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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 14. Oktober 2019 

Leben und Tod in Schanghai.


von Nien Cheng

ISBN: 3550079923

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Der Terror der Kulturrevolution zur Beherrschung der Massen
Das Buch "Leben und Tod in Schanghai" der Chinesin Nien Cheng ist ein erschütternder Bericht über die Kulturrevolution in China. Als ob die vergangenen Kampagnen nicht schon genug Unheil über die Bevölkerung gebracht hätten, sollte die Kulturrevolution zu einem grausamen Höhepunkt werden. Der alternde Mao fürchtete um seine Alleinherrschaft und gab deshalb der Jugend Chinas den Freipass zur Zerstörung der jahrtausendealten chinesischen Kultur. Nien Cheng, hatte in London Ökonomie studiert und als Ehefrau eines chinesischen Diplomaten lange in Australien gelebt. Nach der kommunistischen Revolution wurde ihr Mann Generaldirektor der Shell-Niederlassung in Schanghai. Nach dem Tode ihres Mannes wurde sie Beraterin des Shell-Managements in Schanghai. 1966 zu Beginn der Kulturevolution wurde die Shell-Niederlassung vom chinesischen Staat übernommen. Nien Cheng lebte nun zurückgezogen mit ihrer Tochter. Eines Tages wurde sie zu einer politischen "Versammlung" in der ehemaligen Shell-Niederlassung abgeholt. Dort mussten ehemalige Kader "Selbstkritik" ablegen und sich "Verbrechen" bezichtigen, die sie angeblich begangen hätten. Vor solchen Versammlungen waren sie wochenlangen ständigen Verhören, sogenannten "erschöpfenden Bombardements" ausgesetzt, die Partei wollte sicher gehen, dass sie sich "freiwillig" unterwarfen. Nachdem Nien Cheng gegenüber diesen ersten Einschüchterungsversuchen standhaft blieb, wurde ihr Haus mehrmals von der Roten Garde heimgesucht. Diese schlugen alles kurz und klein, dessen sie habhaft werden konnten. Unter dem Motto "Das Ziel der Grossen Proletarischen Kulturrevolution ist die Zerstörung der alten Kultur" machten sie auch vor den jahrhundertealten einmaligen Porzellanschätzen nicht Halt. Auf dem Rasen vor dem Haus verbrannten die Rotgardisten sämtliche Bücher ausser den Bänden von Mao. Die Rotgardisten griffen auch wahllos Leute auf offener Strasse an. Nien Cheng konnte eine Gruppe Rotgardisten beobachten, die einen alten Mann an einem Strick mit sich führten. Sie schrien und schlugen mit einem Stock auf ihn, bis der alte Mann zusammenbrach. Ihre alte Freundin Li Tschen nahm sich das Leben, nachdem man sie auf einer Kampfveranstaltung im Konservatorium massiv gedemütig hatte, weil sie, als Klavierlehrerin für klassische Musik, "dekadente" westliche Musik unterrichtete hatte. Nachdem ihr ganzes Inventar abtransportiert worden war und sie nur noch ein Zimmer ihres Hauses bewohnen durfte, wurde Nien Cheng unter Hausarrest gestellt. Es sollte jedoch noch schlimmer werden. Eines Tage im Jahr 1966 wurde Nien Cheng verhaftet und die Haftanstalt Nr. 1 überführt. Dort hielt man sie während sechs Jahren in einer schmutzig-feuchten Zelle, die auch während den eisigkalten Winter nicht beheizt wurde, in Einzelhaft. Mit fast unmenschlichen Anstrengungen versuchte Nien Cheng gegen den körperlichen und geistigen Zerfall anzukämpfen, währendem zugleich ständig die Sorge um ihre Tochter an ihr nagte. Lange Zeit liess man sie in ihrer Zellen "schmoren". Dann aber wurde die Taktik geändert und man versuchte sie mit pausenlosen Verhören, psychischer und