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NachrichtenLexikonProtokolleBŘcherForenDonnerstag, 9. Juli 2020 

Gebranntes Kind sucht das Feuer.


von Cordelia Edvardson

Kategorie: Romane & Erzńhlungen
ISBN: 3423111151

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Schade
Dieses Buch ist reine Poesie. Das ist jedoch genau das Problem. Die Autorin hat versucht, eine komplexe Geschichte auf eine Art zu schreiben, dass sie die Gef├╝hle und Probleme der Hauptperson nicht durch Gedanken oder Worte, sondern allein durch die Sprache und die Wortwahl des Romans ausdr├╝ckt. Jedoch scheint sie zuviel Zeit und M├╝he in die Poesie ihres Romans investiert zu haben, sodass dahinter die Geschichte v├Âllig verloren geht. Sie verschindet fast komplett und wenn man das Buch durchgelesen hat, hat man zwar ein sprachliches Meisterwerk gelesen, doch gleichzeitig eine fast handlungslose Geschichte. Ich empfehle dieses Buch nicht, wenn man jedoch gerne B├╝cher mit einer solch poetischen Sprache liest, kann ich "Die gr├Â├čere Hoffnung" con Ilse Aichinger w├Ąrmstens empfehlen.

Die Trag├Âdie einer bekannten christlich-j├╝dischen Familie
Es gab bisher kaum ein Buch, dass mich so ersch├╝ttert h├Ątte, wie dies aus unverhohlener, (auch von ihrer Religion) nicht getr├Âsteter Verzweiflung betont subjektiv, dadurch zuweilen scheinbar etwas konfus geschriebene einer katholisch erzogenen J├╝din, die im Alter von 14 Jahren aus deren panischer Hilflosigkeit heraus von ihrer Mutter der Gestapo zur Deportation nach Theresienstadt und Auschwitz ausgeliefert wurde.
Und ich kenne keine Schilderung, die das Grauen des Vernichtungslagers und dessen nie ├╝berwundene Dauerfolgen so ├╝berzeugend wiedergibt. Und ich kenne seit Sigmund Freuds Traumdeutung keinen solchen Mut zu schonungsloser Offenheit gegen├╝ber der eigenen sehr sensiblen Gef├╝hlswelt.
Eine gro├čartige Frau, ein gro├čartiges Buch, das eine Fortsetzung des Tagebuchs von Anne Frank sein k├Ânnte, mit einem lebensechten Bericht des Unvorstellbaren, das auch Anne Frank weiter in den Abgrund zog.
Etlichen d├╝rfte die in ihrer menschlichen Unzul├Ąnglichkeit geschilderte Familie einer nach dem Kriege hoch geehrten katholisch-j├╝dischen Dichterin und eines hochangesehenen, den Westdeutschen Rundfunk nach dem Kriege mit gepr├Ągten Philosophen (beide werden in dem Buch namentlich genannt) bekannt sein, was die Best├╝rzung erst ganz vollkommen macht! Ich werde das Buch wieder und wieder zur Hand nehmen!

Ein d├╝nnes B├╝chlein, mit eigenem Charakter
Der nur 130 Seiten lange Roman handelt von dem kleinen Berliner M├Ądchen Cordelia, die als J├╝din geboren, als Katholikin erzogen, die Schreckensherrschaft der Nazis erlebt. Sie entrinnt lange Zeit ihren H├Ąschern, landet schlie├člich doch in Auschwitz und ├╝berlebt den Holocaust.

Auf 130 Seiten kann man nicht viel Inhalt unterbringen und viele Dinge bleiben ungesagt. Oft wollte ich beim Lesen hinterfragen, nachhaken, mich interessieren. Doch leider blieben bis auf ein paar versteckte Andeutungen keine Details. Schade.
Doch trotzdem konnte die Autorin auf 130 Seiten genug Nebens├Ąchliches, ├ťberfl├╝ssiges einbringen und vom eigentlichen interessanten Thema ablenken. Man merkt eben, dass sie keine Fachfrau ist. Sie schreibt, wie sie denkt. Und sie denkt sehr wirr.

Fazit: Entt├Ąuschend f├╝r mich, weil ich mir mehr Informationen ├╝ber die Naziverfolgung und die Erlebnisse eines Kindes in dieser schrecklichen Zeit erwartet habe. Die verwirrende und oft ins Unendliche abweichende Schreibweise gefiel mir ebenfalls nicht.
Siehe auch:

Romane & Erzńhlungen > Gebranntes Kind sucht das Feuer.
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