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Rubenow-Denkmal wird generalüberholt

07.06.2005 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Universität Greifswald startete zweites großes Fundraising-Projekt

Das größte freistehende neugotische Denkmal aus galvanisch verkupfertem Zinkguss Deutschlands - das fast 150 Jahre alte Rubenow-Denkmal in der Universitätsstadt Greifswald - wird heute demontiert und zur Generalüberholung nach Berlin transportiert (http://www.rubenow-denkmal.de). Pünktlich zum 550. Jubiläum der Alma Mater im kommenden Jahr soll das bedeutende Monument der preußischen Hochzeit wieder im alten Glanz erstrahlen. Parallel zur Restaurierung startete die Universität nach dem Universitätsschauhaus ihr zweites großes Fundraising-Projekt. Ein Großteil der etwa 200.000 Euro teuren Wiederherstellungsarbeiten sollen durch Spendeneinnahmen gedeckt werden. Geschichtsträchtig

Das 12,10 Meter hohe Rubenow-Denkmal wurde auf Initiative des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. anlässlich des 400. Universitätsjubiläums 1856 errichtet. An dem Kunstwerk des Schinkels-Schülers Friedrich August Stüler (1800 - 1865) war nicht nur die künstlerische Elite Preußens beteiligt, es wurde auch ein gänzlich neues metallisches Gussverfahren eingesetzt. Die Berliner Zinkgießerei von Moritz Geiß entwickelte zur damaligen Zeit eine neue Technologie, die ein Zusammenfügen der einzelnen konturenscharfen und detailgetreuen Gussstücke aus Zink durch inneres Verlöten ermöglichte.

Das Ehrenmal enthält jeweils an vier Seiten Standfiguren, die an bedeutende weltliche Förderer der traditionsreichen Universität erinnern. Sowohl Herzog Wartislaw IX. von Pommern-Wolgast (um 1400 - 1457), als auch der letzte Pommernherzog Bogislaw XIV. (1580 - 1637), der aus dem Herrscherhaus Hessen-Kassel stammende schwedische Monarch Friedrich I. (1676 - 1751) und der preußische König Friedrich-Wilhelm III. (1770 - 1840) wurden für ihre Verdienste auf dem Monument verewigt. Ebenfalls auf vier Seiten verteilt sind herausragende Gelehrte der vier Gründungsfakultäten sitzend dargestellt. Der Vertreter der deutschen Reformation, der Theologe Johannes Bugenhagen (1485 - 1558), der Greifswalder Jurist David Mevius (1609 - 1670), der Mediziner Friedrich August Berndt (1793 1854) sowie der Namensgeber der Universität, der Historiker Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860) wurden auf diese Art und Weise für ihr wissenschaftliches und gesellschaftliches Engagement geehrt. An der Hauptseite am Sockel befindet sich ein großes Medaillon des Bürgermeisters, Universitätsgründers und ersten Rektors, Heinrich Rubenow (um 1400 - 1462).

Die Gedenkstätte bildet mit dem vom berühmten preußischen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné (1789 - 1866) gestalteten Rubenowplatz sowie dem um 1750 erbauten barocken Universitätshauptgebäude ein einzigartiges historisch-wertvolles Ensemble.

Erneurungsbedürftig

Mit Blick auf das Universitätsjubiläum 2006 sind umfassende Modernisierungs-maßnahmen in Auftrag gegeben worden, um das Universitätshauptgebäude, den Rubenow-Platz und das Denkmal in ihrer Einheit wieder komplett der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine vollständige Restaurierung des Rubenow-Denkmals, das Ende der 1920er Jahre zuletzt überholt wurde, war auf Grund des zunehmenden Verfalls durch Wind, Wetter und mutwillige Zerstörung mehr als überfällig.

