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Totentanz


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Ausschnitt aus den bekannten Totentanzdarstellungen in der von Wondreb (Oberpfalz)

Der Totentanz ist die seit dem 14. Jahrhundert aufgekommene bildliche Darstellung der Gewalt des Todes über das Menschenleben in einer Reihe allegorischen Gruppen unter dem Bild des Tanzes .

Er entstand 1350 in einem unter dem Eindruck der Pest gefertigten Bildnis von unbekannter Künstlerhand in Marienkirche von Lübeck . Dieses Gebilde in der so genannten Totentanzkapelle wurde leider im 2. Weltkrieg zerstört.

Ursprünglich bildete der Totentanz den Stoff dramatischer Dichtung und szenischer Aufführung und wurde kurzen meist vierzeiligen Wechselreden zwischen dem Tod anfangs 24 nach absteigender Rangfolge geordneten Personen Wahrscheinlich war darin den sieben makkabäischen Brüdern mit ihrer Mutter und Eleasar 2. Makk. 6 7) eine hervorragende Rolle zugeteilt es fand die Aufführung an deren Gedächtnisfest Paris im Kloster der unschuldigen Kindlein (aux statt; daher der in Frankreich von alters übliche lateinische Name Chorea Machabaeorum (franz. la Macabre).

In Paris war bereits 1407 die ganze Reihe jener dramatischen Situationen den dazugehörigen Versen an die Kirchhofsmauer des Klosters gemalt und hieran schlossen sich bald Malereien Teppich- und Steinbilder in den Kirchen Amiens Angers Dijon Rouen etc. sowie seit 1485 auch Holzschnitt - und Druckwerke welche die Bilder und Inschriften wiedergaben.

Noch erhalten ist der textlose aber Dichtung illustrierende Totentanz in der Abteikirche von La Chaise-Dieu in der Auvergne dessen Ursprung in das 14. Jahrhundert hinausreichen mag.

Reime und Bilder des Totentanzes verpflanzten von Frankreich aus auch nach England ; die mannigfaltigste und eigentümlichste Behandlung aber ihm in Deutschland zu teil wo er wechselnden Bildern und Versen in die Wand- Buchmalerei überging. Eine Darstellung in einer Kapelle Marienkirche zu Lübeck deren niederdeutsche Reime teilweise sind zeigt den Totentanz noch in seiner Gestalt: 24 menschliche Gestalten Geistliche und Laien absteigender Ordnung von Papst Kaiser Kaiserin Kardinal König bis hinab zu Klausner Bauer Jüngling Jungfrau Kind und zwischen je zweien derselben eine oder tanzende Todesgestalt als verschrumpfte Leiche mit umhüllendem Grabtuch; das Ganze durch dargereichte und gefasste Hände zu einem einzigen Reigen verbunden und eine einzelne Todesgestalt pfeifend (vgl. "Ausführliche Beschreibung und Abbildung des Totentanzes der Marienkirche zu Lübeck" Lüb. 1831). Aus 14. Jahrh. (vielleicht von 1312) rührt der verwischte Totentanz im Kreuzgang des Klingenthals eines ehemaligen Frauenklosters der Kleinstadt Basel (Bilder und Reime bei Maßmann: "Baseler Stuttg. 1847) her. Hier ist die Zahl Personen um einige neue aus den niedern genommene vermehrt auch das Ganze in einzelne aufgelöst. Ein anderer wiederholt gedruckter Totentanz mit tanzenden Paaren ("der doten dantz mit figuren") sowohl in den Figuren als in den Nachahmung der erwähnten französischen Danse Macabre.

