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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 19. August 2019 

Was ist koscher? Jüdischer Glaube - jüdisches Leben


von Paul Spiegel

Kategorie: Allgemein
ISBN: 3550075758

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Im alltagssprachlichen Verständnis ist etwas "nicht ganz koscher", wenn scheinbar irgendwie damit nicht alles ganz in Ordnung ist. In der ursprünglich jüdischen Bedeutung des Begriffs allerdings ist das, weshalb etwas unkoscher ist, alles andere als unbestimmt. Und deshalb kann man sich, recht eigentlich besehen, über die Frage nach dem Koscheren das ganze Judentum erschließen. Diesen Schluss jedenfalls darf man aus der Lektüre von Paul Spiegels Grundkurs in jüdischer Religionslehre mit dem Titel Was ist koscher? ziehen. Die jüdischen Mitzwot nämlich, die Ge- und Verbote, sollen Richtlinie und Wegweiser sein, "jeden Moment des Lebens, vom Erwachen bis zur Nachtruhe, zu heiligen, dem Leben also einen höheren Sinn zu geben". Und das gilt, gerade weil das Judentum keinerlei Form der Askese kennt, auch für den rechten Genuss der Speisen, wo der Begriff des Koscheren seine eigentliche Heimat hat.

Anstoß für dieses Buch waren dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland all die Fragen, mit denen ihn vor allem Nichtjuden, aber auch Juden im Laufe der Jahre so konfrontiert haben. Spiegel hat kein religionswissenschaftliches Kompendium geschrieben. Er hat vielmehr ein möglichst breites Publikum im Auge, dem er die Verhaltensvorschriften der Thora ebenso verständlich wie kurzweilig erklären will. Und das ist ihm gelungen!

Und so erfährt man alles Wichtige über die Unterschiede zwischen orthodoxem und liberalem Judentum, über den Sinn und Zweck der Beschneidung, die Bedeutung der Synagoge für das jüdische Gemeindeleben und weshalb Juden glauben, sie seien das von Gott "auserwählte Volk". Aber auch, was Juden an Silvester machen, warum sie am Schabbat nicht arbeiten und was es mit der typisch jüdischen Barttracht auf sich hat, erläutert Spiegel in seinem mit leichter Feder geschriebenen, durchweg jedoch sehr informativen und lesenswerten Buch. --Hasso Greb

Man wird um einige Erkenntnisse reicher! Ein wichtiges Buch!
Dieses Buch informiert breitgefächert über das Judentum unterschiedlicher Prägung und räumt mit alten Vorurteilen auf, die immer wieder zu verheerenden Folgen geführt haben.
Man erfährt, weshalb sich die Juden als Volk begreifen , obgleich die Mitglieder dieses Volkes ethnisch und genetisch durchaus nicht miteinander verwandt sein müssen. Es handelt sich , so der Autor " um eine Gruppe, die sich durch gemeinsamen Glauben , eine gemeinsame Sprache ( zumindest die des Gebetes), eine gemeinsame Geschichte definiert" und vor einigen Jahrtausenden mit Gott einen speziellen Bund geschlossen hat. Wie dieser Bund aussieht und welche Folgen daraus resultieren, erklärt Paul Spiegel ausführlich. So hat ein Jude, um ein gottgefälliges Leben zu führen, sechshundertdreizehn Ge- und Verbote einzuhalten und sich zu bemühen " Zedek" , sprich Gerechtigkeit zu üben . Oberstes Handlungsziel des jüdischen Glaubens ist demzufolge ein " Gerechter " zu werden und hierdurch glaubhaft seine Mitmenschlichkeit zu dokumentieren.
Spiegel macht den Leser mit den heiligen Schriften des Judentums vertraut: der Thora, dem Talmud und der Halacha, um sich in der Folge der jüdischen Geschichte anzunehmen. Man erfährt Essentielles aus dem alten Testament, an die Vertreibung der Juden aus ihrem Land durch die Römer wird erinnert und der zahllosen Pogrome gedacht, die in erster Linie seitens der Spanier und durch die Deutschen im Mittelalter betrieben wurden. Aber auch die nach Osten, das heisst nach Polen und in die baltischen Staaten eingewanderten Juden mussten nach Phasen friedlichen Zusammenlebens immer wieder mit Verfolgung rechnen, bis schließlich, nach Jahrzehnten nationalstaatlicher Politik, durch die Nazis, die Ausrottung dieses leidgeprüften Volkes mit perfidesten Mitteln angestrebt wurde. Gerechtfertigt wurde das mörderische Treiben stets mit bösartigen Unterstellungen jedwelcher Art, die in der Regel motiviert waren durch Neid und Habsucht!
Warum man diese Menschen immer wieder attackierte, lässt sich , trotz der Erhellung der Tätermotive, letztlich schwer begreifen, wenn man von den Festen und Ritualen liest, von der familiären Verbundenheit erfährt und von dem Wunsch durch koschere (reine) Nahrung sich immer wieder ein Stück weit in Selbstbeherrschung zu üben. Wie verblendet müssen vermeintliche Christen und Muslime während der vergangenen Jahrhunderte gewesen sein und wie blind sind sie heute noch, um das positive Wirkungsvermögen der Wertvorstellungen der jüdischen Ethik, mit dem Metagebot der Gerechtigkeit, nicht erkennen zu können?
Paul Spiegel hat, trotz aller negativen Erfahrungen in der Vergangenheit, Vertrauen in die Zukunft und immer wieder die Versöhnung im Auge. Versöhnung als Grundvorraussetzung für ein friedliches Zusammenleben ist im Grunde ein Gebot der Vernunft, das alle Menschen in diesem Jahrtausend, ob nun gläubig oder nicht, allein schon aus Gründen der Selbsterhaltung, vorbehaltlos, anerkennen sollten!
Ein empfehlenswertes Buch, mit einer beachtlichen Fülle hochinteressanter Informationen zum jüdischen Glauben und Leben, die an dieser Stelle leider nicht detailliert ausgebreitet werden können.
Deshalb lesen Sie Paul Spiegel, er wird Sie um einige Erkenntnisse reicher machen!

