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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 5. Juli 2020 

Über Zäune und Mauern


von Naomi Klein

ISBN: 3593372169

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Naomi Klein ist eine weltweit bekannte Globalisierungsgegnerin. Sie gehört zu jenen Aktivisten, die immer zur Stelle sind, wenn es um die Entrechteten und Armen auf dieser Welt geht. Ob in Seattle, Genua oder Porto Allegre. Und wenn es darum geht, auf irgendeinem Podium über die soziale Ungerechtigkeit und gegen den entfesselten Kapitalismus zu schimpfen. Ihr Ziel ist die Verhinderung jener Globalisierung, "die auf der Entmachtung lokaler Gemeinschaften und auf einem Krieg gegen die Umwelt basiert".

Wie eine Kriegsberichterstatterin schickte sie ihre Reportagen an The Globe and Mail, ihre Heimatzeitung in Toronto. Diese Berichte und Kommentare, die in Kanada unter dem Titel Fences and Windows erschienen sind, liegen jetzt erstmalig in deutscher Sprache vor. Hinzu gekommen sind einige Reden und ein paar Artikel aus anderen Zeitungen. Die Best-of-Collection einer Antiglobalisierungsaktivistin.

Alles ist politisch korrekt geschrieben: die Anprangerung sozialer und wirtschaftlicher Not, der Hinweis auf ökologische Katastrophen. Der Krieg gegen Gewerkschaften in Mexiko oder das drohende Desaster um genmanipulierte Pflanzen. Die Wut über diese Auswüchse ist ohne jeden Zweifel berechtigt, überfällt sie einen doch selbst beim Anblick einschlägiger Informationen und Bilder. Kleins Verdienst: Sie artikuliert diese Wut in Artikeln und Büchern -- mit großer Sympathie für die Opfer. Weshalb man ihr bisweilen einige Unschärfen in der Argumentation nachsieht.

Dabei werden zwischen den Zeilen einige Versatzstücke eines Gegenentwurfs sichtbar. Die große Bewegung der Antiglobalisierer hat nämlich weder Zentrum noch Hierarchie. "Dank des Internets ist Mobilisierung fast ohne Bürokratie und fast ohne hierarchische Strukturen möglich", schreibt sie. Ein Netzwerk aus vielen tausend Knoten, wo jeder ein Höchstmaß an Autonomie besitzt und selbst organisiert aktiv werden kann. --Peter Felixberger

Gutes Buch - Unterirdische Übersetzung
Naomi Klein hat - auch wenn dies keine Fortsetzung von No Logo! werden sollte - den richtigen nächsten Schritt gemacht und sich hauptsächlich um die Abgrenzung der vielen schwammigen Termini gekümmert, die die "Anti-Globalisierungsbewegung" umkreisen. Hier beginnt allerdings das große Problem dieser Ausgabe: die im Campus Verlag erschienene Übersetzung ist derart schlampig und gedankenlos, dass sie das Buch nahezu unlesbar macht. Es geht gleich beim Titel los: Fences & Windows ist zum einen der Name einer im vergangenen Jahr von Naomi Klein gegründeten Stiftung und zum anderen das Grundmuster, an dem Klein die vielen Einzeldebatten und Beispiele in diesem Buch aufzäumt. Der Untertitel wird mit "Berichte von der Globalisierungsfront" übersetzt, was mit "Dispatches From The Front Lines Of The Globalization Debate" wirklich nicht viel zu tun hat. Vielmehr wirft es die Frage auf, was eigentlich eine "Globalisierungsfront" ist. Im Innenteil geht es munter so weiter, oft auch inhaltlich missverständliches Zweckdeutsch, das man sich nicht antun sollte. Es sei deshalb die Originalausgabe von Picador empfohlen, die ohnehin billiger ist.

gutes buch!
Ich habe dieses Buch nur in der englischen Orginalausgabe gelesen, somit bezieht sich meine Wertung eher auf diese als auf die deutsche Übersetzung.
Inhaltlich ist das Buch, genau wie von der Autorin angedeutet eine Sammlung von Fragmenten, tagebuchähnlichen Momentaufnahmen und einer kleinen Menge Theorie. Alles ist aus einem sehr emotionalen, zum Teil auch sicher naiven, Blickwinkel geschrieben. Aber das macht das Buch im Vergleich zu theoretischen Abhandlungen nur lesenswerter. Die Zeit und die Ereignisse in denen dieses Buch verfasst wurde, machen es nur für Menschen die nicht dabei waren möglich kühl zu reflektieren. Dies ist aber nicht die Aufgabe dieses Buches.

Na ja...
Zu dem vorliegen Buch gibt es eigentlich nicht viel konstruktives zu sagen. Nachdem sich die Autorin bereits in ihrem letzten Werk als eher blinde Gegnerin einer Dynamik zu erkennen gegeben hat, die sich nicht begreift, gibt es hier nicht viel neues zu lesen, außer den üblichen Verdächtigungen und Anschuldigungen gegen die "böse" Wirtschaft. Die wenigen sachdienlichen Passagen bestehen zum grossen Teil aus Klischees und Unterstellungen, deren wissenschaftlicher Wert gegen Null geht.
Obwohl das Buch ein Thema behandelt, das in erster Linie die Bereiche Politik und Wirtschaft behandelt, scheint die Sachkenntnis der Autorin auf diesen Gebieten kaum auszureichen um qualifizierte Aussagen zu treffen.
Fazit: Für militante Globalisierungsgegner, die sich nicht viel um Argumente und Fakten kümmern, bestimmt ganz nett. Ansonsten aber keinerlei wissenschaftlicher Wert.
Siehe auch:

> Über Zäune und Mauern
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