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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 3. August 2020 

Der 21. Juli


von Christian von Ditfurth

ISBN: 3426271990

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Schon ein beklemmend schauriges Gefühl, dem Reichsführer SS, Heinrich Himmler, in den 50er-Jahren als Herrscher eines Großdeutschlands wieder zu begegnen. Wie schon in Robert Harris Erfolgsroman Vaterland, oder dem jüngsten Beispiel, Harry Mulischs Siegfried, in dem ein heimlicher Führersohn entdeckt wird -- immer wieder fühlen sich Autoren angestachelt, die Geschichte des Dritten Reiches wie durch ein Zeitloch verändert ablaufen zu lassen.

Den Historiker Christian von Ditfurth, Sohn des Wissenschaftsjournalisten Hoimar von Ditfurth und Bruder Jutta Ditfurths, trieb dabei ein besonderer Aspekt um: Das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 und die Verschwörung der Männer um Graf von Stauffenberg. Startrampe seines Plots ist das gelungene Attentat und der Tod des Führers. Ditfurths historischer Dreh basiert dabei auf der rätselhaften (gleichwohl verbürgten) Tatsache, dass eine jahrelang dilettantisch vorbereitete Aktion vom ansonsten bestens informierten SS-Sicherheitsdienst glatt übersehen werden konnte. Ditfurths Romanlösung: Himmler und seine Schergen waren Bündnispartner der Verschwörer. Trotz Hitlers Tod tobt der Krieg weiter, bis das Ungeheuerliche geschieht. "Der Kampf war nicht umsonst", verkündet der Berliner Rundfunk am 6. Mai 1945. Eine deutsche Atombombe legt die sowjetische Stadt Minsk in Schutt und Asche und beendet den Zweiten Weltkrieg!

Jahre später schlägt die Stunde Knut Werdins, eines SS-Standartenführers, der 1945 in die USA übergelaufen, heute dort zurückgezogen lebt. Präsident McCarthy (!), erschreckt von einer drohenden großdeutsch-sowjetischen Allianz gegen die Vereinigten Staaten, beschließt, Werdin als eine Art Prä-Bond in seine Heimat zurückzuschicken, um Himmler zu eliminieren. Bei seinem Eintreffen findet unser Held ein Deutschland vor, das ihn schwindeln macht. Goerdeler ist Hitlers Nachfolger, ein gewisser Ludwig Erhard waltet als Wirtschaftsminister und Hermann Göring... nun! Ein Trost für unseren Kämpfer: Auch eine alte Liebe erwartet ihn!

Die spannende Frage nach der Entwicklung Deutschlands und der Welt, wären Stauffenberg und seine Helfer erfolgreich gewesen, handelt von Ditfurth mit kühnem utopischen Schwung ab, wenngleich der kenntnisreiche Historiker im Streit mit dem Thrillerautor oft die Oberhand behält. --Ravi Unger

Knisternde Spannung in Himmlers fiktivem Reich
Ein tollkühnes Szenario: Das Stauffenberg-Attentat auf Hitler glückt am 20. Juli 1944, die Regierung wird gestürzt und eine neue Machtbalance aus Reichswehr und SS entsteht im Deutschen Reich - mit fatalen Folgen. Nach dem Sturz Hitlers kämpfen die Deutschen noch verbissener um den Sieg, ja um die Existenz, die Atomforschung wird vorangetrieben. Im Mai 45 ist der Krieg entschieden: Minsk wird durch eine deutsche Atombombe ausradiert. Diese atemberaubende Was-wäre-wenn-Geschichte beschreibt Christian v. Ditfurth in seinem Polit-Thriller „Der 21. Juli" haargenau. Sublim erzählt, von fundierten historischen Kenntnissen durchsetzt, spinnt der Autor das Stauffenberg-Attentat weiter (man merkt, dass Ditfurth Historiker ist). Im Mittelpunkt des Geschehens steht der SD-Mann Knut Werdin, der unter den Nazis zunächst für die Sowjets, später für Amerika spioniert. Und 1953 aus dem amerikanischen Exil zurück nach Deutschland fliegt, um den neuen Machthaber des Reichs zu töten: Heinrich Himmler. „Der 21. Juli" besticht nicht nur durch die kohärente Handlung; auch der formale Aufbau lässt die Spannung mit jeder Seite wachsen. So findet das Geschehen in zwei verschiedenen Zeitebenen statt, 1944 und 1953. Das Buch beginnt 1953, zieht den Plot dann rückwärts auf, um schließlich wieder in der Gegenwart zu enden. Ständig wechselnde Perspektiven garantieren Abwechslung und beleuchten die Story aus den verschiedensten Blickwinkeln. SD-Mann Werdin ist hin- und hergerissen zwischen seinen sozialistischen Idealen und seinem Patriotismus. Der russische General Grujewitsch ringt um einen neuen Nichtangriffspakt mit Deutschland. Darüber hinaus werden die Charaktere vor allem deshalb rund und menschlich beschrieben, da auch ihre privaten Nöte bei ihren Entscheidungen stets mitspielen. Ditfurths Kombination aus historischen Fakten und blühender Fiktion wirkt beklemmend realistisch: die Folterszenen im Keller der SS, Observationen, Geheimdienst-Operationen. Fast schon mit einem Schmunzeln reagiert man, wenn plötzlich Ludwig Erhard als autokratischer Wirtschaftsminister auftritt oder Stauffenberg eine zweite Dolchstoßlegende fürchtet. Insgesamt ein beeindruckender Roman voller Lebendigkeit und realistischer Spannung, der Widerstand, Tyrannenmord und Kriegsangst auch mal aus Sicht des kleinen Mannes schildert.

