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Konversationslexikon


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Als Konversationslexikon oder Realenzyklopädie bezeichnet man eine im 19. Jahrhundert entstandene spezielle literarische Gattung mit Eigenschaften Enzyklopädie und des Lexikons die bestimmtes Wissen allgemeinverständlich aber umfassend will. Die ursprüngliche Zielsetzung bestand darin dem das für die Konversation im Salon notwendige Wissen zu vermitteln.

Das Selbstverständnis des Konversationslexikons beschreibt der Brockhaus 1868 folgendermaßen:

"Das Conversations-Lexikon [hat] die Flüssigmachung und Popularisierung wissenschaftlichen künstlerischen und technischen Ergebnisse nicht für die geschäftliche Praxis sondern für die Befriedigung Förderung der allgemeinen Bildung zur Aufgabe" (Vorrede zum 15. Band der 11. des Brockhaus von 1868)

Geschichte und Entwicklung

Vorläufer des Konversationslexikons

Lexicon universale historico-geographico-chronologico-poetico-philologicum (kurz: Lexicon Universale ) erstmals erschienen in Basel 1677 im Umfang von zwei Bänden; sechs später – 1683 – erscheinen in Basel drei Ergänzungsbände Continuatio ).

1698 werden Lexikon und Ergänzungsbände zusammengeführt und vierbändige Neuausgabe erscheint in Leyden unter dem Lexicon universale historiam sacram et profanum omnis omniumque Gentium chronologiam ad haec usque tempore et veteris et novi orbis principum per terras familiarum ab omni memoria repetitam geneologiam mythologiam ritus caerimonias omnemqueveterum antiquitatem ex philologiae haustam vivorum ingenio atque eruditione celebrium enarrationem praeterea animatium plantarum metallorum lapidum gemmarum nomina vires explanans (vergleiche auch [1] ).

  • Johann Hübner (* Türchau [bei Zittau] 1668 † 1731)

Der Schulschriftsteller und Lehrer Johann Hübner veröffentlichte 1704 in Leipzig das erste große deutschsprachige Reales Staats- Zeitungs- und Conversationslexikon darinnen sowohl Religionen und geistlichen Orden die Reiche und Meere Seen Insuln Flüsse Städte Festungen Schlösser Berge [...] als auch andere in Zeitungen täglicher Conversation vorkommende aus fremden Sprachen entlehnte nebst alltäglichen Terminis Juridicis und Technicis Gelehrten Ungelehrten zu sonderbarem Nutzen klar und deutlich werden . Im Titel wird erstmals die Bezeichnung im Zusammenhang mit einem Lexikon verwendet.

Die erste Auflage dieses langlebigen Lexikons 1704 und wurde von Balthasar Sinold von ( 1657 - 1742 ) herausgegeben; in den folgenden Jahrzenten erschienen Neuauflagen die letzte 1825 (35. Auflage [nach anderen Angaben war 31. Auflage Leipzig 1824 - 1828 die erschienene]).

Johann Hübner gab 1712 in Leipzig auch das Curieuse Natur-Kunst-Gewerk und Handlungs-Lexicon heraus das von P. J. Marperger wurde und das Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon fortsetzte. Neuauflagen erschienen 1714 1717 1722 1727 1731 1736 1739 1741 1746 1755 1762 1776 und 1792 .

Das dritte Lexikon von Johann Hübner war das 1714 in Leipzig bei Gleditsch erschienene Curieuse und Reales Natur- Kunst- Berg- Gewerck- Handlungs-Lexicon : Darinnen nicht nur Die in Philosophie Physic Medicin Botanic Chymie ... gebräuchliche technici oder Kunst-Wörter nach Alphabetischer Ordnung ausführlich werden ; Sondern auch alle in Handel Wandel ingleichen in Jure und vor Gerichten ... Wörter

Zedlers Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste ( 1732 - 1754 64 Bände) gilt als die erste deutsche Enzyklopädie.

