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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 9. Juli 2020 

Wenn die Lichter ausgehen Geschichten aus dem Dritten Reich


von Erika Mann

Kategorie: Romane & Erzählungen
ISBN: 3498044966

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Prophetisch!
Wenn man die anfangs doch so harmlos anmutenden Szenen aus einer süddeutschen Kleinstadt während des Dritten Reichs liest, kann man fast nicht glauben, dass damals die allermeisten Menschen "nichts gewusst" haben...
Sicher hatte Erika Mann mit dem Blick aus dem Exil eine anders geschulte Wahrnehmung, dennoch sind die scheinbar zusammenhanglos aneinander gefügten Szenen von solcher Eindringlichkeit, dass das Grauen der Nazizeit sich dem Leser noch einmal von einer ganz neuen Seite offenbart. Wie ein schleichendes Gift, unter Missachtung jeglicher Menschlichkeit dringt der nationalsozialistische Terror in die privatesten Bereiche. Und all das beschreibt Erika Mann lakonisch, in einem fast schon Plauderton, dass der Leser wirklich betroffen ist.
Ein wichtiges Stück zeitgeschichtlicher Literatur!

So gehen die Lichter wieder an
Es ist Zeit, von zeitgenössischen Mutmaßungen über die Nazizeit abzurücken und wieder zu den Texten zurückzukehren, die damals entstanden. Nur wenn man ein Buch wie Erika Manns Bericht über die Verhältnisse Ende der dreißiger Jahre in Deutschland liest, versteht man die Zwänge und die Qual, unter der große Teile der damaligen Bevölkerung litten. Das Buch bewahrt den heutigen Leser davor, vorschnelle Urteile über das Verhalten von Großeltern, die damals die Zeit durchlebten, abzugeben, und ist deshalb ein wichtiger Text zur Aufarbeitung unserer nationalen Vergangenheit.

Es sind die authentischen Geschichten von Menschen, mit denen Erika Mann damals gesprochen hat, Menschen von der Straße, die mehr oder minder stark in die Zwickmühle eines faschistischen Staates gerieten. Da ist der Universitätsprofessor, der nur unter sprachlicher Akrobatik in seiner Vorlesung mitteilen kann, dass das Rechtsverständnis der Nazis nichts mehr mit Jurisprudenz zu tun hat. Da ist der verdiente Chirurg, der die Gefährdung der Medizin durch Naturheiler und parteiverliebte Krankenschwestern erfährt. Da ist der Unternehmer, der die Beziehung mit seiner geliebten Sekretärin beendet, als sie ihm gesteht, dass sie Halbjüdin ist. Da ist der Bauer, der nichts mehr zu essen hat, der Kleinunternehmer, dem sein Geschäft geschlossen wird, der Priester, der gegen die Verrohung der Zeit predigt und dafür ins Gefängnis gesteckt wird, und der Gestapochef, der die Pogromnacht in seiner Stadt verhindert, dafür flüchten muß und von den Schweizern wieder den Nazis ausgeliefert wird. All diese Schicksale sind in eine Rahmenhandlung gepackt, die gegen Ende auf einen Spannungshöhepunkt hinstrebt, in dem Erika Mann als Erzählerin ihrem berühmten Vater an Sprachkraft ebenbürtig wird.
Siehe auch:

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