Gute Romanidee - nur leider mit Mängeln umgesetzt
Was wäre wenn... ? Das ist eine der beliebstesten Frage der Thrillerliteratur mit historischen Themen. Dieses Buch wirft einen Blick auf ein Deutschland, wie es möglich gewesen wäre, wenn die Bombe des 20.Juli 1944 Hitler tatsächlich getötet hätte.
Um einen Bürgerkrieg zu vermeiden mussten die konservativ-adligen Verschwörer in der Wehrmacht einen Pakt mit der SS Heinrich Himmlers eingehen. Vom Wahnsinn Hitlers befreit gelingt es der neuen Führung, noch einmal die Kräfte zu bündeln und mit der Entwicklung der Atombombe den 2. Weltkrieg mit einem Patt zu beenden.
In dieser Nachkriegswelt, aufgeteilt in eine deutsche, eine sowjetische und eine US-amerikanische Interressensphäre, beunruhigt den US-Präsidenten Joe McCarthy eine vermeintliche Annäherung des heimlichen deutschen Machthabers Himmler an die Sowjetunion.
Ein ehemaliger SS-Offizier, der bei Kriegsende in die USA übergelufen war, wird aktiviert und mit dem Auftrag Himmler zu töten, nach Deutschland geschickt.
Wie schon in Robert Harris genialen Roman"Vaterland" bezieht auch dieses Buch Spannung als der Vermischung von Fiktion mit realem historischen Hintergrund.
Man merkt, dass der Autor gelernter Historiker ist, dennn die geschichtlichen Fakten sind akkurat dargestellt und auch seine Vison der politischen Entwicklung nach einem geglückten Attentat ist nicht abwegig, sondern sehr realistisch und nah dran am Stand der historischen Forschung.
Doch ein guter Historiker ist nicht unbedingt ein guter Schreiber. Während Harris Roman bis zum Schluß einen Spannungsbogen aufbaut, der einen nicht einschlafen ließ, schwelgt Ditfurth zu sehr in seiner historischen Fiktion und vernachlässigt dabei die Story. Da hätte er mehr draus machen können, vor allem das Ende enttäuscht doch sehr, denn es erscheint aufgesetzt und ohne Zusammenhang zum Rest der Geschichte.
Man sollte also keine Hochspannung erwarten, doch trotzdem halte ich das Buch für insgesamt sehr lesenswert. Weniger als Thriller den als Alternativwelt-Roman für historisch Interessierte.

Leider viel verschenkt
Der Autor wirkt sehr kompetent, es ist alles gut recherchiert und sprachlich gut, aber mir hat der Plot einfach nicht gefallen, ich habe das Gefühl, daß einfach ein besseres Buch drin gewesen wäre. Ich habe sowohl Vaterland als auch die schwarze Serie von Kerr gelesen, diese Bücher sind handwerklich schlechter, aber viel spannender und geschlossener, dieses Buch schwankt zu sehr zwischen einem Roman und einem Thriller. Schade !
Siehe auch:

> Der 21. Juli
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