Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 3. August 2020 

Strizz, das erste Jahr


von Volker Reiche

Kategorie: Überblick
ISBN: 3406510752

Kommentar abgeben
Comics für Erwachsene haben es immer noch schwer in Deutschland. Umso überraschender ist der Erfolg der FAZ-Serie Strizz, einer Art Daily Soap über den gleichnamigen Büroangestellten. Dieser Band versammelt alle Folgen aus dem Debüt-Jahr 2002.

Leo, sein Chef, hat es nicht leicht mit Strizz und hofft insgeheim vermutlich auf weitere Lockerungen beim Kündigungsschutz. Denn sein spillriger Untergebener mit Fünfzigerjahre-Tolle kommentiert lieber das Tagesgeschehen (Fußball-WM, Hartz-Kommission, Bundestagswahlkampf) als Akten zu wälzen. Oder schwelgt in Großmannsfantasien -- "Charisma, dein Name ist Strizz!" --, mit kurzen Momenten der Selbsterkenntnis: "Ich bin ein kleines Licht."

Weil er mal wieder schlampig gearbeitet hat, muss eine zusätzliche Kraft eingestellt werden? Prima, "nennt mich einfach Mister Job-Wunder!" Chef Leo hält dagegen: "In einer halben Stunde auf meinem Tisch!", doch mehr als Achtungserfolge liegen angesichts des passiven Widerstands à la Bartleby kaum drin. Ergänzt wird das ewige Duell durch Episoden mit Strizz' aufgewecktem Neffen Rafael, der bezaubernden Irmi oder dem ebenso scharfsinnigen wie verfressenen Kater Paul.

Wer an der Serie vor allem die Anspielungen auf aktuelle Ereignisse schätzt, sollte wissen, dass diese hier nur noch bedingt funktionieren, trotz der voran gestellten Chronologie. Charme und Chuzpe des leidenden Angestellten hingegen sind ungebrochen und nicht wenige Leser dürften, wie Elke Heidenreich, diesem Helden der Arbeitsverweigerung verfallen.

Ihnen bietet das Buch Gelegenheit, Strizz' "Jugendjahre" aufzuarbeiten. Fans können sich noch einmal an den besten Sprüchen und Sperenzchen erfreuen und vielleicht endlich in der Praxis erproben: Bei der nächsten Gehaltsverhandlung einfach darauf hinweisen, "dass ich demnächst zwei oder drei Rentner ernähren muss". --Patrick Fischer

Note: Sehr Gut!
Regelmäßigen Lesern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Volker Reiches "Strizz"-Comics jeden Werktag auf der letzten Seite des Feuilletons abdruckt, braucht man dieses Buch wohl kaum noch zu empfehlen: Abgedruckt sind alle Folgen des Jahres 2002. Dem Band vorangestellt ist als Vorwort eine Art Essay von Andreas Platthaus über den speziellen Charakter dieser Bildgeschichten sowie eine Chronik der Ereignisse im Jahr 2002, auf die die in "Strizz" von Anfang an häufig Bezug genommen wird.
Treten in den ersten drei Folgen nur der Büroangestellte Strizz und sein Chef Leo auf, so erweitert sich das Figurenspektrum danach langsam, aber sicher. Zunächst um Herrn Paul, den Kater von Strizz' Chef, dann Strizz' hochintelligenten Neffen Rafael und dessen Stofftiere, die Zeichnerin Irmi und deren Dackel Müller, schließlich auch noch Irmis Mutter. Wie Platthaus in seiner Einleitung schön anmerkt, ist es die Liebesbeziehung zwischen Strizz und Irmi, die dem "Strizz-Universum" eine gewisse Dynamik gibt.
Davon abgesehen sind die meistens acht Bilder langen Episoden mit Dialogen zwischen Strizz und seinem Chef, zwischen Strizz und seinem Neffen, zwischen Kater Paul und Dackel Müller oder zwischen Rafael und seinen Stofftieren, mit denen er zuerst ein "Wahlkundliches Seminar", dann ein "Philosophisches Quintett" bildet (FAZ-Leser wissen, dass daraus später ein Sextett wurde), eine kongeniale Mischung aus gut erdachten Geschichten über die Figuren einerseits und Kommentaren zum aktuellen Geschehen andererseits. Dabei ist Volker Reiche mit diesen Kommentaren tiefsinniger, prägnanter, zugleich aber auch witziger, als mancher Politschreiberling.

Klassischer Comicstrip
mit viel Witz und Philosophie.

Volker Reiche veröffentlich seit einiger Zeit Montags bis Freitags seinen Cartoon in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). In diesen verarbeitet er auch tagesaktuelle Themen. Sehr charmant die Besetzung:

Strizz, die "Hauptperson", (fast) alleinerziehender Onkel
Herr Leo, Strizz's Arbeitgeber und Chef der ominösen Firma Leo & Co.
Rafael, Strizz's Neffe
Irmi, eine "moderne" Dame (oder auch Strizz Herz-Dame)
Omi, Irmi's Mutter

Und dann, abgesehen vom philosophischem Quintett,

Herr Müller, seines Zeichens Dackel
Herr Paul, philosophierender Kater
Tassilo, Wachhund und Dichter aus Passion.

Das alles ergibt ein schönes Panoptikum.

Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, den aktuellen Strizz anzusehen.

Sehr bemerkenswert ist, Volker Reiche schreibt seine Geschichten, die er zeichnet selber.

In diesem Buch gibt es die erste Zusammenstellung der in der FAZ erschienen Strips.

Das Buch ist, wie Nero Wolfe zu sagen pflegt, "höchst zufriedenstellend"
Siehe auch:

Überblick > Strizz, das erste Jahr
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3406510752/">Strizz, das erste Jahr </a>