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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 9. Juli 2020 

Die Weltgesellschaft


von Rudolf Stichweh

Kategorie: Zeitgeschichte -- Allgemeines
ISBN: 3518291009

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Soziologisches Feuilleton hat Konjunktur, dies gilt besonders für jene Phänomene, die allerorten unter dem Stichwort der Globalisierung verhandelt werden. Der vielfach fahrlässigen Unterstellung der Auflösung aller regionalen und lokalen Identitäten und der Entwicklung einer einheitlichen Weltgesellschaft endlich theoretische Tiefenschärfe zu vermitteln, dies ist nicht das geringste Verdienst eines Bandes, welcher Aufsätze des Bielefelder Soziologen Rudolf Stichweh aus den Jahren 1992 bis 1999 versammelt.

Berücksichtigt man, dass die weltweiten Außenhandelsströme um 1900 keinesfalls geringer waren als um 1980, will die Frage erst noch geklärt werden, worin das historisch Neuartige der Globalisierung besteht. Die Theorie der Weltgesellschaft schreiben, heißt folglich ihre Geschichte schreiben. Zu diesem Motto bekennen sich auch Stichwehs Aufsätze ausdrücklich. Allein, historische Exkurse bilden leider die seltene Ausnahme des Bandes.

Stichweh wird der selbst gestellten Aufgabe untreu: Statt jene historisch orientierte Soziologie zu schreiben, die in Konsequenz seiner programmatischen Erklärungen läge, überfordert er den Leser zunehmend mit einer geballten Ladung Theorieexegese aus dem inneren Zirkel der Systemtheorie. Der Eindruck, den man so im Laufe der Lektüre gewinnt, ist der eines hermetisch verschlossenen Gebäudes, welches den an der Türschwelle verharrenden, zögerlichen, sich seine Meinung erst noch bildenden Betrachter von vornherein ausschließt.

Freilich, eine Theorie der Weltgesellschaft, die in letzter Instanz nicht mehr ist als ein Plädoyer für eben jene soziologische Strömung, in deren Geiste sie verfasst ist, ist empirisch ebenso ungesättigt wie ein soziologisches Feuilleton theoretisch blutarm ist. Wo ist die soziologische Theorie der Weltgesellschaft, die ihre theoretische Kraft nicht mit einem Verlust an historischer Anschauung zu bezahlen gezwungen ist? --Peter Vogt

Notwendig
Nach dem Tode von Niklas Luhmann erklärten viele Soziologen, die Zeit der Großmeister sei (nun) vorbei. Wie sehr voreilig diese Einschätzung ist, zeigt sich zum Beispiel an den Schriften von Rudolf Stichweh, der souverän eine komplexe Theorie nutzt, um empirisch gehaltvoll zu arbeiten. Und dies am Beispiel des Wissenschaftssystems. Gleichzeitig gibt Stichweh Beispiele für Klarstellungen dessen, was viele "middle-range"-Soziologen an Problemen mit der Systemtheorie reklamieren.
Stichweh versteht es, diese Klarstellungen wirklich klar innerhalb der Systemtheorie-Sprache zu realisieren.
Diese Arbeiten von Stichweh verdienen eigentlich 6 Punkte
Siehe auch:

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