körperlicher Folter zum einem "Geständnis" zu zwingen. Mehrmals wurde sie krank und war dem Tode nahe. Während die meisten Menschen in China dem grausamen Druck nachgaben, um überleben zu können, blieb Nien Cheng während der langen Haftzeit in heroischer Weise standhaft. Er später erfuhr sie, dass man die Viererbande und Mao ihr Geständnis benutzen wollten, um Tschou En-lai zu stürzen, der im Volk ein hohes Ansehen hatte. Nachdem sich das politische Kräfteverhältnis mit der Annäherung an die USA zugunsten von Tschou En-Lai änderte, wurde Nien Cheng im Jahre1973 unerwartet entlassen. Nach ihrer Entlassung musste sie erfahren, dass ihre Tochter Tod war. Mit unerschütterlicher Hartnäckigkeit begann Nien Cheng nun den Kampf um ihre Rehabilitierung und die Aufklärung der Todesursache ihrer Tochter. Dabei erfuhr sie, dass während der Kulturrevolution alleine in Schanghai zehntausend Menschen eines unnatürlichen Todes starben. Die Zahl der Menschen, die ins Gefängnis kamen, war noch weit grösser. Nach langen gefährlichen Nachforschungen fand sie heraus, dass ihre Tochter bei einer vorgetäuschten Entführung ermordet wurde, weil sie sich standhaft geweigert hatte, gegen ihre Mutter auszusagen. Erst nach Maos Tod und der Kampagne gegen die Viererbande, also elf Jahre nach ihrer Verhaftung wurde Nien Cheng offiziell rehabilitiert und zum Opfer unrechtmässiger Verfolgung erklärt. Dabei war ihr bewusst, dass dies nur geschah, weil sich die Politik der Partei geändert hatte. In Zeitungsberichten und Dokumenten, in denen es um die Fälle aus der Zeit der Kulturrevolution ging, war an keiner Stelle von "Gerechtigkeit" die Rede. Wenn man die Viererbande beschuldigte, gegen Partei, Regierung und Volk "Verbrechen" begangen zu haben, waren damit keine Gesetzesbrüche gemeint; man warf ihr lediglich vor, die Politik der Partei pervertiert zu haben, um den eigenen Ehrgeiz zu stillen. Im kommunistischen China gab es kein von der Parteipolitik unabhängiges Recht. Wie geht es China heute? Wie ist der Zustand eines Volkes, dass während Generationen einem unbeschreiblichen Psychoterror ausgesetzt war? Gibt es für China je eine demokratische Zukunft? Die chaotischen Zustände im heutigen Russland, wo praktisch die Mafia und der KGB die Macht übernommen hat, sprechen eine deutliche Sprache. Während bei uns erstmals objektive Berichte über die kommunistische Schreckensherrschaft und ihre Methoden erhältlich sind, haben im Westen die gefährlichen chinesischen Psychotechniken unter der harmlosen Bezeichnung "Organisationsentwicklung (OE) und "Schulentwicklung" in Unternehmen, Schulen und im Gesundheitswesen Eingang gefunden. Amerikanische OE-Strategen hatten diese Methoden im Koreakrieg studiert und sie anschliessend für ihre ideologischen Zwecke nutzbar gemacht

Interessante Schilderung der Situation in China
Das Buch ist streckenweise sehr langatmig, man kann allerdings eine Menge über China lernen. Nicht schlüssig sind die sehr ausführlichen Gedanken/Erinnerungen der Autorin, obwohl Sie keinerlei Möglichkeiten während Ihrer Haft hatte sich Notizen zu machen. Teilweise ist es sehr erschreckend, zu welchen Greueltaten Menschen fähig sind, bzw. wie anpassungsfähig Menschen sein können.

Trotz der zuvor beschriebenen Schwachstelle lesenswert. Nicht abschrecken lassen von der anfänglichen langatmigkeit.
> Leben und Tod in Schanghai.

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