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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 18. August 2019 

Kosaken und Wehrmacht


von Werner H. Krause

ISBN: 3702010157

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Kosakentragödie an der Drau
Bücher über den Zweiten Weltkrieg haben derzeit Konjunktur. Vielleicht hat dies damit zu tun, daß heute die Enkelgeneration ihren Großvätern die Frage stellt, wie sie diese Zeit erlebt haben. Mich selbst reizte es, daß im Stocker Verlag erschie-nene Buch „Kosaken und Wehrmacht" zu lesen.
Ich muß eingestehen, daß ich zunächst von der Annahme ausgegangen war, die Kosaken wären als ein Teil der Roten Armee Gegner der Wehrmacht gewesen. Doch dann erfuhr ich aus dem so mitreißend geschriebenen Buch, welchen unfaß-baren Greueln sich die Kosaken des Don, Terek und Kuban nach dem Zusam-menbruch des zaristischen Regimes 1917 während des in Rußland tobenden Bür-gerkrieges ausgesetzt sahen.
Dem Autor des Buches, Werner H. Krause, ist es meines Erachtens nach gelun-gen, ein eindrucksvolles Bild von dem unbändigen Freiheitswillen der Kosaken zu zeichnen. Erst nun begann ich zu verstehen, warum sich zehntausende von Kosa-ken freiwillig der Wehrmacht angeschlossen haben, und das zu einem Augen-blick, als sich bereits die Niederlage Deutschlands abzuzeichnen begann. Mit be-sonderer Erschütterung las ich erstmals, von dem Kosaken-Ataman Kulakoff, dem im Bürgerkrieg eine Granate die Beine zerschmettert hatte. Über 14 Jahre wagte er es nicht, sein Versteck, einen Bretterschlag in der heimatlichen Staniza zu ver-lassen. Als sich 1943 die erste auf deutscher Seite kämpfende Kosakendivision im ostpreußischen Mielau formierte, gab es auch für Kulakoff kein Halten mehr.
Es sind solche episodenhaften Darstellungen, die dem Leser verständlich machen, was die Kosaken dazu bewogen hat, noch einmal den Kampf gegen Stalin aufzu-nehmen. Mir wurde beim Lesen des Buches immer mehr klar, welche Tragödie es für die Kosaken bedeutet haben muß, als sich bei ihnen die Erkenntnis Bahn brach, daß Hitler kein Deut besser als Stalin war.
Die Handlung des Buches ist von einer Dramatik des Geschehens getragen, wel-che den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile fesselt. Besonders erschütterte mich, wie in den Maitagen 1945 im österreichischen Lienz die Angehörigen des XV. Kosaken-Kavallerie-Korps, das unter Führung des deutschen Generalleut-nants Helmuth von Pannwitz stand, zwischen Hoffen und Bangen über ihr weite-res Schicksal schwankten. Alle Versprechungen der westlichen Alliierten, daß es zu keiner Auslieferung der mehr als 50 000 Kosaken an die Sowjetunion kommen würde, erwiesen sich als leere Worte.
Besonders erschreckend empfand ich die Szenen, welche uns der Autor von dem Freitod vieler Kosakenfrauen übermittelte, die voller Verzweiflung mit ihren Säuglingen in die reißende Drau sprangen.
Ich glaube, daß jeder von uns wissen sollte, was sich damals bei Lienz abgespielt hat. Wenn Zeitgeschichte so dargeboten wird, wie es in diesem Buch geschieht, dann dürfte dies gewiß auch das Interesse einer jungen Lesergeneration wecken.
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