was die Musik der Hebräer betrifft sind wir hinsichtlich ihrer inneren Beschaffenheit lediglich Vermutungen angewiesen da nicht nur keinerlei schriftliche über sie vorhanden sind sondern es auch Monumenten des hebräischen Altertums (ein Relief des in Rom mit Abbildung eines Zugs gefangener ausgenommen) gänzlich mangelt. Auch die im Alten Testament überlieferten zahlreichen Angaben über musikalische Einrichtungen etc. bieten für jenen Mangel keinen Ersatz; wiewohl es nicht zweifelhaft sein kann daß Tonkunst mit dem Kultus wie mit dem Leben der Hebräer eng verflochten gewesen ist ihre Dichtungen namentlich die Psalmen Davids nach Ausspruch "vom Geiste der Tonkunst so innig durchdrungen daß sie in jedem ihrer Glieder Jubel Klang gleichsam mit sich führen" so müssen doch die Bestrebungen des das Wesen dieser Tonkunst näher zu bestimmen ihre Eigenart zu erforschen bei dem Mangel Hilfsmitteln bis auf weiteres erfolglos bleiben.

Griechenland

Um so lohnender ist die Beschäftigung der Musik der Griechen deren Praxis und Theorie durch eine Zahl wertvoller Schriften zur Kenntnis der Nachwelt sind. Schon im Kindheitsstadium der Entwicklung Griechenlands das lernbegierige Naturell seiner Bewohner einen Austausch zur spätere Blüte der Nation den Grund In letzterer Beziehung wirkte namentlich die Berührung den Ägyptern und mit den Völkern Kleinasiens auch auf dem Gebiet der Musik.

Von Ägypten wo dieselbe vorwiegend in Beziehungen zur Mathematik und Astronomie erfaßt wurde empfing das Griechenland die erste Anregung zur theoretischen Spekulation Kleinasien aus der Landschaft Phrygien dagegen ein für die praktische Tonkunst Element: die wild-leidenschaftliche Musik des dort heimischen in der Folge nach Hellas verpflanzten Dionysoskultus den sie begleitenden scharf und weilhiutönenden Blasinstrumenten Die Verschmelzung dieser phrygischen (Dionysischen) Tonkunst mit auf strenges Maß gerichteten durch Apollon personifizierten vollzog sich aber in der attischen Tragödie nachdem diese sich zur selbständigen Kunstgattung hatte.

Nach den neuesten Forschungen namentlich R. ("Griechische Rhythmik und Harmonik") ist es nicht daß die Musik an der mächtigen Wirkung antiken Tragödie einen Hauptanteil gehabt hat indem nur die Chöre ändern auch die Einzelreden wurden. Die Frage wie diese Musik beschaffen sei muß freilich auch diesmal unbeantwortet bleiben die Spärlichen aus jener Zeit herübergeretteten im Jahrhundert entdeckten Fragmente altgriechischer Musik vermögen wiewohl Entzifferung neuerdings durch Friedr Bllermann vollständig gelungen keinerlei Aufschluß darüber zu geben. Nur so darf mit Sicherheit angenommen werden daß sie völliger Abhängigkeit von der Dichtung weder an und Selbständigkeit der Bewegung noch an Reichtum Ausdrucksmittel der modernen Musik gleichstand und jedenfalls der wichtigsten Vorzüge dieser letztern die Mehrstimmigkeit mußte; ferner daß sie ihre Hauptwirkung im Teil des Dramas in den Chören entfaltete denen das Zusammenwirken von Männer- und Knabenstimmen Oktaven sowie die gelegentlich auch melodiefremde Intervalle Begleitung der Instrumente ( Lyra Kithara Aulos ) eine Art Ersatz für die mangelnde Polyphonie gewährten.

Dieser Lyrik der sogen. chorischen welche als selbständiger Kunstzweig gepflegt wurde und durch wie Ibykos und Pindar (522-442) zu hoher gelangte stellte sich schon früh die melische gegenüber eine Lyrik im eigentlichen Sinn des weil die Lyra welche als Attribut Apollons Kunstgattung überhaupt den Namen gegeben hier ein Hilfsmittel des Vortrags war.