Seit Mitte des 15. Jahrhunderts werden die Bilder des Totentanzes immer vervielfältigt während die Verse wechseln oder ganz werden und zuletzt gestalten sich beide Bilder Verse völlig neu. Zunächst wurde der Totentanz Kleinbasel nach Großbasel vom Klingenthal an die des Baseler Predigerklosters (nicht vor der Mitte 15. Jahrh.) übertragen wobei Zahl und Anordnung tanzenden Paare dieselbe blieben aber am Anfang Pfarrer und ein Beinhaus und am Ende der Sündenfall hinzugefügt wurden während die das Ganze Person des Malers vielleicht erst Hans Hug welcher 1568 das Bild restaurierte anhängte. Bei dem der Kirchhofsmauer 1805 ist das Original bis auf geringe zu Grunde gegangen; doch haben sich Nachbildungen den Reimen erhalten namentlich in den Handzeichnungen Büchels (bei Maßmann a. a. O.). Der Volkssprichwort gewordene "Tod von Basel" gab neuen zu ähnlichen Darstellungen obschon die Dichtkunst den ganz fallen ließ. So ließ Herzog Georg Sachsen noch 1534 längs der Mauer des dritten Stockwerks Dresdener Schlosses ein steinernes Relief von 24 lebensgroßen Menschen- und drei ausführen ohne Reigen oder tanzende Paare und Auffassung wie nach Anordnung durchaus neu und Dieses Bildwerk ward bei dem großen Brand 1701 stark beschädigt aber wiederhergestellt und auf Kirchhof von Neustadt-Dresden übertragen (abgebildet bei Nanmann: Tod in allen seinen Beziehungen" Dresd. 1844). der Baseler Darstellung abhängig ist das aus 15. Jahrh. herrührende Gemälde in der Predigerkirche Straßburg welches verschiedene Gruppen zeigt aus deren der Tod seine Opfer zum Tanz holt bei Edel: "Die Neue Kirche in Straßburg" 1825). Aus den Jahren 1470-90 stammt der in der Turmhalle der Marienkirche zu Berlin von W. Lübke Berl. 1861 und von Prüfer das. 1876). Einen wirklichen Totentanz malte 15I4 bis 1522 Nikolaus Manuel an die des Predigerklosters zu Bern dessen 46 Bilder jetzt nur noch in Nachbildungen vorhanden sind aller Selbständigkeit ebensowohl an den Baseler Totentanz an den erwähnten "doten dantz mit figuren"

Eine durchaus neue und künstlerische Gestalt aber der Totentanz durch Hans Holbein den Jüngeren . Indem dieser nicht sowohl veranschaulichen wollte der Tod kein Alter und keinen Stand verschont sondern vielmehr wie er mitten in den Beruf und die Lust des musste er von Reigen und tanzenden Paaren und dafür in sich abgeschlossene Bilder mit nötigen Beiwerk wahre "Imagines mortis" wie seine den Holzschnitt bestimmten Zeichnungen genannt wurden liefern. Dieselben seit 1530 und als Buch seit 1538 in großer Menge und unter verschiedenen und Kopien (neue Ausg. von F. Lippmann 1879). Holbeins "Initialbuchstaben mit dem Totentanz" wurden Nachschnitten von Lödel neu herausgegeben von Ellissen Daraus dass Hulderich Frölich in seinem 1588 erschienenen Buch "Zween Todtentäntz deren der zu Bern der andre zu Basel etc." Totentanz am Predigerkirchhof größtenteils Bilder aus Holbeins unterschob und Mechel sie in sein Ende vorigen Jahrhunderts erschienenes Werk "Der Totentanz" aufnahm der doppelte Irrtum dass man auch den wirklichen Totentanz im Predigerkloster für ein Werk hielt und des letzteren "Imagines" ebenfalls Totentanz

Im Lauf des 16. 17. und 18. Jahrhunderts entstanden noch andere Totentänze in Chur (erzbischöflicher Palast mit Benutzung der Holbeinschen Füssen Konstanz Luzern Freiburg und Erfurt und Holzschneide- wie Kupferstecherkunst nahmen den Stoff wieder auf dessen auch die Dichtkunst wieder bemächtigte z. B. ("Der Totentanz" Leipz. 1831).

Auch in der 2. Hälfte des Jahrhunderts hat man wieder Totentänze gezeichnet so Alfred Rethel und Wilhelm von Kaulbach .

Ein zeitgenössischer Totentanz ist das nicht bisher erfolgreichste deutschsprachige Musical von Kunze/Levay "Elisabeth". 1980er Jahre im Wiener " Theater an der Wien " uraufgeführt schildert es das Leben der von Österreich als Totentanz der durch die mit dem Tod sein "Happy End" findet.

[Dieser Artikel basiert u.a. auf dem Artikel Meyers Konversationslexikon von 1888.]

Siehe auch: Vanitas und Totentanz von Wondreb

Literatur

  • Peignot Recherches sur les danses des (Par. 1826)
  • Douce Dissertation on the dance of (Lond. 1833)
  • Langlois Essai sur les danses des (Rouen 1851 2 Bde.)
  • Maßmann Litteratur der Totentänze (Leipz. 1841)
  • W. Wackernagel Der Totentanz (in "Kleine Bd. 1 das. 1874)
  • Wessely Die Gestalten des Todes etc. der darstellenden Kunst (das. 1877).
  • Totentanz in: Meyers Konversationslexikon 4. Aufl. 1888 Bd. 15 S.



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