Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 19. September 2019 

Schweizerdeutsch


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.
Schweizerdeutsch ist eine Sammlungbezeichnung für diejenigen alemannischen (deutschen) Dialekte die in der Schweiz Liechtenstein sowie in einigen italienischen Bergdörfern südlich Schweizer Grenze gesprochen werden.

Linguisten haben hunderte von Deutschschweizer Mundarten unterschieden. starke topographische Kammerung der Schweiz und die geringe räumliche Mobilität bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat dazu geführt dass sich die teilweise sehr stark voneinander unterscheiden bisweilen sogar stark dass auch die Schweizer untereinander Verständigungsprobleme können. So gilt das Walliserdeutsch als extremste Neben der unterschiedlichen Aussprachen sind insbesondere Flurnamen für Pflanzen Werkzeuge usw. stark regional geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung des Schweizer Dialektes

Niederalemannisch

Diese Dialektgruppe nimmt den größten Teil ehem. Landes Baden ein. Auch das Elsässische zählt dazu. In der Schweiz gehört der Dialekt der Stadt Basel das Baseldytsch dazu. Kennzeichen des Niederalemannischen ist anlautendes kh statt hochalemannischem ch z. B. Khind statt Chind .

Hochalemannisch

Fast alle hochalemannischen Dialekte werden in Schweiz und Liechtenstein gesprochen. Zum Hochalemannischen gehören die Dialekte des äußersten Südwestens Deutschlands die Vorarlbergs ( Österreich ) sowie die Dialekte des Sundgaus im südl. Elsass.

Höchstalemannisch

Die Mundarten im alpinen Raum gehören zum Höchstalemannischen dessen Kennzeichen Formen wie schniie nüü(w) buu(w)e statt hochalemannischem schneie/schnäie neu boue/baue sind. Die deutschen Dialekte des Wallis und seiner Tochtersiedlungen in Piemont Tessin Liechtenstein und Vorarlberg bilden eine besondere Untergruppe sie z. B. oft die Vokale des Althochdeutschen sowie einen sehr altertümlichen Wortschatz bewahrt

Die deutsche Mundart von Samnaun im gehört nicht zum Alemannischen sondern zum Tirolischen Bairisch-Österreichischen.

Schweizer Hochdeutsch

Schweizerdeutsch wird in der Schweiz von sozialen Schichten als Umgangs- und Verkehrssprache verwendet. Schweizer Hochdeutsch ist mündlich nur in wenigen Bereichen (z.B. Fernsehnachrichten oder Kommunikation mit Angehörigen anderer Auch in der informellen schriftlichen Kommunikation E-Mail SMS ist vermehrte Verwendung von Schweizerdeutsch zu Zusätzlich werden in hochdeutsch geschriebenen Zeitungen immer schweizerdeutsche Vokabeln verwendet ( Töff für "Motorrad" Büsi für "Katze" Güsel für "Müll").

Wenn Schweizer Hochdeutsch sprechen haben sie einen deutlichen Schweizer Akzent (dunkles a rauhes singender Tonfall) der ebenso wie einige spezielle und Satzkonstruktionen Teil des Schweizer Hochdeutschen ist. Dieses Hochdeutsch mit ausgeprägtem Schweizer wird oft von Deutschen irrtümlicherweise für Schweizerdeutsch

Faustregel: Wenn die Vokale in etwa sind wie im Deutschen handelt es sich Schweizer Hochdeutsch nicht Schweizerdeutsch.

Spezialitäten

Rechtschreibung

Es gibt keine offizielle oder allgemein Rechtschreibung. Im Bereich der Mundartliteratur haben sich zwei Verschriftungssysteme durchgesetzt: die sog. Dieth-Schrift oder Schwyzertütschi Dialäktschrift und die Bärndütschi Schrybwys .

Im Alltagsgebrauch ( SMS Chat persönliche Briefe) wird der Dialekt "nach und persönlichem Geschmack in die geschriebene Form

Auch bei der Verwendung des Hochdeutschen weicht die Rechtschreibung in einigen Details derjenigen im übrigen deutschen Sprachraum ab siehe Helvetismus .