Rarität: Ein wichtiges Sachbuch und Lesevergnügen zugleich!
Dieses Buch habe ich gekauft, weil es mir irgendwo auf den Amazon-Seiten ins Auge fiel; der Titel und auch der Untertitel "Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben" machten mich neugierig, zumal der Autor nicht zuletzt wegen seiner Funktion als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und aufgrund seiner Medienpräsenz ja kein Unbekannter ist. Und mit meinem Schulwissen über das Judentum war ich nicht zufrieden.
Paul Spiegels Buch umfasst nicht nur kompakte Basisinformationen rund um die jüdischen Glaubensregeln und die Praxis ihrer Ausübung, es geht auch um die Geschichte der Juden in ihrer paradoxen Situation als Volk ohne Land, als immerwährende Sündenböcke bei internen Schwierigkeiten ihrer jeweiligen Aufenthaltsländer, um die Bedeutung Israels für die jüdische Glaubensgemeinschaft, um die vielen jüdischen Feste und Feiertage und natürlich um vergangene und aktuelle Vorurteile gegenüber den Juden und Israel sowie um Antisemitismus in der heutigen Gesellschaft.
Die fünf Sterne vergebe ich nicht aus Gründen der "political correctness", von der ich wenig halte (Maulkörbe stehen keiner Demokratie gut an), sondern weil Paul Spiegel ein wirklich herausragendes und wichtiges Buch geschrieben hat. Er geht mit der schwierigen politischen Thematik sensibel und sachlich, aber nicht zurückhaltend um; das heißt auch, dass er an den richtigen Stellen nicht mit - immer fundiert sachlicher! - Kritik an der nichtjüdischen Gesellschaft spart. Ich glaube, dieses Buch kann über die reine Informationsvermittlung hinaus sehr viel Verständnis und Grundlagen zum Zusammenwachsen vermitteln. Zudem ist es mit dem typisch jüdischen Witz und reichlich Ironie ausgestattet und wird dadurch zu einem großartigen Lesevergnügen. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen gelesen, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit dazu hatte.
Etwas Kritik gestatte ich mir trotzdem. Zum einen ist mir eine falsche Angabe aufgefallen: "Jakob ... wird mit seinen beiden Frauen Rachel und Rebekka zwölf Söhne und eine Tochter haben." (S.78) Jakobs Frauen hießen Lea(h) und Rachel, Rebekka war Isaaks Frau, und mehrere der zwölf Söhne wurden von den Mägden der Ehefrauen geboren. Schade, denn wenn schon ich als Laie in einem Sachbuch Sachfehler finde, frage ich mich, welche Fehler ich aus Unkenntnis nicht bemerkt und mir angeeignet habe.
Auch werden einige ausführliche Erläuterungen zu bestimmten Themen in mehreren Kapiteln wiederholt (vermutlich wurden die Kapitel nicht der Reihe nach verfasst); hier hat der Lektor nicht aufgepasst.
Hinten im Buch hätte ich mir ein Stichwortverzeichnis gewünscht, das wahrscheinlich aus Kostengründen fehlt.
Aber diese Anmerkungen sollen den enormen Wert von "Was ist koscher?" nicht mindern. Es ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Herzlichen Dank, Herr Spiegel!!

Sehr informativ - lesenswert
Was ist koscher ist ein sehr gutes Buch für den Einstieg in das Verstehen des jüdischen Glaubens. Herr Spiegel schildert die wichtigsten Gebräuche der Juden in gut lesbarer Form. Wer hier noch die hebräische Bibel (Das Alte Testament) liest versteht wie stark das Judentum seine geistige Tradition und Geschichte lebt.

Auch die letzten Seiten über das aktuelle Denken der Juden in Deutschland sind sehr interessant. Hier wird ohne jeden Hass eine freie auch ablehnende Meinung zum Judentum akzeptiert. So zu denken ist besonders hoch einzuschätzen, wenn diese Äußerung von einem kommt der unter Antisemitismus leiden musste.

Hoffen wir, dass wir Christen unseren älteren Brüdern, den Juden, mehr Verständnis entgegen bringen.

Lust auf mehr? Jüdische Welt verstehen von Alfred J. Kolatch lässt einen noch tiefer einsteigen ist aber als Erstlektüre schwerer zu verstehen.
Siehe auch:

Allgemein > Was ist koscher? Jüdischer Glaube - jüdisches Leben
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