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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 16. Juli 2020 

Italien - das dunkle Herz des Südens


von Tobias Jones

Kategorie: Italien
ISBN: 3463404567

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Eine kritische Liebeserklärung
Bella Italia: Sonnenschein, gutes Essen und freundliche Menschen. Was begehrt das Herz noch mehr, als Urlaub zu machen im Herzen des ehemaligen römischen Reiches, wo alles so leicht und einfach scheint - doch der Schein trügt, dies meint zumindestens der Autor...

Ich selbst fliege öfters geschäftlich nach Italien und kann mir eventuell ein oberflächliches Urteil darüber erlauben, was der Autor hier ausgebreitet hat, welcher selbst in Parma einige Zeit als Journalist lebte.
Was ich in jedem fall sofort vorweg nehmen möchte, ist die Voreingenommenheit mit der Tobias Jones Italien betrat und mit der er seine ersten Artikel für die englischsprachige Presse verfaßte - dies gibt er auch selbst zu. Auch seine politische Heimat, eher linksorientierter Art, machte ihm das Berlusconi - Italien nicht gerade heimischer. Das er für dieses Buch in Italien stark angegriffen wurde, verstehe ich gut, denn einen Jauchekübel über ein Land auszukippen, ist nicht gerade das was man erwartet. Das er aber auch Zuspruch zu seinem Buch erfuhr, sein hier ausdrücklich erwähnt. Das Buch „Italien - das dunkle herz des Südens" ist also sehr ambivalent und führt sehr schnell zu starken Kontroversen in der Betrachtungsweise.

Doch worum geht es dem Autor überhaupt? Tobias Jones zeigt in seiner, aus dem englischen von Christian Kennerknecht, übersetzen kritischen Liebeserklärung auf, was es mit dem Staat, den Behörden, der Politik, den Medien und der Kirche so auf sich hat in Italien.
Seine Beschreibung der italienischen Mentalität kann ich gut nachvollziehen. Auch das Familie und Freundschaftsbande sehr wichtig sind für den Italiener. Doch seine Kapitel über die Kommunisten und Faschisten im Lande finde ich ein wenig überzogen, auch wenn Sie wahr sein mögen, hier hat sich der Autor ein bißchen zuviel ausgebreitet über den „Musolini Nachfolger" Berlusconi und die faschistischen Gruppierungen, die Italien beherrschen wollen. Teilweise ist er einfach auch zeitlich viel zu sehr in der Vergangenheit (dreißig Jahre und mehr zurück), als das dies jemanden wirklich heute noch interessieren könnte, stände er selbst nicht politisch dem linken Lager nahe. Das faschistische Schreckgespenst herauszuholen, finde ich persönlich nicht gerade opportun, wenn man selbst auf der anderen Seite steht.

Seine Schilderungen der katholischen Kirche und der Mafia sind mir einfach zu einseitig, alles miteinander verbunden und nur das da den neuen Duce an die Macht zu bringen. Das der Autor es dennoch schafft, ein Stückchen der eigentlichen Seele des Landes zu schildern rechne ich ihm hoch an, ansonsten ist es mir einfach zu politisch und so erlebe ich „mein" Italien nicht.

Sein Kapitel über Fußball ist sehr erheiternd und zeigt das was man wissen sollte, über die Art und Weise der Italiener, auch über dessen Schattenseiten. Ebenso das Beamtenthema und die Zeit, welche verschwendet wird, dies ist allemal lesenswert. Der Autor hat einen besonderen Blick auf Italien geworfen, sagen wir, aus einem besonderen Blickwinkel. Es gibt bestimmt „schattige Plätze" in Italien beziehungsweise in der italienischen Geschichte, doch mit Verlaub, wo bleibt dann noch mein „Bella Italia" wenn ich nur noch solche Sache lese, höre und glaube.
Siehe auch:

Italien > Italien - das dunkle Herz des Südens
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