Vokale

Die meisten Schweizer Dialekte haben die Lautverschiebung nicht mitgemacht und verharren somit diesbezüglich mittelhochdeutschem Stand: Huus ist "Haus" Züüg ist "Zeug" wiit ist "weit" etc. Ausnahmen gibt es Bündner Schanfigg ( Hous wejt ) in Unterwalden ( Huis wejt ) und im Aostataler Issime ( Hous wejt ) wo die alten Längen alle diphthongiert

Ein geschriebenes ue wird nicht ü sondern ú-e ausgesprochen (mit Betonung auf dem -ú- ) der Schweizer "Rudolf" ist also Ru-edi nicht Rüdi . Achtung: Mus ist "Maus" aber Mues (oder Muos ) ist "Mus" - zum Frühstück gibt also Müesli und nicht Müsli .

Endungen

Die Endung "ung" wird "ig" gesprochen. "Kreuzung" wird daher "Chrüüzig". Eine Ausnahme ist hier bleibt es aus phonetischen Gründen bei

Grammatik

  • kein Imperfekt die Vergangenheit wird immer mit dem Perfekt ausgedrückt: i(ch) bi(n) gsi - "ich war" oder "ich bin
  • das Futur ist ungebräuchlich. Wenn die Zukunft nicht dem Zusammenhang oder einer expliziten Zeitangabe (wie moorn morgen) ersichtlich ist wird sie oft de(nn) bezeichnet: mir gseh(nd)'s de(nn) - wir werden sehen.
  • nur sehr eingeschränkt ein formaler Akkusativ (d.h. der Akkusativ hat zumeist die Form wie der Nominativ )
  • keine Verwendung des Genitivs sondern Umschreibung mit "von" oder Possessivpronomen: de(r) Hund vom Peter oder em Peter si(n) Hund . Ausnahme Familiennamen: Meiers Hund ist neben den beiden anderen Formen in manchen Mundarten gebräuchlich
  • Bildung von Relativsätzen immer mit "wo"
  • gewisse Verben die eine Absicht kennzeichnen tauchen noch ein zweites Mal im Infinitiv auf: i gang go schaffe - "ich gehe arbeiten"; dä loon (oder: lan ) i loo stoo (oder: laa staa ) - "den lasse ich stehen"

  • Die Syntax ist relativ frei bzw. teilweise regional
Beispiele:
Jetz bin i grad aneghocket... - "jetzt habe ich mich gerade
... für es Buech (z) läse (westlicher Typus) - "um ein Buch lesen"
... zum es Buech läse (östlicher Typus)
Er hät mi(ch) nöd la gaa (westlicher Typus) - "er hat mich gehen lassen"
... nöd gaa laa (östlicher Typus)

Der Satzbau lässt breiten Raum zur Formulierung. So heißt z.B. "Ich möchte gerne etwas fragen":

... ich han gschnäll e Fraag!
... chan ich gschnäll öppis frööge?
... gschnäll e Fraag?

Aussprache

  • Die Betonung ist häufiger als im auf der ersten Silbe (oder sogar wenn so will auf der nullten - Namen vorausgehendem "von" wie von Allmen werden auf dem von betont).
  • ch wird immer rauh wie in "Bach" - genau genommen einiges rauher und sehr tief in der Kehle (wenn es nicht z.B. im Bündnerdialekt als k [am Wortanfang] bzw. h [im Wortinnern] wie im Hochdeutschen oder Baseldeutschen als k h oder [vor einem Konsonanten] weiches g ausgesprochen wird).
  • Harte Explosivlaute wie p und t werden ohne folgendes h ausgesprochen (wie auch im Französischen) das k mit einem nachfolgenden ch . Aspirierte /p t k/ setzen sich einigen Dialekten meist aus b+h d+h g+h /b d g/ sind immer stimmlos.
  • Das lange a ist in vielen Mundarten sehr geschlossen dunkel und tendiert gegen o (mit dem es auch zusammenfallen kann).
  • ä und e entsprechen in den meisten Mundarten oft dem standarddeutschen a .
  • Das y wird als langer i-Laut gelesen also Schwiiz und nicht Schwüüz für den Kanton Schwyz.
  • Bei Wörtern aus dem Französischen wie Fondue oder Bellevue ist die Aussprache wie im Französischen mit Schweizer Akzent d.h. sogar mit Betonung der 1. Silbe) also Fóndü (phonetisch: ['fõdy]) und Béllvü (['belvy]). Das Billet (Fahrschein) wird in Schweiz auch im Schriftdeutschen mit einem t geschrieben.

