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Tragisch


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Tragisch (griech.) heißt nach Aristoteles ein Ereignis zugleich Mitleid (mit dem von demselben Betroffenen) Furcht (für uns selbst) erweckt. Dasselbe muss ein Leiden sein weil dessen Anblick sonst nicht ein Leid wecken könnte; aber es darf verdientes (nicht die gerechte Strafe eines wirklichen sein denn ein solches bedauern wir zwar bemitleiden es nicht. Dasselbe muss anderseits furchtbar weil wir es sonst nicht (weder für noch für uns) fürchten und es muss (ohne Rücksicht auf Schuld oder Unschuld) verhängt weil wir es sonst nicht für uns wie für den Schuldigen fürchten würden. Nur mehr oder minder unverdiente Leiden sei es dass das vermeintliche Verbrechen eine Helden- oder der rächende Gott oder das launenhafte Fatum eigentliche Verbrecher sei (der Feuerraub des Prometheus der dafür von dem neidischen und Zeus an den Felsen geschmiedet wird) sei dass der vermeintlich Schuldige nur halb schuldig "himmlischen Mächte" welche "den Armen haben schuldig lassen" die eigentlich Schuldigen seien ( Ödipus den die tyrannischen Götter schon im zum künftigen Vatermörder und Muttergemahl ausersehen haben; Wallenstein von dessen Schuld "unglückselige Gestirne" die Hälfte" tragen) ist wirklich tragisch das gänzlich (das Martyrium der Unschuld die Passion Christi) tragisch sondern gräßlich.

Das Tragische ruht daher ebenso wie Komische auf einem Kontrast desjenigen was wirklich geschieht (des Ungerechten Tragischen des Ungereimten im Komischen) mit dem (nach der Forderung der sittlichen Vernunft [der im Tragischen des Verstandes [der Klugheit] im eigentlich geschehen sollte nur mit dem Unterschied dasjenige was wirklich geschieht im Tragischen ein also schädlich im Komischen dagegen nur eine also unschädlich ist.

Da nun der Eindruck des Tragischen jener des Komischen wesentlich durch die Einsicht obigen Kontrast entsteht so muss er wie diesem als gemischter ausfallen. Das wirklich Geschehende unverdiente Leiden und der Untergang der tragischen der Sieg des Fatums oder der "neidischen" ist ein Triumph der Ungerechtigkeit und bringt solcher das "zermalmende" Gefühl menschlicher Schwäche und dem "großen gigantischen Schicksal" gegenüber hervor.

Die Verurteilung dessen was wirklich geschieht den Richterspruch der Vernunft (in uns oder Helden) welche sich selbst durch den nahen sichern Untergang wie durch die Übermacht des Schicksals in ihrer Festigkeit nicht erschüttern und dazu zwingen läßt das Unverdiente für verdient ungerechten Gott als gerechten anzusehen ist der der Gerechtigkeit und erzeugt als solcher das Gefühl menschlicher Hoheit und Überlegenheit gegenüber dem Schicksal welches "den Leib töten aber die nicht töten kann".

In ersterer Hinsicht ist der Eindruck Tragischen (der tragische Affekt) jenem des Grausamen blinden Naturnotwendigkeit) welches Verzweiflung in dieser jenem (nach Kant: moralisch) Erhabenen (der sittlichen Freiheit) welches Bewunderung erzeugt. Werden beide Seiten des Kontrastes an verschiedene Personen verteilt so dass (zermalmende) Gefühl des Unterliegens unter das Schicksal die tragische Person das (erhebende) der (moralischen) des Menschen über dasselbe in den Zuschauer wird so entsteht das Naiv- oder Objektiv-Tragische; beide dagegen in der (tragischen) Person vereinigt sodann während sie (physisch) dem Schicksal unterliegt als tragischer "Held" dasselbe besiegt so entsteht Bewußt- oder Subjektiv-Tragische. Jenes bei welchem die Person sich leidend (passiv) verhält wirkt vorzugsweise dieses bei welchem dieselbe wenigstens moralisch thätig auftritt vorzugsweise erhebend. Die Eigentümlichkeit des ersteren darin dass der tragische Held dem Beschauer des letztern darin dass er sich selbst erscheint Mitleid und Furcht nicht bloß anderen sich selbst (für sich) einflößt.

Iphigenia Antigone Thekla (im "Wallenstein") beklagen Geschick. Das Subjektiv-Tragische ist durch die Gemütsstimmung Helden welche aus Mitleid mit sich der Schicksal unterliegt und Hohn über den Gegner (nur scheinbar) triumphiert zusammengesetzt ist dem Humor d.) und zwar weil der (physische) Untergang ist dem bösen Humor (Weltschmerz) verwandt und um dieser Verwandtschaft willen Humoristisch-Tragisches. Je nachdem dem Eindruck des Tragischen das "zermalmende" oder "erhebende" Element als das stärkere erscheint wird Rührend-Tragische vom Pathetisch-Tragischen unterschieden. Durch Kombination beider entstehen als Unterarten des Rührend-Tragischen das Rührende welchem das mitleiderregende und das Schreckliche bei das furchterweckende Element des Ergreifenden überwiegt; als des Pathetisch-Tragischen das humoristische Pathos bei welchem Klage über sein Schicksal und der tragische bei welchem der Hohn über dasselbe im die Oberhand gewinnt; jene machen uns weinen "unter Tränen lächeln".

Die Auflösung des Tragischen erfolgt wie des Komischen durch die Aufhebung des Kontrastes entweder das (anscheinend) Ungerechte als gerecht (der Schuldlose oder nur halb Schuldige als wirklich erkannt oder das vermeintlich durch blinden Willen feindselige Absicht herbeigeführte Leiden als das Werk Zufalls oder eines mechanischen Naturprozesses (natürlicher Tod) wird welche als völlig heterogen mit der nicht vergleichbar also auch nicht als Kontrast derselben betrachtet werden können.

Siehe auch: Tragödie

Grundlage des Artikels aus Meyers Konversationslexikon 1888/89

Literatur

  • Bohtz Die Idee des Tragischen (Götting. 1836)
  • R. Zimmermann Über das Tragische und die (Wien 1856)*Baumgart Aristoteles Lessing und Goethe. Über ethische und ästhetische Prinzip der Tragödie (Leipz.
  • Duboc Die Tragik vom Standpunkt des Optimismus 1885)
  • Günther Grundzüge der tragischen Kunst aus dem der Griechen entwickelt (Leipz. 1885)




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