Entwicklung der Werksgattung des Konversationslexikons

  • Renatus Gotthelf Löbel (= Gotthelf Löbel 1767 - 1799 ) und Christian Wilhelm Franke

Titelseite des 1. Bandes von Löbels und "Conversationslexikon" von 1796

Der Privatgelehrte Renatus Gotthelf Löbel gab zusammen mit dem Advokaten Christian Wilhelm Franke das Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen heraus. Das Werk erschien zwischen 1796 und 1808 in Leipzig in sechs Bänden der Band ist jedoch unvollständig geblieben; es erschien verschiedenen Verlagen:

Löbels und Frankes Conversationslexikon ist das erste Lexikon bei dem Bezeichnung "Konversationslexikon" als selbständiges Titelwort erscheint. Friedrich Arnold Brockhaus kaufte das Werk auf der Leipziger 1808 auf und ließ es in den Jahren vollständig umarbeiten; es bildet das Fundament 1805 in Amsterdam als Verlagsbuchhandlung gegründeten Verlages A. Brockhaus.

Beispielseite mit einer Illustration aus Löbels und "Conversationslexikon" von 1796

Friedrich Arnold Brockhaus kaufte von Renatus Gotthelf Löbel und Wilhelm Franke auf der Leipziger Buchhändlermesse am 25. Oktober 1808 das 1796 begründete Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen (kurz: Conversations-Lexicon ; voller Titel: Conversations-Lexicon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch für die in gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten Gegenstände mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse älteren und neueren Zeit ).

Löbels und Frankes Werk umfasste sechs F. A. Brockhaus ließ 1809 ( 1810 [?]) und 1811 zwei Nachtragsbände anfertigen die im F. Brockhaus Verlag in Amsterdam ( 1809 ( 1810 [?]) und Leipzig ( 1811 ) erschienen.

Brockhaus vermarktet das Conversations-Lexicon ab 1808 zunächst unter demselben Namen und ließ 1809 einen Neudruck der ersten Bände unter neuen Titel Conversations-Lexicon oder kurz gefaßtes Handwörterbuch für die der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und vorkommenden Gegenstände mit beständiger Rücksicht auf die der älteren und neueren Zeit anfertigen; diese zwischen 1809 und 1811 in Leipzig erschienene Ausgabe umfasste sechs und zwei Ergänzungsbände. Diese Ausgabe legte den für die heute in die 20. Auflage Große Brockhaus Enzyklopädie .

Die 2. Auflage erschien 1812 - 1820 in 10 Bänden und wurde ein verlegerischer Erfolg. Mit der 4. Auflage die 1814 und 1819 in zehn Bänden erschien wurde zum Mal die Bezeichnung "Enzyklopädie" verwendet: Allgemeine Hand-Encyclopädie für die gebildeten Stände . Seit der 5. Auflage ( 1819 - 1820 ) wird das Konversationslexikon von Wissenschaftlern redigiert.

Ab der 13. Auflage erschienen zwischen 1882 und 1887 in 16 Bänden und einem Ergänzungsband das Brockhaus' Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie erstmals auch Tafeln. Ab der 14. ( 1892 - 1897 ) war Brockhaus' Konversations-Lexikon zum ersten Mal auch im Text der Umfang von 16 Bänden und einem wurde jedoch zunächst beibehalten.

Von Brockhaus Konversations-Lexikon und Meyers Konversations-Lexikon sind die vor dem 1. Weltkrieg erschienenen für Fakten zur Geistesgeschichte noch immer sehr danach rücken die Naturwissenschaften in den Vordergrund.

Das von Joseph Meyer herausgegebene Große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (46 Bände 6 Supplement-Bände 1840 -[[1855] kurz: Meyers Konversationslexikon oder "Meyers Lexikon ) ist – neben dem Brockhaus – das zweite bedeutende deutschsprachige enzyklopädische allgemeinen Inhalts und in bewußter Konkurrenz zum Brockhaus angelegt; es ist im 19. und Jahrhundert in mehreren Auflagen erschienen.