Wortschatz

  • spezielle Wörter (zuerst schweizerdeutsch allgemein gibt es viele französische Lehnwörter )
    • Tr o ttoir - "Gehsteig"
    • P e rron - "Bahnsteig"
    • B i llet - "Fahrkarte Eintrittskarte"
    • Gl a ce (gesprochen glaßee) - "Eiscreme"
    • äxg ü si oder exgüs ee (excusez) - "Entschuldigung!"
    • m e rci - "danke"

  • Wörter die zu Missverständnissen führen können:
    • da - "hier"
    • nüm(m)e - "nicht mehr"
    • Anke - "Butter"
    • Böl(l)e (Zentral- und Ostschweiz) - "Zwiebel"
    • Grind (Bern) - "Kopf"
    • Spöitz - "Speichel; Kleingeld"
    • lauffe - "gehen"
    • springe - "laufen"
    • gumpe - "springen"
    • hocke (hocken) (v.a. Westschweiz) - "sitzen"
    • poschte - "einkaufen"
    • cheere - "drehen wenden"
    • lisme - "stricken"
    • bügle - "arbeiten" (in einigen Gegenden "bügeln"
    • büeze - "nähen" (salopp auch) "arbeiten"
    • chrampfe - "hart arbeiten"
    • Chrampf - "harte Arbeit"
    • wüsche (wischen) - "fegen"
    • fäge (fegen) de Bode ufnäh (den aufnehmen) - "wischen"
    • es fägt (es fegt) - "etwas Spass"
    • schmöcke (schmecken) - "riechen"
    • luege - "schauen; ansehen" (aber: gsee "sehen")
    • lose - "horchen" (aber: ghööre -
    • schtoosse - "stoßen; schieben"
    • schürge - "schieben"
    • schiesse (westl. Schweiz) bzw. schüüsse - schießen"
    • rüehre (rühren) - "werfen"
    • i(ch) mag mi(ch) nüme erinnere/psinne (ich mich nicht mehr erinnern) - "ich kann nicht mehr erinnern"
    • Pepperoni - "Gemüsepaprika"
    • Pepperoncini - "kleine Paprikaschoten"
    • Chessu (Bern) bzw. Chessel/Chübel - "Eimer"
    • Pfanne - "Kochtopf" (eine Bratpfanne ist "Bratpfanne")
    • Estrich - "Dachboden"
    • Winde - "Dachboden"
    • Chaschte (Kasten) Schaft - "Schrank"
    • D e pot - "Pfand bei Mehrwegflaschen"
    • In Uusgang gaa - "ausgehen" (hat mit dem Flur zu tun)
    • tuusche - "tauschen" (nicht "duschen"!) (z.B. mit mer tuusche?': "möchtest Du mit mir
    • Kchollég - "Freund; Kumpel"

Wer spricht Schweizerdeutsch

Bei der Volkszählung von 1999 betrug der Anteil der deutschsprachigen Schweizerinnen Schweizer 63 6% der Gesamtbevölkerung. Von diesen 93 3% an im Alltag Dialekt zu 66 4% davon geben sogar an nur und kein Hochdeutsch zu sprechen.

So wird die Hochsprache zwar in Verfassung als eine der vier offiziellen Landessprachen bleibt aber für den Großteil der Bevölkerung eine Fremdsprache (siehe auch Diglossie ).


In der deutschsprachigen Schweiz (gelb) gibt es Anzahl von verschiedenen Dialekten. Üblicherweise werden diese den Kantonen unterteilt. Dies ist jedoch streng linguistisch nicht gerechtfertigt da teilweise innerhalb von grosse Unterschiede im Dialekt vorkommen andererseits aber einigen kantonsübergreifenden Regionen praktisch der gleiche Dialekt wird.

Die Deutschschweizer Kantone sind Graubünden (GR) Gallen (SG) Appenzell (AP) Thurgau (TG) Glarus Schaffhausen (SH) Zürich (ZH) Zug (Z) Schwyz Luzern (LU) Uri (UR) Unterwalden]] (UW) Wallis Aargau (AG) Bern (BE) Basel (BS) Solothurn (SO) und Freiburg (FR). wird auch im Norden von Italien (P) in Bosco/Gurin im Tessin (T) gesprochen.

