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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 20. Oktober 2019 

Wer ist Jude?


von Arthur Hertzberg

ISBN: 3446197605

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Dies ist ein Buch, das bei einigen Lesern Anstoß erregen wird. Arthur Hertzberg und sein Mitautor Aron Hirt-Mannheimer haben diese Möglichkeit in ihrer Einleitung antizipiert und man wird ihnen beipflichten können: Muss es nicht befremden, wenn jemand sich das Ziel setzt, die Kontinuität des jüdischen Charakters zu beschreiben und umstandslos vom jüdischen Wesen spricht? Sollen hier möglicherweise zu Recht längst überwundene essenzialistische Denkmuster rehabilitiert werden? Wie immer man ein solches Unternehmen beurteilt, ob man es überhaupt für realisierbar hält, politisch wünschenswert oder letztlich für zum Scheitern verurteilt erklärt, so wird man es an seinen Ergebnissen und an dem Lesevergnügen, das es zweifellos bereitet, messen müssen.

Um die These von der Kontinuität des jüdischen Charakters zu belegen, entwerfen die Autoren in den ersten Kapiteln einen begrifflichen Rahmen, der durch drei Schlüsselelemente bestimmt ist: der Jude als Auserwählter, Aufrührer und Außenseiter. Im zweiten Teil werden dann die nach Auffassung der Autoren wesentlichen Merkmale des Judentums anhand von bedeutenden Persönlichkeiten der jüdischen Geistesgeschichte von Maimonides über Spinoza und Moses Mendelssohn bis Woody Allen beschrieben und mit der wechselhaften Geschichte des Judentums verflochten. Diese Porträtgalerie dürfte der wohl anregendste Teil des Buches sein. Hertzberg beweist hier erstaunliche Qualitäten als Erzähler, indem er immer wieder eigene Erfahrungen und Erlebnisse in seine historischen Beschreibungen einbezieht. So lebt das Buch nicht zuletzt auch vom persönlichen Bekenntnis Hertzbergs und die von ihm ausgebreiteten autobiografischen Episoden und Anekdoten werden dem Leser auch nach der Lektüre noch in Erinnerung bleiben. Es wird dann schließlich auch deutlicher, dass die essenzialistische Rhetorik der Autoren ihrer Sorge um die von Zersplitterung bedrohte jüdische Identität am Ende des 20. Jahrhunderts entspringen dürfte: Die größte Gefahr, so ihre unmissverständliche politische Botschaft, geht für das Judentum nicht mehr in erster Linie von äußeren Feinden aus, sondern von ultraorthodoxen Fanatikern, die von der geoffenbarten Bestimmung Israels überzeugt sind. --Jens Kertscher

Das auserwählte Volk
Wer ist Jude? Was ist Judentum? Diese und andere Fragen werden in diesem Buch einmal kritisch und etwas provokant beantwortet. Das Schöne daran ist jedoch, dass Arthur Herzberg und Aron Hirt-Manheimer (die Autoren) dem Leser nicht alles vorkauen, sondern ihn mit ihren Aufsätzen zum Nachdenken anregen, sodass man in der Tat dazu neigt das Buch eine Weile aus der Hand zu legen um es auf sich wirken zu lassen. Obwohl das Jüdische Volk (verhältnismäßig) klein ist und seine Besonderheit immer auch in seinem Status den Dominanzreligionen gegenüber lag, besteht es trotz aller Assimilationsversuche und Verfolgungen bis hin zur organisierten Vernichtung nach wie vor. Es hat sich durch schriftliche und praktische Pflege seiner Traditionen erhalten und die Geschichte und die Entwicklung in der Welt, wohl gerade wegen seiner Verstreuung über die ganze Erde, mehr geprägt und vorangetrieben als jedes andere Volk. Dieses Buch ermöglicht es dem Leser das Wesen und die Prägung eines einzigartigen Volkes kennenzulernen.
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