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Soziale Isolation


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Inhaltsverzeichnis

Begriff

Mit dem Begriff soziale Isolation beschreibt die Sozialpsychologie die Lebenssituation von Menschen die in unterdurchschnittlichem Ausmaß gesellschaftliche Kontakte zu anderen Menschen Je nachdem wie weit das durchschnittliche Maß Kontakten unterschritten wird das innerhalb der demographischen Bezugsgruppe einer Person als normal gilt soziale Isolation einen erheblichen psychischen Krankheitswert besitzen. ist eine solche Krankheitszuschreibung nicht zwingend: Als Kategorie kann in einem konkreten Fall soziale durchaus objektiv bestehen ohne daß die betroffene dies subjektiv als Mangel empfindet. Um diesen zwischen dem objektiven Tatbestand sozialer Isolation und subjektiven Einschätzung durch die Betroffenen auch begrifflich zu machen wird soziale Isolation häufig dem von Einsamkeit gegenübergestellt: Als einsam gilt dabei eine die Anzahl und Intensität ihrer sozialen Kontakte unzureichend empfindet und unter diesem Mangel leidet. ist es ohne weiteres möglich daß eine subjektiv an Einsamkeit leidet obwohl sie nach Maßstäben über eine ausreichende Zahl an sozialen verfügt.

Zur Entstehung sozialer Isolation können zahlreiche beitragen die zum Teil untereinander in einer stehen und sich wechselseitig verstärken können. Fast dieser Faktoren kreisen um die Frage welchen sie auf die Möglichkeit einer Person haben gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Der Grund für diesen liegt darin daß eine solche Teilnahme die Voraussetzung dafür ist soziale Kontakte herstellen zu Zu unterscheiden ist zwischen exogenen Faktoren (im der Zugehörigkeit zu einer sozialen Risikogruppe) und Faktoren die der Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen zuzurechnen

Exogene Faktoren (soziale Risikogruppen)

Alte

Alte Menschen laufen Gefahr durch die Auflösung der sozialen Bedingungen unter denen sie gelebt haben den Anschluß an ihr gesellschaftliches zu verlieren. Zu diesen Auflösungsprozessen zählen das aus dem Berufsleben der Verlust des Lebenspartners nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit und die damit einhergehenden der aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und zuletzt die Erfahrung der allmählichen Ausdünnung der Generation.

Studierende

Viele Studierende befinden sich vor allem Beginn ihres Studiums in einer isolierten Situation. Aufnahme des Studiums ist oft mit dem des Wohnorts verbunden so daß die Verbindungen bisherigen Freundes- und Bekanntenkreis erschwert werden oder abbrechen. Ebenso endet mit dem Auszug aus Elternhaus das Gefühl jederzeit einen sicheren Hafen zu können in dem man Schutz und erfährt. Schließlich stellt die neue Rolle als hohe Anforderungen an den Einzelnen das eigene zu organisieren und sich im Geflecht zunächst Institutionen zu behaupten.

Alleinerziehende

Alleinerziehende sind durch die Doppelbelastung von und Erziehungsleistung oft in so hohem Maß daß für eine ausreichende Teilnahme am gesellschaftlichen Zeit und persönliche Energie kaum ausreichen. Zudem die mit der Erziehungsaufgabe verbundenen Anforderungen oft daß lediglich eine Teilzeitstelle ausgefüllt werden kann. wiederum hat zur Folge daß auch das unter Umständen zu gering ist um am Leben teilnehmen zu können.

Strafgefangene

Es liegt auf der Hand daß von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben rigoros sind. Die Extremsituation des mit staatlicher Gewalt Einschlusses kann jedoch zur Entwicklung eines Mikrokosmos innerhalb der Haftanstalt führen in dem eigene Regeln bilden. Soziale Isolation ist unter Bedingungen einerseits vorstellbar als die Unfähigkeit (oder fehlenden Willen) des Einzelnen sich in die Normen dieses Mikrokosmos einzufügen andererseits aber auch Problem bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft Verbüßung der Haft.

Ausländer bzw. Migranten

Menschen aus fremden Ländern sind häufig Bedingungen aufgewachsen die sich radikal von denen die in der aufnehmenden Gesellschaft als normal Religiöse Prägung soziale Rollenbilder (z.B. zwischen Mann Frau Alten und Jungen usw.) der Stellenwert Beziehungen oder der Familie können so stark abweichen daß eine Integration der Zuwanderer in Aufnahmegesellschaft scheitert. Außerdem müssen sich Migranten häufig oft erhebliche Ressentiments der Bevölkerung behaupten so die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben regelrecht erkämpft muß sofern sie überhaupt gelingt.

Chronisch Kranke und Behinderte

Kranke und Behinderte werden von ihrer oft als in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt gesehen erfüllen somit nicht die Erwartungen einer leistungsorientierten westlicher Prägung. Zudem können Krankheit und Behinderung der Mobilität und der Sinneswahrnehmung verursachen was Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erschwert.