Da mehr und mehr Menschen innerhalb Schweiz umsiedlen haben sich die Unterschiede innerhalb zwischen den Dialekten in letzter Zeit etwas Die Unterschiede sind aber noch immer von Bedeutung und es kann vorkommen dass sich von verschiedenen Regionen nur schwer verstehen v.a. wo man auf seltene Dialekte mit wenigen trifft.

Historische Entwicklung des Schweizerdeutschen

Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb der Gebrauch des Dialektes den Bereich des Privatlebens beschränkt. Im öffentlichen wurde vor allem seit der Reformation Hochdeutsch vorgezogen. Die gehobenen Klassen ( Patrizier ) und die Familien der Großbourgeoisie einiger wie Bern und Basel "präferierten" Französisch und dieses auch im Alltag. Viele französische Lehnwörter zeugen heute noch davon. Schwyzerdütsch galt als Sprache der Bauern und des gemeinen

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab immer wieder Bewegungen mit dem Ziel Schwyzerdütsch zu machen und es zu einer Schriftsprache normalisieren. Diese Versuche sich von der deutschen durch die Entwicklung einer eigenständigen "vollwertigen" Sprache emanzipieren wurde durch den Anti- Nazismus im 20. Jahrhundert zusätzlich verstärkt.

Gleichzeitig machte sich im 20. Jahrhundert Gegenströmung zu dieser Entwicklung bemerkbar: Durch die der audiovisuellen Medien und durch die erhöhte der Bevölkerung werden die Dialekte ausgehend von städtischen Gebieten immer mehr von Ausdrücken der Schriftsprache und auch des Englischen durchzogen. Dazu dass praktisch der gesamte Wortschatz des modernen über jeweils einheitliche hochdeutsche Formen ins Schwyzerdütsche Doch beschränkt sich dieser hochdeutsche Einfluss fast auf den Wortschatz.

Soziologische Aspekte

Die soziologischen Funktionen von Schwyzerdütsch sind Es kann sowohl als Umgangssprache als auch als Fachsprache verwendet werden. Schwyzerdütsch ist weder nur noch eine technische Sprache. Es wird von Gesellschaftsschichten gleichermaßen verwendet und ist also nicht andere Dialekte als Sprachform einer "Unterschicht" diskreditiert.

Wie überall beinhalten die Varietäten verschiedener Sprechergruppen (Secondos Forstarbeiter usw.) zusätzliche spezielle Abkürzungen Ausdrücke.

Da die schweizerdeutschen Dialekte nicht kodifiziert (d.h. dass sie keine offizielle Orthographie und normierte Grammatik haben) erscheinen sie stark kontextuell sich also weder in ihrer Anwendung noch ihrer Stellung zur Umwelt klar definieren. Schwyzerdütsch den Deutschschweizern jedoch starken emotionalen Halt und wesentlich zum Heimatgefühl bei weshalb es aus Alltag nicht wegzudenken ist.

Literatur

  • Andreas Lötscher: Schweizerdeutsch. Geschichte Dialekte Gebrauch. Frauenfeld 1983.
  • Hans Bickel Robert Schläpfer (Hgg.): Die viersprachige Schweiz. 2. neubearbeitete Auflage Aarau 2000.
  • Rudolf Hotzenköcherle: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz hg. von Niklaus Bigler und Robert unter Mitwirkung von Rudolf Börlin Aarau 1994 I).
  • Georges Lüdi: Die Sprachenlandschaft der Schweiz - Eidgenössische Volkszählung . Bundesamt für Statistik. Bern 1997.
  • Schweizerisches Idiotikon Schweizerdeutsches Wörterbuch in 17 Bänden (z.B. in Universitätsbibliotheken).
  • Sprachatlas der deutschen Schweiz hg. von Rudolf Hotzenköcherle fortgeführt und von Robert Schläpfer Rudolf Trüb und Paul acht Bände Bern bzw. Basel 1962-1997 (z.B. Universitätsbibliotheken).

Siehe auch: Helvetismus Kultur der Schweiz

Weblinks




Bücher zum Thema Schweizerdeutsch

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Schweizerdeutsch.html">Schweizerdeutsch </a>