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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 9. Juli 2020 

Staaten bauen


von Francis Fukuyama

Kategorie: Zeitgeschichte -- Allgemeines
ISBN: 3549072333

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Von einer Wiederauferstehung ist zu berichten: Nachdem es jahrelang geradezu als chic schien, immer neue Rückzugsforderungen an den Staat zu richten und dies damit zu begründen, dass dem allgemeinen Wohl nicht nur aus Kostengründen besser gedient sei, wenn man vormals staatliche Aufgaben privatisiere, erlebt der Staat neuerdings eine Renaissance. Hintergrund sind unter anderem die Erfahrungen, die man in Osteuropa mit der Privatisierung der dortigen Staatswirtschaft hat sammeln können, die sich ohne hinreichende rechtsstaatliche Flankierung und ohne zuverlässig funktionierende Verwaltung vollzog. Zudem, so argumentiert Fukuyama in seiner lesenswerten Schrift mit einigem Recht, stellen schwache Staaten als Krisenherde und potenzielle Brutstätten des Terrorismus eine unübersehbare Gefahr für die internationale Ordnung und Sicherheit dar.

Der Autor plädiert mit bedenkenswerten Argumenten für einen schlanken, von drei starken Säulen getragenen, starken Staat, der seinen Bürgern ein potentes Bildungssystem, Rechtssicherheit sowie eine funktionstüchtige und korruptionsresistente Verwaltung bietet. Auch und gerade für die globale Politik kann für Fukuyama die Hauptaufgabe "nicht darin bestehen, Staatlichkeit zurückzustutzen, sondern sie aufzubauen", weil für einzelne Gesellschaften wie für die globale Gemeinschaft der Verfall des Staates "nicht nach Utopia, sondern in die Katastrophe" führe. Allein Staaten könnten die nötige Macht "auf legitime Weise anhäufen und sie gezielt ausüben".

Und in der Tat: "Wer mit einer 'Abenddämmerung der Souveränität' argumentiert (…), muss erklären, was in der heutigen Welt an die Stelle der Macht souveräner Nationalstaaten treten soll." Zwar hätten, gibt Fukuyama zu bedenken, nichtstaatliche Akteure hier und da möglicherweise "ein gewisses Maß an Macht oder ein gewisses Maß an Legitimität (…), aber selten beides zusammen. Ohne eine klare Antwort haben wir keine Wahl, als auf den souveränen Nationalstaat zurückzugreifen und wieder zu lernen, wie man ihn stark und effizient macht." Dem wird man bis auf weiteres mit guten Gründen nur schwer widersprechen sprechen können. Das letzte Wort über die beste aller Welten ist damit freilich noch längst nicht gesprochen. -- Hasso Greb


Siehe auch:

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