Arbeitslose

Arbeitslose stellen in westlichen Industriegesellschaften zwar langem keine Randgruppe mehr dar. Aufgrund des Wertesystems gelten sie jedoch nach wie vor Menschen die der gesellschaftlichen Erwartung eines auf ausgerichteten Lebens zumindest vorübergehend nicht entsprechen und als Außenstehende wahrgenommen werden. Sehr häufig haben die Betroffenen selbst dieses Wertesystem so sehr daß sie sich selbst als Versager empfinden aus Scham dem öffentlichen Leben fernbleiben. Diese wird durch die mit der Arbeitslosigkeit einhergehende der materiellen Lage noch verstärkt. Die Rollenzuschreibung Außenstehende ist im übrigen insofern objektiv begründet mit dem Verlust des Arbeitsplatzes zugleich auch schlagartige Verlust der häufig intensiven sozialen Kontakte den Kollegen am Arbeitsplatz verbunden ist.
Für fast alle der hier aufgeführten gilt daß eine im Verhältnis zur Gesamtgesellschaft konstatierende Isolation subjektiv gemildert werden kann wenn jeweilige Gruppe zahlenmäßig so stark ist daß selbst als Teilgesellschaft fungieren kann. Innerhalb einer Teilgesellschaft kann dann sogar ein besonders intensiver Austausch herrschen der für die Angehörigen der durchaus befriedigend ist. Dies ändert freilich nichts der weiterhin bestehenden Isolation gegenüber der Gesellschaft Ganzem.

Endogene Faktoren

Negatives Selbstbild

Mangelndes Selbstwertgefühl läßt Menschen daran zweifeln andere sie als wertvoll angenehm oder in Weise positiv wahrnehmen könnten. Unter geistiger Vorwegnahme Zurückweisungen unternehmen solche Personen daher gar nicht den Versuch ihre negativen Einschätzungen durch praktische zu überprüfen ( self-fulfilling prophecy ).

Unangemessene Generalisierung spezifischer sozialer Erlebnisse

Der Mangel an sozialen Erfahrungen führt daß isoliert lebende Personen einzelne zufällig eintretende Ereignisse in ihrer Allgemeingültigkeit überbewerten. Außerdem besteht Tendenz die besonderen Umstände einer tatsächlich bestehenden auszublenden und durch die Auffassung zu ersetzen passe generell nicht in soziale Zusammenhänge hinein.

Selektiv negative Wahrnehmung

Isoliert lebende Personen entwickeln Wahrnehmungsmuster bei in zunehmendem Maße negative Erfahrungen verarbeitet werden positive Ereignisse systematisch ausgeblendet werden. Das subjektive der eigenen Rolle im sozialen Umfeld ist das einer Reihung von Mißerfolgen und Zurückweisungen. vor Versagen und die generelle Erwartung von führen zum verstärkten Rückzug aus dem sozialen

Spezifische Attribuierungsmuster

Isoliert lebende Personen tendieren dazu (Pseudo-)Erklärungen ihre Isolation zu entwickeln deren gemeinsames Muster besteht daß die unbefriedigenden und als schmerzhaft sozialen Erfahrungen stets negativen Eigenschaften der eigenen zugeschrieben werden (internale Attribution) – z.B. mangelnder oder Liebenswürdigkeit. Die sich von der Gesellschaft und abgelehnt fühlende Person liefert somit eben Gesellschaft geradezu die Argumente dafür warum es ist Zurückstoßung und Ablehnung zu signalisieren. Die daß die Gründe für das Mißlingen sozialer auch im Gegenüber oder in den Situationsumständen könnten (externale Attribution) ist einer chronisch isolierten nicht mehr vermittelbar.
Den genannten endogenen Faktoren gemeinsam ist Tatsache daß sie sich bei fortdauernder Isolation verfestigen da die Fähigkeit zur Relativierung und angemessenen Einschätzung der eigenen Erlebnisse und des Geschehens gerade wegen des Mangels an sozialen fehlt. Hierdurch entsteht die Gefahr daß sich isolierte Person durch ihre verzerrte Wahrnehmung in Lage manövriert in der der Ausbruch aus Isolation aus eigener Kraft faktisch unmöglich wird. Isolierte entwickelt ein in sich geschlossenes hermetisches das von der sozialen Realität abgekoppelt ist zu Handlungs- und Verhaltensweisen führen kann die gegenüber sozialen Rückmeldungen gewissermaßen verselbständigen: Der normale Regelkreis bei dem das eigene Handeln an Reaktionen der Umwelt gemessen und erforderlichenfalls korrigiert angepaßt wird ist bei schweren Fällen sozialer durchbrochen.

