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Regellernen oder Ursachentraining - Was hilft wirklich bei Legasthenie?

07.06.2005 - (idw) Medi TECH Electronic GmbH

Debatte über die allentscheidende Frage "Symptom- oder Ursachen-Training?" zur LRS-Behandlung bei der Dyslexie-Jahrestagung in Zürich Spannende Diskussionen bei der diesjährigen Jahrestagung des Schweizer Dyslexieverbandes am 04.06.2005: Unter dem Tagungsmotto "Legasthenie - viele Wege führen zum Ziel" waren als Hauptreferenten Dr. Gerhard Schulte-Körne aus Marburg und Professor Dr. Uwe Tewes aus Hannover geladen.

Während Schulte-Körne unter dem Titel "Was hilft bei Legasthenie? - Eine aktuelle Übersicht zur Wirksamkeit von Therapie- und Fördermethoden" vortrug, sprach Tewes zu "Symptom- oder ursachenspezifisches Lese-Rechtschreibschwäche-Training? - Zur Kontroverse über die Ursachen der Therapieresistenz". Schulte-Körne, der zu den Verfechtern des lerntheoretisch begründeten Regellernens als primäre Maßnahme gegen Lese-Rechtschreibprobleme gehört, trug über das von ihm entwickelte "Marburger Rechtschreibprogramm" vor; gleichzeitig kritisierte er nachhaltig Verfahren wie NLP, Visualtraining oder Kinesiologie, da diese nicht angemessen wissenschaftlich geprüft seien und nicht auf Wirksamkeitsstudien verweisen könnten.

In seinem Vortrag stellte Tewes vor allem die außerordentliche "Therapieresistenz" der betroffenen Kinder bei Anwendung der bisherigen übenden und regelbasierten Verfahren heraus. Gleichzeitig stellte er die Ergebnisse einer von ihm begleiteten Studie vor, bei denen durch Einsatz ursachen-basierter Verfahren deutlich größere Verbesserungen der Rechtschreibleistungen erzielt wurden als mit herkömmlichen übenden Verfahren. Konkret führte ein Einsatz des so genannten Warnke-Verfahrens innerhalb von vier Monaten zu einer durchschnittlichen Verbesserung der Rechtschreibleistung um 42,6%, während ein regelbasierter Förderunterricht im selben Zeitraum lediglich eine Verbesserung um 6,3% brachte.

In den von Schulte-Körner durchgeführten Studien erreichte dieser mit dem von ihm entwickelten Marburger Rechtschreibprogramm eine Verbesserung der Rechtschreibleistung von einem T-Wert von 38 auf 42 in zwei Jahren. Bemerkenswert ist, dass sich diese Verbesserung nur auf die verbesserte Fähigkeit der Erkennung von Dopplungsregeln bezog; dies ist aber nur eine der insgesamt acht Regeln des Marburger Rechtschreibprogramms. Bemerkenswert bei den Untersuchungen aus Marburg ist noch, dass die untersuchten Kinder (n=10) sich in den ersten sechs Monaten zunächst in ihrer Leistung deutlich verschlechterten, nach einem Jahr wieder ungefähr ihr Ausgangsniveau erreichten und erst nach zwei Jahren allein bei den Dopplungsregeln bedeutsame Fortschritte festzustellen waren.

Die von Tewes begleiteten Untersuchungen mit insgesamt 42 Kindern aus drei Gruppen umfassten hingegen die gesamte Rechtschreibleistung der Kinder und wiesen hier hoch-signifikante Unterschiede zwischen Ursachen- und Regeltraining auf; sowohl die Gruppe, die lediglich ein Low-Level-Training mit dem Brain-Boy Universal durchführte, als auch die Gruppe, die das Gesamt-Warnke-Training (Low-Level-Training und Lateral-Training) durchführte, zeigten deutlich größere Fortschritte als die regeltrainierende Kontrollgruppe.
Nach den beiden Hauptvorträgen bot der Schweizer Dyslexieverband den rund 800 Teilnehmern noch ein breites Rahmenprogramm aus Einzelworkshops. Darunter waren u. a. auch zwei Workshops von Dr. Franz Karig "Lesen und Rechtschreiben lernen - Ein neuer Weg zum Verständnis von LRS: der NLP-Ansatz nach R. DILTS" sowie von Fred Warnke über "LRS-Therapieresistenz - Ursachen- statt Symptomarbeit". Letzterer Workshop wurde zweimal mit je rund 180 Teilnehmern durchgeführt; rund die Hälfte der Teilnehmer konnte sich auf diesem Wege einen guten Eindruck von den Vorteilen des ursachen-orientierten Trainings mit dem Warnke-Verfahren verschaffen.


Weitere Informationen erhielten die Teilnehmer auf dem Messestand der MediTECH Schweiz.
Weitere Informationen: http://www.hoerverarbeitung.de http://www.forschung.meditech.de
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