Die denkmalpflegerische Begutachtung im Vorfeld wurde vom Wolgaster Metallrestaurator Wolfgang Hofmann übernommen. Im Zuge einer beschränkten Ausschreibung erhielt die in Berlin und Regensburg ansässige Spezialfirma Haber & Brandner den Zuschlag für das Projekt (s. Hintergrund). In ganz Deutschland gibt es nur wenige Unternehmen, die in der Lage sind, historische Zinkgussdenkmäler fachgerecht aufzuarbeiten. Erst seit 1999 liegen darüber hinaus genauere Forschungsergebnisse zur Konservierung und Instandsetzung dieser Materialien vor. Der einzige Lehrstuhl Metallrestaurierung wird von Prof. Jörg Freitag an der Potsdamer Fachhochschule unterhalten, der in den Überarbeitungsprozess eng eingebunden ist.

Denkwürdig

Mit der planmäßigen Demontage und Restaurierung des Rubenow-Denkmals startete auch das zweite große Fundraising-Projekt der Universität Greifswald. Über Stiftungen und Gelder von Förderern und Freunden der Alma Mater soll die Rundumerneuerung des Großdenkmals finanziert werden. Dazu wurden deutschlandweit und international mit erstem Erfolg zahlreiche potenzielle Spender kontaktiert und über das Vorhaben informiert. Sowohl aus Estland und Lettland, den alten Bundesländern, als auch von vielen Greifswaldern, Studierenden, Mitarbeitern und Dozenten der Greifswalder Universität sind die ersten Spenden für das neugotische Denkmal eingetroffen. "Das zeigt die große Verbundenheit der in der Hansestadt lebenden Bürger sowie ehemaliger Hochschulangehöriger mit der Universität und ihrer lebendigen Geschichte", zeigte sich der Kanzler der Universität, Dr. Thomas Behrens, erfreut. "Die Universität wird alle Förderer, die sich an der Modernisierung des Rubenow-Denkmals beteiligen, entsprechend würdigen", kündigte Behrens an. Diese sollen im Internet in einer Online-Spenderliste aufgeführt werden und eine Einladung zur feierlichen Enthüllung des Kunstwerkes am 3. April 2006 erhalten. Weitere Förderer können sich in das Gästebuch der Universität einschreiben und an den vielfältigen Jubiläumsfeierlichkeiten teilnehmen. Besonders großzügige Spender werden mit der Inschrift ihrer Namen nahe des Denkmals auf alle Zeiten sichtbar gemacht.

Hintergrund HABER & BRANDNER mit Sitz in Regensburg und Berlin ist ein traditionsreiches Unternehmen mit fünfzig Mitarbeitern, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einer renommierten und von der Denkmalpflege anerkannten Metallrestaurierungswerkstatt entwickelt hat. Das Arbeitsspektrum der Werkstätten umfasst die Restaurierung historischer Objekte und Kunstwerke aus Gold, Silber, Bronze, Messing, Kupfer, Eisen, Zinn, Zink und Blei. Farbige Fassungen auf Metall, Vergoldungen und Versilberungen sowie im Verbund mit Metallen auftretende organische und anorganische Werkstoffe werden restauriert und konserviert. Metallrestauratoren, Praktikanten und Kunsthistoriker arbeiten mit erfahrenen Kunsthandwerkern bei der Restaurierung historischer Metallobjekte im Team zusammen.

Die Regensburger Werkstatt verfügt bei einer Nutzfläche von 1.200 qm über mehrere Abteilungen, in denen die Restaurierungsobjekte je nach Materialbeschaffenheit, Dimensionen und Konservierungstechniken unter klimatisierten Verhältnissen bearbeitet werden. Die Halle mit 6 m Einfahrtshöhe und Schwerlastkran bietet ideale Bedingungen für die Restaurierung von Großplastiken und Denkmälern. Die Berliner Werkstatt hat sich in einem denkmalgeschützten Handwerkerhof in Weissensee etabliert. Die um 1904 entstandenen Gebäude mit über 1.000 qm Werkstattfläche bieten Platz für die umfangreichen Metallrestaurierungsaufgaben in Berlin und den neuen Bundesländern (http://www.haber-brandner.de).


Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Fundraising & Alumni/Universitätsjubiläum 2006
Leiterin: Sabine Große
J.-S.-Bach-Straße 27, 17487 Greifswald
T +49 (0)3834/86 11 74
F +49 (0)3834/86 11 43
M +49 (0)160-90 31 70 20
E fundraising@uni-greifswald.de
http://www.uni-greifswald.de

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