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Vor- und Nachteile der Globalisierung für unsere Psyche

08.06.2005 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Kongress "Psychotherapie und Gesellschaft" zur Frage nach der Identität im "globalen Dorf" (Jena) Was passiert mit unserer Identität, wenn die Grenzen im "globalen Dorf" sich aufzulösen beginnen? Und wie wirkt sich das auf die Psyche und die seelische Gesundheit der Menschen aus? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses "Psychotherapie und Gesellschaft", der Ende Juni in Weimar stattfinden wird.

Etwa 300 Psychotherapeuten und Vertreter der Gesundheitsberufe aus dem deutschsprachigen Raum werden hier drei Tage lang die Auswirkungen der Globalisierung auf das psychische Befinden der Menschen und den professionellen Umgang damit diskutieren.

"Viele Menschen empfinden derzeit vor allem die ökonomischen Folgen der Globalisierung als eine existenzielle Bedrohung", erläutert Prof. Dr. Bernhard Strauß, Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Jena und wissenschaftlicher Leiter des Kongresses. "In einer über das Internet vernetzten Welt mit durchlässigen Grenzen, verschwimmenden nationalen Identitäten und einem von den Zwängen der Globalisierung geprägten Arbeitsmarkt verlieren traditionelle Lebensentwürfe immer mehr ihre Gültigkeit", so Strauß weiter. "Damit entfallen aber auch die Grundfesten, auf die wir unsere Lebenspläne bauen. Das kann zu Verunsicherungen führen und in der Folge auch zu psychischen Störungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen". Doch was die einen als bedrohlich empfinden, sehen andere durchaus als Chance. Strauß: "Für manche stellen die verschwindenden Grenzen und variablen Lebensmodelle, die Vermischung der Kulturen und Religionen gerade eine Bereicherung dar". Daher wird auf der Weimarer Tagung auch beides - die positiv wie auch die negativ empfundenen Folgen der Globalisierung und deren Auswirkungen auf die Seele - thematisiert.

Besonderer Höhepunkt des Kongresses ist dabei der Eröffnungsvortrag von Prof. Sudhir Kakar aus Indien. Der psychoanalytisch geschulte Kultur- und Religionsforscher gilt laut der Zeitung "Le Nouvel Observateur" als einer der "25 Meisterdenker dieser Welt" und ist ebenso als Romanautor bekannt ("Die Frau, die Gandhi liebte"). Prof. Kakar spricht am 30. Juni zu dem Thema "Kultur und Psyche: Die Auswirkungen der Globalisierung auf die Psychotherapie".

Der Eröffnungsvortrag ist auch symptomatisch für eine weitere Besonderheit des Kongresses: Statt nur Insiderdiskussionen zu fördern, will sich die Weimarer Tagung in erster Linie einer Außensicht auf die Psychotherapie öffnen. Unter den Referenten sind daher vor allem Vertreter anderer Wissenschaftsdisziplinen zu finden: Soziologen, Mediziner, Philosophen oder Unternehmer wie Paul Kothes, Begründer einer Public Relations Agentur, und ein Architekt.

Die "fachfremden" Beiträge sollen den Blick der Psychotherapeuten dafür schärfen, dass an vielen Stellen im Alltag mit den Folgen der Globalisierung gerechnet und umgegangen werden muss. "Beispielsweise müssen sich auch die Mitarbeiter im Gesundheitswesen darauf einstellen, mit anderen Kulturen und auch anderen Auffassung von Gesundheit und Krankheit konfrontiert zu werden", illustriert Prof. Strauß die veränderten Anforderungen. "Patienten aus dem asiatischen Raum haben eine andere Herangehensweise an Schmerz und Krankheit, als wir es gewohnt sind, was respektiert und berücksichtigt werden muss. Das zeigt, dass wir der Globalisierung immer mehr auch im Berufsalltag Rechnung tragen müssen und die Bereitschaft brauchen, über unseren Kulturkreis hinaus zu gehen."


"Grenzen - Psychotherapie und Identität in Zeiten der Globalisierung"
2. Weimarer Kongress " Psychotherapie und Gesellschaft"
30. Juni bis 3. Juli 2005, Congress Centrum Neue Weimarhalle, Unescoplatz 1, Weimar

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bernhard Strauß
Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 936700
E-Mail: bernhard.strauss@med.uni-jena.de

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