Mangelnde soziale Kompetenz

Die angeführten Faktoren beschreiben eine Persönlichkeitsstruktur als Gegensatz dessen erscheint was üblicherweise als Kompetenz" oder "Selbstsicherheit" bezeichnet wird: Selbstsichere Personen sich dadurch aus daß sie einen bestimmten entwickeln in Bezug auf ihre sozialen Bedürfnisse sie imstande sind diese Ansprüche offen zu und über die Fähigkeit verfügen geeignete Mittel Durchsetzung ihrer Ansprüche einzusetzen. Jeder einzelne dieser ist bei sozial isolierten Personen schwach oder nicht ausgebildet.

Wichard Puls entwickelt in seiner Studie Literatur) ein komplexes Modell von Einflußfaktoren und Beziehungen untereinander die auf die Entwicklung sozialer hinwirken und deren zentrale Komponente der Mangel an sozialer Kompetenz ist. Dieser Mangel wird gefördert durch

  • Persönlichkeitsmerkmale (Neigung zu neurotischem und psychotischem Verhalten Introversion )
  • Störungen im kindlichen Entwicklungsprozeß (siehe Bindung (Psychologie) )
  • demographische Faktoren (geringes Einkommen schlechte Schulbildung)
  • ablehnendes Verhalten der Interaktionspartner in Zweier- und
  • gesellschaftliches Konkurrenzdenken
  • Arbeitslosigkeit

Der Mangel an sozialer Kompetenz ist die Ursache für negative soziale Erfahrungen:

  • ablehnendes Verhalten der Interaktionspartner in Zweier- und (verstärkende Rückkopplung auf eine der Ursachen mangelnder sozialer
  • Erfolglosigkeit in Zweierbeziehungen
  • geringes Ansehen innerhalb von Kleingruppen

Zusammen mit einigen weiteren Faktoren ist bereits der Tatbestand sozialer Isolation erfüllt. Wird Tatbestand zudem auch subjektiv als Einsamkeit erlebt wirken sich die Einsamkeitsgefühle als zusätzlicher verstärkender auf das ablehnende Verhalten der Interaktionspartner aus. schweren Fällen sind Einsamkeitsgefühle Auslöser für weitere wie die Entwicklung einer Depression oder einer Sucht (vor allem Alkoholismus ) die dann ihrerseits erneut negativ auf zentralen Faktor mangelnder sozialer Kompetenz zurückwirken. Durch mehrfachen Rückkopplungen im Verursachungsprozeß sozialer Isolation entwickelt eine Art Isolationsspirale aus der die Betroffenen der Regel aus eigener Kraft nicht mehr können.

Methodische Ansätze

Allgemeine Problematik

Während die angeführten exogenen Faktoren meist einfache Faktenerhebung bezüglich der äußeren Lebenssituation ermittelt können gestaltet sich die Überprüfung der endogenen bedeutend schwieriger: Zum einen liegt es auf Hand daß mentale Konstrukte wie das Selbstbild ein Mensch von sich konstruiert schwieriger zu sind als offen zutage liegende Fakten. Zum berühren Fragen die auf Isolation und Einsamkeit den hochsensiblen Bereich menschlicher Wertschätzung so daß allgemein mit geringer Antwortbereitschaft gerechnet werden muß auch mit einer schwer interpretierbaren Mischung aus Antworten im Sinne sozialer Erwünschtheit einerseits und unrealistisch negativen Einschätzungen andererseits. Zudem zeigen die Ausführungen daß sich die Selbsteinschätzung in Bezug soziale Isolation vollkommen von den äußerlich feststellbaren Faktoren lösen kann. Aus diesem Grund bietet der Versuch den Grad der Isolation einer durch zusätzliche Befragung von Dritten zu ermitteln nur begrenzte Erkenntnismöglichkeiten.

UCLA Loneliness Scale

Das gebräuchlichste empirische Instrument zur Ermittlung subjektiv empfundenen sozialen Isolation ist der unter Namen "UCLA Loneliness Scale" bekannte Fragebogen von Russell Peplau und Cutrona. Er 20 Aussagen zu denen die Versuchsperson jeweils Auswahl einer Antwort auf einer vierstufigen Skala selten manchmal oft) Stellung nimmt. Beispiele solcher sind etwa "Ich fühle mich übergangen" "Keiner mich wirklich gut" oder "Es gibt Leute die ich mich jederzeit wenden kann".

Literatur

  • Gerhard W. Lauth Peter Viebahn: Soziale Isolierung. Ursachen und Interventionsmöglichkeiten . Weinheim: Psychologie-Verlags-Union 1987
  • Wichard Puls: Soziale Isolation und Einsamkeit. Ansätze zu einer Theorie . Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 1989
  • D. Russell L.A. Peplau C.E. Cutrona: The revised UCLA Loneliness Scale. Concurrent and validity evidence . In: Journal of Personality and Social 39 (1980). S. 472-480




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