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Von der Mutter zur Bürgerin: RUB-Dissertation über die Frauenbewegung in der globalisierten Welt

20.06.2005 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die viel gescholtene Globalisierung hat nicht nur Schattenseiten: Nationale und lokale Frauenbewegungen haben in Südamerika den Wandel vor Ort eingeleitet, das Leitbild der Frau ändert sich von der "Mutter" zur "Bürgerin". Das ist das zentrale Ergebnis der Dissertation von Yin-Zu Chen an der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB (Betreuerin: Prof. Dr. Ilse Lenz). Chen untersuchte diesen Prozess am Beispiel von Gesundheit, Sexualität und Verhütungswissen von Frauen in Peru und Chile. Bochum, 20.06.2005
Nr. 195

Von der Mutter zur Bürgerin
Frauenbewegung in der globalisierten Welt
RUB-Dissertation über transnationale Beziehungsnetzwerke

Die viel gescholtene Globalisierung hat nicht nur Schattenseiten: Nationale und lokale Frauenbewegungen haben in Südamerika den Wandel vor Ort eingeleitet, das Leitbild der Frau ändert sich von der "Mutter" zur "Bürgerin". Das ist das zentrale Ergebnis der Dissertation von Yin-Zu Chen an der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB (Betreuerin: Prof. Dr. Ilse Lenz). Chen untersuchte diesen Prozess am Beispiel von Gesundheit, Sexualität und Verhütungswissen von Frauen in Peru und Chile.

Räume für Information und Kommunikation

Mit den globalen feministischen Netzwerken haben sich transnationale Räume für Information, Kommunikation und Koalitionen entfaltet, zum Beispiel in Fragen der Gesundheit und Sexualität. So haben die UN und globale Frauennetzwerke die Rechte von Frauen auf Selbstbestimmung festgehalten und global verbreitet. Bisher liegen allerdings nur wenige empirische Untersuchungen dazu vor.

Viermonatiger Forschungsaufenthalt

Hier setzt die Arbeit von Yin-Zu Chen an: Sie untersuchte das "Netz für Frauengesundheit in Lateinamerika und der Karibik" (Red de Salud de las Mujeres Latinoamericanas y del Caribe). Entsprechend dem Leitwort "global-national-lokal" betrachtet sie die Einflüsse transnationaler Frauenbewegungs-Netzwerke auf die nationale Politik und lokale Frauenprojekte im Bereich Gesundheit. Während ihres viermonatigen Aufenthalts in Chile und in Peru hat Chen zahlreiche Interviews geführt sowie Quellen gesammelt wie Rundbriefe und Zeitschriften des Netzwerkes, peruanische Zeitungsartikel, politische Dokumente, bewegungsnahe Flugblätter und Broschüren.

Entwicklung vor Ort unterstützt

Das Dachnetzwerk hat die Entwicklung einer lateinamerikanischen Frauengesundheits-Bewegung vor Ort unterstützt; es bietet die Möglichkeit für Information und Kommunikation, zum Beispiel in Rundbriefen und auf Internetseiten. Die lokalen Teilnehmerinnen fühlen sich als Teil einer größeren Frauenbewegung. Sie werden jährlich in transnationale Kampagnen zum Aktionstag für die Gesundheit der Frau am 28. Mai eingebunden. Seit 1987 fordert die Kampagne Gesundheit für Mütter und reproduktive Rechte (Selbstbestimmung über Kinderbekommen und Sexualität).

Nationaler und lokaler Wandel

Aber: Den tatsächlichen Wandel vor Ort haben bisher nur nationale und lokale Frauenbewegungen eingeleitet, der Einfluss des weltweiten Netzes auf die nationale Frauenpolitik ist begrenzt. Das zeigt sich auch in der peruanischen Frauenbewegung: Ihr Leitbild war vor 20 Jahren noch das der "Mutter in der Volksküche", heute begreifen die Bäuerinnen oder armen Frauen Gesundheit und Selbstbestimmung über ihren Körper und die Reproduktion als ihr Bürgerrecht. Sie begleiten Entwicklungsprogramme im Gesundheitssektor als Beraterinnen und nehmen an der Qualitätskontrolle teil. Chens Fazit: Das "Demokratiedefizit" im Fall der lateinamerikanischen Frauenbewegungs-Netzwerke beeinträchtige den lokalen Zugang der Frauen zur transnationalen Vernetzung maßgeblich.

Die Autorin

Yin-Zu Chen, geboren in Chiayi/Taiwan, studierte Sozialwissenschaft zunächst an der Universidad Nacional de Misiones (Argentinien) und später an der Ruhr-Universität Bochum. Im Jahr 2000 begann sie ihre Dissertation im Promotionskolleg "Geschlechterdemokratie und Organisationsform im globalen Kontext" (Universität Bielefeld und RUB). Ab September dieses Jahres wird sie an der National Pingtung University of Science & Technology in Taiwan lehren.


Weitere Informationen

Yin-Zu Chen, E-Mail: yinbochum@yahoo.cm
Prof. Dr. Ilse Lenz, Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-25413, E-Mail: ilse.lenz@ruhr-uni-bochum.de

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