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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 9. Juli 2020 

Feuer in Berlin


von Philip Kerr

Kategorie: Romane & Erzählungen
ISBN: 3499228270

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Ein Fall läuft aus dem Ruder
Kerrs erster von drei Romanen mit seinem Berliner Ermittler Bernhard Gunther ist ein gut lesbarer und auch spannender Kriminalroman. Die Schilderung der Verhältnisse, das organisierte Sich-Vor-Der-Weltöffentlichkeit-Verstecken des Nazi-Regimes im Vorfeld der Olympischen Spiele und die beständige Drohkulisse, die Gunthers Ermittlungen begleiten, sind glaubwürdig geschildert. Trotzdem blieb bei mir ein fader Beigeschmack. Warum?

Einmal klappert Kerr für meinen Geschmack zu viele historische Orte, Ereignisse und Personen ab und läßt ihnen seinen Ermittler Gunther mit einer unangemessenen Kaltschnäuzigkeit begegnen.

Der Klappentext zitiert eine Kritik, die Gunther mit Chandlers Philip Marlowe vergleicht - ich würde eher den Vergleich zu Hammets Sam Spade ziehen, der mir in seinen Handlungen und Motiven ähnlich rätselhaft ist wie Bernhard Gunther in diesem Buch (ähnlich rätselhaft wie die Metaphern und Vergleiche, die beide Autoren/Detektive bezeiten bemühen). Diese Frage der Glaubwürdigkeit der Hauptfigur ist der zweite Grund für mein flaues Gefühl.

Der dritte liegt für meine Begriffe in einer Entgleisung der Handlung - es geschieht zuviel, einiges ergibt keinen Sinn, anderes ist (dem Leser) zu früh offenbar und am Ende liegen nicht der eine (beabsichtigte) Handlungsfaden unverknüpft da, sondern gleich mehrere. Das Buch ist aus, obwohl mich das Gefühl beschleicht, daß das noch nicht alles gewesen sein kann. Vielleicht ist die Erzählung einfach schlecht „organisiert", vielleicht ich einfach zu dämlich, den Fall in seiner Gänze zu kapieren.

Jedenfalls hält Kerrs Feuer in Berlin nicht, was es mir eingangs versprochen hat - in der Aneinanderreihung von Spannungsspitzen fehlt einfach ein abschließender Höhepunkt, der mich mit diesem ersten Gunther-Roman versöhnen würde. Ich werde es wohl mal mit dem zweiten versuchen müssen.

Der Beginn einer Trilogie
Das Buch stellt den Beginn der Gunther-Trilogie im Berlin der 30er und 40er Jahre dar.

Bernhard Gunther ist Privatdetektiv mit "eigenen Mehtoden", er hat die Polizei verlassen, als die Nazis kamen. Er bekommt einen Fall, der letztlich eine größere Tragweite hat, als vorher angenommen. Ein spannendes Buch, das man gar nicht erst aus den Händen legen möchte!

Ein absolutes Muss für Liebhaber kultiger Detektivromane
Die Geschichte, in derem Verlauf der Berliner Detektiv und ehemalige Polizeikommissar Bernhard Gunther einen Doppelmord in den Kreisen der besseren Gesellschaft im 3. Reich aufklärt, ist spannend erzählt und geistreich konstruiert. Was diesen Roman heraushebt ist der für einen Detektivroman ungewöhnliche historische Hintergrund und die Art, wie die Atmosphäre der damaligen Zeit aus der Perspektive Gunthers beschrieben wird. Nur das Ende mit einem unfreiwilligen KZ-Aufenthalt ist übertrieben und fehl am Platz. Auf alle Fälle habe ich mir bereits die beiden anderen Bernhard Gunther-Romane bestellt.
Siehe auch:

Romane & Erzählungen > Feuer in Berlin
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