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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 8. Juli 2020 

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878-1899


von Erzherzogin von Marie Valerie

Kategorie: Historische Tagebücher
ISBN: 3784427022

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Lesenswert!
Für alle Sisi - Interessierten ist dieses Tagebuch der Lieblingstochter Kaiserin Elisabeths ein wahres Muss!

Die Kaisertochter erzählt nicht nur von ihren eigenen kleinen und großen Nöten, sondern beschreibt auch ihr enges Verhältnis zur Mutter und deren fast erdrückende Liebe.

Aber auch Marie Valérie als Person ist äußerst sympatisch. Aufgewachsen im Kaiserhaus verabscheut sie die Wiener Hofburg, wie ihre Mutter, und sehnt sich nach intimen Familientagen in der Kaiservilla in Bad Ischl. Gerne würde sie dem Vater sagen, wie gern sie ihn hat, aber man merkt deutlich, dass im Kaiserhaus mit Gefühlen nicht so offen umgegangen wurde, wie heute in Familien. Dies stellt ein Problem für die junge Marie Valérie dar.

Schön ist auch zu lesen, wie sie den jungen Franz Salvator kennenlernt und nicht so recht weiß, ober es wirklich DER Richtige für sie ist. Zweifel und Angst mischen sich. Als sie sich nach langer Zeit für ihn entscheidet und überglücklich ist, wählt ihr Bruder Kronprinz Rudolf den Freitod.

Die ganze Tragik des Kronprinzen wird dazu aufgerollt. Die Abneigung Valéries und Kaiserin Elisabeths gegenüber Kronprinz Rudolfs Frau Stephanie stellt das gesamte Verhältnis zu Rudolf auf eine schwere Probe. Deutlich wird auch in dem Tagebuch, dass die sensible Kaiserin nach der Hochzeit ihrer Tochter und nach dem Tod ihres Sohnes vollends dem Leben entsagt hat. Der Leser realisiert einen deutlichen Stimmungsumschwung. Kaiserin Elisabeth wird zeitlebens nie aus ihrer Trauer flüchten können und die Anzahl der Reisen steigt dramatisch an.

Schade ist nur, dass Marie Valéries Tagebuch nur bis 1899 wiedergegeben wird und nicht bis zu ihrem Tod 1924, denn auch Valérie scheint mir eine sehr interessante Persönlichkeit zu sein.

Tagebuch als historische Quelle
Über die Veröffentlichung des Tagebuchs der Erzherzogin Marie Valerie war ich ziemlich enttäuscht. Wer die vielen Biographien von Kaiserin Elisabeth gelesen hat, wird kaum einen Tagebucheintrag finden, der noch nicht in einer Elisabeth-Biographie zitiert worden ist. Erschütternd fand ich die Beschreibung der Persönlichkeit des Kaisers Franz Joseph und verschiedener anderer Themen, mit welchen sich das junge Mädchen und die junge Frau Marie Valerie auseinandergesezt hat, die mir aus der heutigen Sicht als vollkommen irrelevant erscheinen. Wobei sich bei mir auch Zweifel ergeben haben an der Authentizität des Tagebuchs, da es sich hier ja nicht um die Veröffentlichung der Originaltexte der Marie Valerie, sondern nur um eine Abschrift und teilweise um die Zusammenfassung von Tagebucheintragungen aus zweiter Hand handelt. Wer kann sagen, ob da nicht wichtige, aussagekräftige Passagen einfach weggelassen worden sind.

Ein sehr lohneswertes Buch!!
Das Tagebuch der Lieblingstochter von Elisabeth ist eine sehr einfühlsame, aber auch informative Beschreibung eines jungen Mädchens, das im Laufe der Zeit zu einer Frau heranreift. Die Familie steht im Vordergrund ihres Lebens und es werden sowohl die guten Seiten, als auch die weniger Guten beschrieben. Es ist ein sehr aktuelles Buch, da es sowohl von ganz normalen Familienproblemen, als auch von anderen Nöten und Sorgen, die ein Teenager und eine Frau hat/hatte, handelt. Ein paar Zusammenhänge sind nicht klar, da entsprechende Passagen nicht im Buch enthalten sind (vielleicht sind sie auch schon im Original nicht mehr erhalten), was aber dem Buch nicht schadet. Ich würde es jederzeit nochmal kaufen.
Siehe auch:

Historische Tagebücher > Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878-1899
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