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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 9. Juli 2020 

Das libertäre Manifest. Über den Widerspruch zwischen Staat und Wohlstand.


von Stefan Blankertz

Kategorie: Zeitgeschichte -- Allgemeines
ISBN: 3831118698

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Nichts für Staatsgläubige!
Ich habe die Rezension zuvor (vom 7. April) gelesen. Sie wurde geschrieben von einem Klassisch-Liberalen. Kann ein Liberaler, der Anhänger des "Minimalstaates" ist, von diesem Buch, welches den Staat als kriminelle Vereinigung brandmarkt, zufriedengestellt werden? Das erscheint unmöglich, wenn der Autor den Staat als solchen ablehnt. Insofern finden Partei-Liberale keine Antworten auf ihre Fragen für die Politik. Es stimmt allerdings, dass die Darstellung anarchistischer Alternativen für eine freie Gesellschaftsordnung fehlt. Aber ist es notwendig, eine Ordnung zu beschreiben, die auf freien Markt basiert, wenn man davon überzeugt ist, bzw. sogar wissenschaftlich darstellen kann, dass der Markt stets in der Lage ist, die besseren Ergebnisse hervorzubringen als der Staat?
Oder zeugt es nicht von grundsätzlichem Zweifel an der freien Marktwirtschaft, wenn man praktische Beweise für anarchistische Ordnungen verlangt? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Erklärungsbedürfig ist aber die Produktion von Sicherheit mittels privater Rechtsanbieter. Erst durch die prinzipielle Kenntnis der privaten Rechtsordnung, kann man die Funktionsweise anarchistischer Ordnungen verstehen. Das wird in diesem Werk nicht dargestellt, weil es ein weiterführendes Thema ist. Nun gibt es aber in der selben Schriftenreihe ein Buch, das genau diesen Bereich abdeckt - "Das Räderwerk der Freiheit" - eine wunderbare Ergänzung zu diesem Buch.

Anspruchsvoll, libertär und utopisch
So erfrischend es auch ist, etwas zu lesen, das sich gegen den Mainstream-Etatismus stellt, das nicht den Staat naiv zum Beschützer und Förderer alles Guten hinstellt, sondern den Finger in die Wunden legt, also die Stellen aufzeigt, an denen der Staat versagt, an denen er sein wahres Gesicht als Leviathan zeigt, so wenig überzeugend ist dieser Versuch, wenn es ihm nicht gelingt, eine plausible, nicht-utopische Alternative anzubieten. Es schmerzt den klassisch-liberalen Minimalstaatler dabei umso mehr, wenn er sich dann auch noch durch libertäre Anarcho-Kapitalisten als Halbsozialist brandmarken lassen muß. Insofern verdient dieses Buch drei Sterne: Es hat viel Wichtiges und Richtiges zu sagen, läßt einen aber doch ratlos im Dunste einer für die absehbare Zukunft unerreichbaren Utopie zurück.
Siehe auch:
Zeitgeschichte -- Allgemeines > Das libertäre Manifest. Über den Widerspruch zwischen Staat und Wohlstand.
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