Die Leser dieses Werkes konnten mit Herausgeber vom Bibliographischen Institut in Kontakt treten. So enthält jeder einen Anhang über den stattgefundenen Briefwechsel das genannte Korrespondenzblatt .

Die 1888 - 90 in 16 Bänden erschienene vierte Auflage urheberrechtlich frei. Mittlerweile sind alle Bände als Bilder und als OCR -Volltext einsehbar was etwa 16.000 Seiten entspricht. seit der 4. Auflage enthalten die Bände Zeichnungen und Pläne.

Das dritte bedeutende Konversationslexikon des 19. ist Herders Conversations-Lexikon (5 Bände 1854 - 1857 Freiburg im Breisgau Verlag Herder; kurz: Herders Lexikon ).

Der Herder Verlag in Freiburg (Breisgau) zwischen 1825 und 1827 unter dem Titel Systematische Bilder-Galerie zur Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie den ersten Bildergänzungsband zu einem Konversationslexikon; enthält rund 4.000 Abbildungen. Das Brockhaus' Conversations-Lexikon wurde im Vergleich dazu relativ spät der 13. Auflage ( 1882 - 1887 ) also rund 60 Jahre später erstmals Bildtafeln sowie ab der 14. Auflage ( 1892 - 1897 ) auch im Text bebildert.

  • H. A. Pierer († 1850 )

Weniger bekannt ist H. A. Pierers Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit ( Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit oder neuestes Wörterbuch der Wissenschaften Künste und Gewerbe (= Pierers Enzyklopädisches Wörterbuch [?])) in 26 Bänden das erstmals 1824 - 1836 erschien und nach Pierers Tod von Löbe fortgesetzt wurde; an der Erstellung der Auflage waren über 220 Mitarbeiter beteilgt.

Pierer veröffentlichte in kurzen Abständen mehrere aktualisierte Neuauflagen: 1840 - 1846 (2. Auflage in 34 Bänden; insgesammt 17.000 Seiten) 1849 - 1852 (3. Auflage in 17 Bänden); Löbe eine grundlegende Neubearbeitung die 1857 - 1865 erschien (4. Auflage in 19 Bänden) weitere folgte 1867 - 1873 (5. Auflage); an der folgenden Auflage 1875 - 1880 war Löbel nicht mehr beteiligt (6. in 18 Bänden erschienen im Verlag A. Oberhausen und Leipzig sowie später beim Literarischen Baruch Köln und danach im Verlag J. Spemann Stuttgart). Als Ergänzungen und zur Aktualisierung 1841 - 1847 erstmals sechs Supplementbände 1850 - 1854 weitere sechs Supplementbände sowie 1855 ein Band mit den Neuesten Ergänzungen und 1865 - 1873 drei Bände als Jahrbücher . Zusätzlich wurde 1848 ein Illustrationsband mit mit 2.500 Abbildungen 67 lithographischen Tafeln veröffentlicht.

Das Werk ist heute zwar weitgehend wurde von Zeitgenossen jedoch hoch geschätzt; so zeitgenössische Kritiker Pierers Werk sei: "das reichhaltigste Conversationslexicon welches die Thatsachen mit Vollständigkeit wie sie sich nur irgend erwarten und deßwegen für jeden ein äußerst brauchbares zum Nachschlagen ist" (Gustav Schwab und Karl Klüpfel). (vergleiche [2] ).

Pierers Universallexikon diente Meyers Großem Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände ( 1840 - 1852 ) als Vorbild; er klagt 1848 Meyer habe "in der ganzen Anlage unserem Werk nachgebildet indem er unseren Plan unser Register benutzte er sich gerade den mühsamsten und schwierigsten der Anlage" (aus: Vorwort zur 2. Auflage).

Siehe auch: Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie



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