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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 16. Juli 2020 

Wir klagen an


von Millenari

Kategorie: Italien
ISBN: 3746670306

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Die Sumpfblüten berichten über den Sumpf
So verschroben ihr Stil auch ist, so glaubwürdig ist dieses Buch, weil es von Männern aus der Chefetage der Glaubensfirma stammt. Der vorherrschende Eindruck, den die Lektüre vermittelt : Machtspiele, Intrigen und Vetternwirtschaft stehen denen in staatlichen Großkonzernen um nichts nach. Bereichert werden sie allerdings um pikante Gewohnheiten: Wenn man liest, mit welcher Selbstverständlichkeit Kurienkardinäle sich jungen Männern nähern, die dann im Gegenzug zu beschleunigter Priesterweihe oder kostenlosen Wohnungen gelangen, verliert man die letzten Illusionen, falls man noch welche hatte.

Fazit: Ein akkurates Sittengemälde, nach dessen Betrachtung man sich unwillkürlich fragt, wie überhaupt noch irgendjemand an die moralische Autorität des Vatikans glauben kann.

versuch einer anklage
"wir klagen an" so der reißerische titel des buches, in dem 20 prälaten über die "dunklen seiten des vatikan" berichten. dies geschieht lieder in einer sprache, die sich nur wenig von der sprache der verlautbarungen der kirche abhebt. in 22 kapiteln versuchen die prälaten aus dem nähkästchen zu plaudern. viel neues erfahrt man dabei nicht. dass es im vatikan ränkeschmiede gbt und machtkämpfe, nun ja wen wunderts. mit einer geradezu kindlichen unschuld beschreiben die frommen männer, jesus habe die kirche gegründet, und zwar hierarchisch, weil er auf seiner reise nach Ägypten sicherlich sher beeindruckt gewesen sei von der standfestigkeit und macht der pyramiden. fromm und dumm ist keine gute mischung. ansonsten erzählen sie müde alte anektoten die überweigend in der ersten hälfte des 20. jahrhunderts spielen. jedes grundschulkind kann lustigere geschichten und vize über den vatikan erzählen. man spürt beim lesen förmlich die vorgehaltene hand und das spitzbübische kichern der prälaten. naja immerhin versuchen die 20 kirchenmänner in dem buch einen befreiungsschlag aus dem sumpf des vatikans. leider gelingt es ihnen nicht mal ansatzweise. wie sollten sie sich auch aus dem sumpf, in dem sie selber mehr als knietief stecken, befreien.

Aus dem Vatikan nichts Neues
Wer von diesem Buch sensationell neue Enthüllungen über die Machenschaften im Inneren des Vatikan erwartet, wird enttäuscht sein. Die Mißstände im nur schwer durchschaubaren Machtgefüge der obersten Kirchenführung sind dem interessierten Leser aus der Vielzahl der zu dieser Thematik vorhandenen Publikationen hinreichend bekannt. Neu ist in der Tat, daß sich echte Insider aus dem oberen Management der Firma Gottes zu Wort melden. Dementsprechend vorsichtig und verhalten ist allerdings auch die Kritik. Die "Jahrtausendmänner" klagen nicht an, sie weisen allenfalls auf die allseits bekannten Mißstände hin. Seitenweise Andeutungen statt Fakten ! Seltsam mutet an,daß sich die Autoren hinter einem Pseudonym verstecken und ihre sicherlich berechtigte "Anklage" nicht offen austragen, offensichtlich aus Angst um ihre eigenen Pfründe. Das erklärte Anliegen einer erforderlichen Erneuerung der Kirche wird mit diesem Buch sicherlich nicht erreicht. Zu sehr verstecken sich die Autoren hinter Bibelzitaten ohne radikale Lösungen konkret zu fordern.Die Wellen, die das Buch bei seinem Erscheinen aufgeworfen hat, dürften sich zwischenzeitlich gänzlich geglättet haben. Von Reformen keine Spur !
Siehe auch:

Italien > Wir klagen an
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