Der Hauptunterschied dieser beiden Zweige der Kunst bestand aber darin daß die erstere Empfindungen einer Gesamtheit in großen Zügen zum brachte während die letztere die Zustände der zu schildern unternahm wobei dem musikalischen Teil Melos eine freiere Bewegung und selbständiges Hervortreten und geboten war. In diesem Vorherrschen des Elements bestand der eigentliche Reiz der melischen nachdem dieselbe im 7. und 6. Jahrhundert Chr. an der üppigen zur Lebenslust einladenden Kleinasiens durch die dort wohnhaften ionischen und Griechen zu jener Vollkommenheit ausgebildet war die an den Dithyramben eines Arion den Liebesliedern Sappho den Trinkliedern eines Anakreon bewundern ein mächtig genug um die ältere bescheidenere Art Volksgesanges die Kunst der Rhapsoden welche sich hatten die Ereignisse der Heroenzeit in recitativischer und ohne Begleitung eines Instruments vorzutragen bald verdrängen.

In dem Maß jedoch wie die als Sonderkunst zu immer höherer Ausbildung gelangte sich die erhebende Wirkung vermindern welche sie frühern engen Verein mit der Dichtkunst ausgeübt Das musikalische Virtuosentum beginnt jetzt in den zu treten die Tonkunst strebt sich mehr mehr von der Dichtkunst zu emanzipieren. Wie die Musik so hatte auch die Sprache eben diese Zeit (5. Jahrhundert v. Chr.) das Aufblühen der sophistischen Philosophie eine Bereicherung erfahren die sie veranlaßte ihrerseits eigne Wege zu gehen und es sich die Scheidung der Musik von der Poesie .

Von nun an wird der Niedergang griechischen Kunst unaufhaltsam; am wenigsten vermochte die ihre Bedeutung als Gesamtkunstwerk zu wahren nachdem Vereinigung des Dichters und Komponisten in einer wie solche noch bei Aischylos und Sophokles bestanden hatte durch eine kunstgeschichtliche Notwendigkeit und dadurch das einheitliche Wirken ihrer beiden Faktoren unmöglich gemacht war.

Schon Euripides mußte die musikalische Komposition seiner Dramen anderen fachmännisch Gebildeten überlassen und in seiner waltet verstandesmäßige Berechnung anstatt des dithyrambischen Schwunges frühern Dramatiker vor.

Der Verlust der nationalen Selbständigkeit Griechenlands der Schlacht bei Chaironeia (338 v. Chr.) das Zerstörungswerk und beschließt eine Kunstepoche die ihrer kurzen Dauer von nur anderthalb Jahrhunderten Bedeutsamkeit ihrer Errungenschaften von keiner spätern erreicht ist.

Die nächstfolgenden Jahrhunderte würden als musikalisch zu bezeichnen sein wäre nicht an Stelle erstorbenen Kunstgeistes die Wissenschaft tätig gewesen um praktischen Gewinn der vorangegangenen schöpferischen Periode theoretisch befestigen. Während ein Platon ein Aristoteles das Wesen der Musik ethische und ästhetische Bedeutung zum Gegenstand ihrer machen findet die Theorie ihren Hauptvertreter in von Tarent (um 350 v. Chr.) einem des Aristoteles welcher auf Grund der bereits Jahrhunderte früher durch Pythagoras angestellten Forschungen die nach mathematischer physikalischer und akustischer Seite zu den Zeitverhältnissen entsprechenden Abschluß brachte.

Das von ihm überlieferte griechische Musiksystem sich von dem modernen im wesentlichen dadurch nicht die Oktave sondern eine Reihe von Tönen im Umfang einer reinen Quarte das Tetrachord seine Grundlage bildet. Das Tetrachord welches zwei Ganztöne und einen Halbton umfaßt heißt nach der Stellung dieses Halbtons dorisch (wenn in der Tiefe liegt z. B. EF-G-A) (wenn er in der Mitte liegt z. D-EF-G) oder lydisch (wenn er in der liegt z.B. C-D-EF).

