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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 17. Oktober 2019 

Piercing


von Veronique Zbinden

ISBN: 3927940372

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Sehnsucht nach Wildheit
Die Wahrnehmung des Körpers und die Art und Weise, wie er behandelt wird, ist abhängig von Zeit, Ort und Gruppe. Piercing ist ein kultureller Akt und existiert schon seit Jahrtausenden. Naturvölker wie die Mayas, die Indios, die Indianer und viele afrikanische Stämme benutzten es unter anderem für magische Riten, Mutproben und um den Körper zu schmücken.

In den achtziger und neunziger Jahren erlebt das Piercing ein neues Coming-Out. Wegbereiter waren die Punks, die Modern Primitives und die Fetischisten. Die No-Future-Generation provoziert mit durch die Wange gestochenen Sicherheitsnadeln und beeinflußt damit die Mode und Tausende junger Menschen, die sich gegen gesellschaftliche Gleichgültigkeit auflehnen und auf sich aufmerksam machen wollen. Schmerz wird als Grenzerfahrung erlebt und der Körper als politisches Ausdrucksmittel benutzt: Durchstechen, durchlöchern, verfremden, verstümmeln -- die Macht über den eigenen Körper demonstrieren, aber auch sich selbst als lebendes Kunstwerk sehen. Angeblich werden Orgasmen durch piercen der Genitalien intensiver erlebt, das sexuelle Empfinden verändert sich.

Autorin Veronique Zbinden hat in diesem Buch das Piercing unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, die geschichtlichen Hintergründe spannend recherchiert und die Piercer und ihre Motivation hinterfragt. "Schön, stammesbezogen und sehr erotisch" -- dies sind die drei am häufigsten vorgebrachten Argumente von Leuten, die sich piercen lassen. Ein wichtiges, informatives, mit eindrucksvollen Fotos versehenes Buch, auch für interessierte Laien. --Claudia Berg

Interessant, Aufschlussreich
Ich fand gut, dass über einzelne Körperrituale geschrieben wurde und viele Photos mit eingebracht wurden.

Pseudowissenschaftlicher Überblick
Veronique Zbinden versucht hier mittels einiger geschichtlicher Hintergründe, die man in jedem Tattoo-Magazin findet, einen wissenschaftlichen Background für eine Bestandsaufnahme zu schaffen, die weder fundiert, noch neu ist. Die Zusammenhänge zwischen den "Primitiven" in Amerika und den Modern Primitives bedarf an und für sich schon allein aufgrund der Namensgleichheit keiner weiteren Erklärung. Trotzdem werden die Zusammenhänge breitgetreten.

In Folge werden die verschiedenen Piercings mehr schlecht als recht erläutert, die Darstellungen sind einerseits nicht vollständig, andererseits alles andere als graphische Meisterleistungen.

Einziger - wirklicher - Pluspunkt sind die Farbfotos in der Mitte des Buches...

Fazit: Für Piercing-Enthusiasten absolut nicht zu empfehlen, da keinerlei neue Informationen geboten werden. Für Unentschlossene ebenfalls nicht, da die Informationen eher abschreckend als informativ sind. Einzig für jemanden, der fest entschlossen ist, sich piercen zu lassen, könnte der Kauf dieses Buches in Betracht gezogen werden. Aber für eine Entscheidungsfindung reicht auch ein Gespräch mit dem Piercer Ihres Vertrauens. Und das ist gratis...

Eher ärgerlich
Profundes Halbwissen, das Mutti und Vati hilft, ihre Jüngsten vom Piercen abzubringen. Ein ärgerliches Buch, das schlecht strukturiert, nachlässig recherchiert und gegen Ende völlig überzogen ist sowie redaktionell eine kleine Katastrophe darstellt. Und das alles zu einem Preis, der einem Taschenbuch nicht ansteht.
Siehe auch:

> Piercing
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