Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 3. August 2020 

Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe


von Jan Weiler

Kategorie: Italien
ISBN: 3548364861

Kommentar abgeben
Etwas zu penetrant amüsant, leicht und klischeehaft?
Da ich zwischendurch mal etwas Unterhaltsames, Lustiges lesen wollte, mich außerdem für Italien interessiere und auch Land und Leute kenne, war ich gespannt auf dieses Buch. Zudem machen es all die positiven Rezensionen und die allgemeine Werbung fast unmöglich, das Buch nicht zu beachten. Es mutet sehr kurzweilig, aber interessant an, die Gestaltung, die Auszüge hinten und vorne machen neugierig auf mehr. Es hat den Eindruck, man könne noch einiges über Italien und Italiener erfahren oder sehen, was man sonst nicht gesehen hätte, ist es doch scheinbar oder tatsächlich von einem „eingeheirateten Teil" einer italienischen Familie geschrieben.

Die Geschichte ist an sich nichts Neues: Deutscher lernt Halbitalienerin kennen, muss ängstlich bei deren Eltern mit Blumen vor der Tür stehen, um dort um die Hand der Tochter anzuhalten. Überraschenderweise wird er aber sehr schnell akzeptiert und in den Kreis der Familie aufgenommen, die natürlich unermesslich groß ist und in Italien lebt, wo man von nun an Urlaub macht und auch sonst öfter hin muss und allerlei hört und erlebt. Der Schwiegervater Antonio, die eigentliche Hauptperson, ist ein typischer Italiener, wie alle anderen auch, laut und charmant und oberflächlich. Der Ich-Erzähler hält sich, wie ich finde, übertrieben im Hintergrund, sagt meistens zu allem „Ja", da er ja doch nichts versteht und als Deutscher den Italiener wiederum seltsam erschein, und benimmt sich so seltsamerweise eher wie ein kleines Kind als ein erwachsener Mann.

Meine Erwartungen, irgendetwas Überraschendes oder Interessantes zu lesen, wo man denkt „ach ja, wirklich, gut beobachtet, noch gar nicht so gesehen" oder so ähnlich, wurden leider nicht erfüllt. Denn eigentlich ist das gesamte Buch sehr vorhersehbar. Jedes kleine bisschen, das Italiener tun, wird amüsant dargestellt, für den Deutschen fremd und komisch, aber doch irgendwie sympathisch. Nach einem Drittel des Buches habe ich mich vor lauter amüsierter, leichter und lockerer Betrachtung der Italienischen Lebensart gelangweilt und keine Steigerung mehr erwartet. Der einzige ernste Abschnitt handelt davon, wie Antonio einst als Gastarbeiter Antonio nach Deutschland kam, es nicht leicht hatte und sich meist fremd fühlte. Ein paar mehr solcher Ansätze hätten dem Buch nicht geschadet.

Schreibstil und Inhalt machen es zwar möglich, das Buch innerhalb weniger Stunden zu lesen, sich zu entspannen und das eine oder andere amüsant zu finden, vor allem manche Sätze oder Worte Antonios, die dann wirklich einfallsreich sind. Laut losgelacht habe ich persönlich allerdings nicht, weil ich eben das meiste zu vorhersehbar und klischeehaft fand. Wer allerdings weniger erwartet und leichte Unterhaltung mag, kann sich sicher amüsieren.

Von Jan Weiler hatte ich vorher nichts gehört und kenne auch seine Texte in der „Süddeutschen Zeitung" nicht. Kann mir aber sehr gut vorstellen, dass mir Ausschnitte dieses Buches als Kolumnen oder Kurzgeschichten gut gefallen hätten. Nur ein ganzes Buch davon macht es eben etwas penetrant und die Erwartungen zu groß.

Das beste Buch, das ich in den letzten 2 Jahren gelesen habe
Ich liebe Italien und alles, was damit verbunden ist, und als ich dann dieses Buch entdeckt habe, musste ich es natürlich sofort kaufen! Allein schon der Einband ist sehr bunt und froh gestaltete, wie man es eben von einem italienischen Buch erwarten würde. In dem Buch geht es um einen deutschen Mann, der in eine italienische Familie einheiratet. Seine neue Schwiegermutter ist zwar auch eine Deutsche, doch sie hat sich schon voll und ganz dem italienischen Lebesstil ihres Mannes angepasst. Schwiegervater und Schwiegersohn haben anfangs noch ein paar Schwierigkeiten zueinander zu finden, werden je doch nach und nach die besten Freunde. Der Schwiegervater Antonio ist ein Italiener, wie man sich ihn vorstellt, getreu dem Motto: "Komme ich nicht heute, komm ich morgen". Das Buch ist wirklich sehr witzig geschrieben, und man bekommt Lust, diese Familie leibhaftig kennenzulernen. Auch die Ausmaße der Verwandtschaft, die sich nicht wie bei einer normalen deutschen Familie auf ein paar Tanten und Onkel beschränkt sondern gleich ein halbes Dorf umfasst, schrecken einen nicht ab, sondern machen einen noch neugieriger auf diese Familie. Als das Buch zu Ende war, war ich total traurig, denn ich hatte das Gefühl, ein paar Freunde für eine lange Zeit nicht mehr wiederzusehen. Ich kann dieses Buch nur empfehlen, auch wenn man nur Fan des Italieners nebenan ist, es ist wirklich gut zu lesen und heitert einen nach einem stressreichen Arbeitstag auf.

Ich liebe dieses Buch, weil...
.... es gleichzeitig witzig und weise ist.
Es geht um einen jungen deutschen Mann, der sich morgens beim Bäcker in eine schöne Halb-Italienerin verliebt. Und als er einige Zeit später mit ihr vor den Traualtar tritt, heiratet er nicht nur sie, sondern auch ihre beträchtliche italienische Sippe aus Campobasso. Und die will ihn natürlich sofort kennenlernen! Vor allem sein Schwiegervater Antonio Marcipane, von dem er beim ersten Treffen befürchtet, er könne ihm einzelne Finger abschneiden und zwecks Lösegelderpressung an seine Eltern schicken, stellt sich als sehr redselig heraus. Die beiden fahren zusammen nach Campobasso, wo Antonio seine Lebensgeschichte erzählt - die eines italienischen Gastarbeiters, der in den 60er Jahren mit großen Träumen nach Deutschland kommt und bleibt.
Stellenweise ist das Buch so witzig, dass mich mein Sitznachbar im Zug doch etwas irritiert musterte, als ich in leises Gegacker ausbrach ob der einen oder anderen Beschreibung. Andererseits kann man sich Antonios Lebensweisheiten zum Leben an sich und in der Fremde kaum verschließen und überdenkt doch so die eine oder andere eigene Position. Ein Buch, das ich wirklich gerne gelesen habe, und ich bin gespannt, was wir noch so erwarten dürfen von Jan Weiler! In mein Herz (und die meiner Buchhändler-Kolleginnen, die ihn mir empfohlen haben) hat er sich jedenfalls mit diesem Buch schon geschrieben!
Axel Hacke sagte dazu, wer das Buch gelesen habe, wünsche sich mit Sicherheit danach eine genauso große italienische Sippe. Stimmt!
Siehe auch:

Italien > Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3548364861/">Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe </a>