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Neue Wege aus der Blutarmut von Neugeborenen

20.06.2005 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Etwa fünf bis sechs Prozent aller Neugeborenen kommen vor Beendigung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Je unreifer sie bei der Geburt sind, desto wahrscheinlicher kann es zu Komplikationen kommen. Deren Vermeidung war ein Schwerpunkt auf der 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin vom 16. bis 18. Juni 2005 in Magdeburg.

Ein häufiges Problem von Frühgeborenen ist beispielsweise die Blutarmut (Frühgeborenenanämie). Deren Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von Blutverlusten durch die Haut und als Folge diagnostischer Untersuchungen bis zu einem Mangel an Eisen und dem Wachstumsfaktor Erythropotetin, kurz EPO genannt. EPO ist für die Bildung der roten Blutkörperchen wichtig, deren roter Blutfarbstoff, das Hämoglobin, den Sauerstoff transportiert. Eine Möglichkeit, einen Blutmangel bei unreif geborenen Neugeborenen zu vermeiden, sind Bluttransfusionen. Für die meisten extrem leichtgewichtigen Frühchen sind sie überlebenswichtig. Eine Möglichkeit, die Transfusionen vom Fremdblut zu reduzieren, ist die Verabreichung von gentechnisch hergestellten Erythropotetin. Es stimuliert die Bildung von roten Blutkörperchen und hat darüber hinaus möglicherweise sogar neuroprotektive Eigenschaften. Letzteres ist bei Neugeborenen allerdings noch nicht nachgewiesen, so der Neonatologe Professor Rolf Maier vom Zentrum für Kinder und Jugendmedizin der Philipps Universität Marburg. Auch kann EPO keine größeren Blutverluste ausgleichen.

Wegen der zunehmenden Knappheit vom Fremdblut wurde als eine mögliche Alternative zur Fremdblutspende für unreife Neugeborene die Therapie mit Plazentablut diskutiert. Dabei handelt es sich hauptsächlich um das Blut des Feten, das über die Nabelschnur transportiert wird. Unmittelbar nach der Geburt wird die Nabelschnur abgeklemmt und durchtrennt. Ein Teil des kindlichen Blutes geht dadurch verloren. Je nach Körpergewicht des Neugeborenen sind das etwa 20 Milliliter, die dem Frühstarter in das Leben fehlen. Die Plazentablut-Übertragung könnte eine mögliche Alternative zur Fremdblutspende von Erwachsenen sein, meint denn auch Privatdozent Dr. Thomas Brune von der Universitätskinderklinik Magdeburg. In Deutschland wurden die ersten Kinder mit Plazentablut an der Universität Münster bereits behandelt. Die medizinisch-rechtlichen Probleme, die mit einer Plazenta-Eigenblutspende für Neugeborene zusammenhängen, hat Dr. Brune gerade in einer Arbeit untersucht.

Ein anderer Ansatz, die Blutmenge des Frühgeborenen zu erhöhen, ist eine verzögerte Abnabelung des Frühgeborenen. Neue Studienergebnisse zu diesem Thema präsentierte Dr. Heike Rabe vom Royal Susses Hospital in Brighton (Großbritannien). Für eine Spätabnabelung nach etwa 30 bis 45 Sekunden spreche ihrer Meinung nach eine Stabilisierung des Herzkreislauf-Systems und überraschenderweise auch der Blutzuckerwerte.

Anlässlich der 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin trafen sich rund 1500 Mediziner und Pflegekräfte aus den deutschsprachigen Ländern in Magdeburg. Außerdem nahmen Fachvertreter aus den baltischen Staaten, Polen und Russland teil. Wissenschaftliche Schwerpunkte waren die fetomaternale Immunität, die Rolle des fetalen und neonatalen Blutes sowie Besonderheiten des unreifen Gehirns sowie der Lunge.


Autor: Uwe Seidenfaden

Tagungsprogramm im Internet unter http://www.gnpi2005.de

Ansprechpartner für Redaktionen
Tagungspräsident Prof. Dr. med. Gerhard Jorch,
Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Tel. 0391/67 17000, e-mail: gerhard.jorch@medizin.uni-magdeburg.de

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