Aus der Zusammensetzung zweier dorischer phrygischer lydischer Tetrachorde entstehen die gleichnamigen Oktavengattungen (griech. Harmonia ) zu denen in der Folge noch weitere mit den übrigen Tönen der diatonischen beginnende hinzukamen nämlich H-h (Mixolydisch) A-a (Hypodorisch) (Hypophrygisch) F-f (Hypolydisch). Die drei letztern sind nicht als selbständige Tonarten anzusehen sondern sie dürfen nur als der drei erstern gelten deren höhere Hälfte Quinte zur tiefern wurde z. B. Neben System der Oktavengattungen war aber noch ein im Gebrauch die Transpositionsskala ( Tonos ) d. h. eine zwei Oktaven umfassende welche dadurch entstand daß man der dorischen E-e noch ein dorisches Tetrachord in der und eins in der Höhe zufügte (beide so enger Verbindung daß die Grenztöne zusammenfielen) schließlich diese Reihedurch einen Ton in der den "hinzugenommenen" ( Proslambanomenos ) vervollständigte.

Dieses System unterscheidet sich dem Wesen von dem der Oktavengattung dadurch daß es auch die moderne Dur- und Mollskala) auf derzwölf Halbtöne der Oktave transponiert wird ohne sich die Intervallenfolge verändert wie dies ja den Oktavengattungen verschiedener Tonhöhe der Fall ist.

Endlich ist noch das so genannte System ( Systema telelon ) zu erwähnen eine Transpositionsskala welcher noch fünftes dorisches Tetrachord in enger Verbindung mit Stammtetrachord hinzugefügt ist jedoch nur zu sakultativer falls man in die Unterdomiuante modulieren wollte.

Obwohl von den Oktavengattungen dem Wesen verschieden (über die Beziehungen der beiden Systeme einander findet man näheres in Fr. Bellermunns Note 28 S. 45) führten die Transpositionsskalen dieselben Benennungen nach Provinzeu und zwar hießen sieben ursprünglichen (ihre Anzahl stieg später auf

  • Hypodorisch (F moll)
  • Hypophrygisch (G moll)
  • Hypolydisch (A moll)
  • Dorisch (B moll)
  • Phrygisch (C moll)
  • Lydisch (D moll)
  • Mixolydisch (Es moll).

Weiteres siehe Griechische Musik.

Bezüglich der zuletzt angeführten Benennungen sei jetzt darauf hingewiesen daß sie fast ein später in derselben Folge als Bezeichnung der Kirchentonarten wiederkehren obwohl diese nichts andres sind die griechischen Oktavengattungen folglich mit den Transpositionsskalen gemein haben - ein Irrtum der dadurch wurde daß während der ersten Jahrhunderte des mit der griechischen Sprache auch die Musiklehre Vergessenheit geraten war und bei Wiederaufnahme des der antiken Theorie der Unterschied jener beiden unbeachtet blieb.

Als ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der altgriechischen der modernen Musik darf ihre melodische Mannigfaltigkeit wie sie zu den Tongeschlechtern und Schattierungen Tage tritt. Unter den erstern deren es gab das diatonische chromatische und enharmonische verstand die Modifikationen der Intervalle innerhalb eines Tetrachords enharmonischen Geschlecht bis auf das dem heutigen unfaßbare Intervall des Vierteltons während die Schattierung Chroma ) noch feinere Intonationsunterschiede bezeichnet.

Ob dieselben in der praktischen Musik Verwendung kamen oder nur als Ergebnisse rechnender gelten können ist eine noch streitige Frage; die Richtigkeit der erstern Annahme spricht jedoch Tatsache daß der Kirchenvater Clemens von Alexandria um 220 ) seiner Gemeinde den Gebrauch der chromatischen als der Würde des Gottesdienstes nachteilig untersagte.

Auch bei den Griechen stand die Beschäftigung mit Musik im war sie doch eine der Sieben Freien Künste .

Siehe auch: Portal Musik Geschichte der Musik

Quelle



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