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Fehlender Notwehrwille
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allround
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Anmeldungsdatum: 19.08.2006
Beiträge: 836

BeitragVerfasst am: 19 Mai 2017 - 18:52:48    Titel: Fehlender Notwehrwille

Hey ihr,

ich habe nur eine kleine, blöde Frage...
Ich dachte ich mag mich mal austauschen mit dem Forum. Smile

Fall:

A tötet B (heimtückisch), der seinerseits gerade den C umbringen wollte, wovon A jedoch nix wusste.


Also: Objektiv liegt eine Rechtfertigungslage vor, subjektiv hat A jedoch keinen Notwehrwillen. Die h.L löst dieses Problem so, dass der A nach §§212,211 bestraft wird, aber es iRd Strafzumessung zu einer Milderung nach den Versuchsregeln kommt, d.h. der Täter wird bestraft wie bei einem versuchten Mord.

Meine Frage:
Folge ich nun dem anderen Lager, die keinen subjektiven Notwehrwillen, sondern nur die objektive Notwehrlage verlangen, dann lehne ich die Vollendung des Mordes ab (bis hierhin kann ich folgen) und prüfe dann den versuchten Mord und würde diesen (laut Lösungsvorschlag) bejahen.
Aber wieso? Wieso greift denn dann laut deren Meinung der Rechtfertigungsgrund nicht?
Ist es so lapidar, dass der A einfach schon "Unmittelbar angesetzt" hat nach deren Meinung?

Dankeschön Smile
LuluLawless
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Anmeldungsdatum: 25.09.2011
Beiträge: 68

BeitragVerfasst am: 19 Mai 2017 - 23:02:04    Titel:

1. In der Überschrift müsste es "Nothilfe" heißen, weil der Täter ja einem Dritten hilft und nicht sich selbst verteidigt.


2. Du meinst vielleicht das Richtige, aber du drückst dich widersprüchlich aus. Die Meinung, die kein subjektives Rechtfertigungselement fordert, lässt die Strafbarkeit in deinem Fall gerade entfallen. Denn für sie geht die Rechtfertigung ja gerade durch, so dass der Täter aus deren Sicht nicht rechtswidrig handelte. Da auch ein Taterfolg (Tod des B) gegeben ist, prüft man keinen Versuch mehr.
Die Problematik zwischen Versuchs- und Vollendungsbestrafung wird konsequenterweise nur bei den Meinungen virulent, die ein solches Element für notwendig halten und es dann in concreto fehlt.


3. Der Grund, warum ein Teil der Lehre bei einem fehlenden subjektiven Rechtfertigungselement als Rechtsfolge nach den Versuchsregeln bestrafen will, ist, dass deren Ansicht zufolge, vom Unrechtsgehalt der Tat her die gleiche Situation wie bei einem Versuch vorliegt.

Am Beispiel deines Falles heißt das:

Der Erfolgsunwert der Tötung durch A entfällt, weil die Tat objektiv gesehen gerechtfertigt ist. Es ist tatsächlich eine Nothilfelage gegeben. Es liegt aber, wie beim Versuch auch, ein subjektiver Handlungsunwert vor, weil A den C nicht retten wollte. (Dieser Vergleich ist nicht zwingend und daher auch umstritten.)

Unrechtsgehalt einer Straftat = Erfolgsunwert + Handlungsunwert


4. Falls das deine Frage nicht beantwortet, dann sei als Zusatz erwähnt, dass die Rechtfertigung dann natürlich auch nicht beim Versuch greifen kann, weil das ja sonst im Widerspruch zu dem zuvor bei der Begehungsvariante (§§ 211, 212 I) Geprüften stünde. Es fehlt ja immer noch das subjektive Rechtfertigungselement. Der Grund, dass beim Begehungsdelikt abgebrochen wurde, lag der o.g. Wertung zugrunde, dass die Versuchsbestrafung besser passt.

Mit dem von dir erwähnten unmittelbaren Ansetzen hat das alles nichts zu tun. Dass A angesetzt hat, ergibt sich ja schon aus der Tatbestandserfüllung des § 211 StGB und ist auch keine Frage der Rechtswidrigkeit, sondern des Tatbestands.
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