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PM Nr. 21/05 - BfS-Messstation überwacht Kernwaffenteststoppvertrag

21.06.2005 - (idw) Bundesamt für Strahlenschutz

Die Überwachung des Kernwaffenteststoppvertrags ist um eine Messstation reicher: In Freiburg überreicht heute der Exekutivsekretär der Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organisation (CTBTO), Botschafter Wolfgang Hoffmann, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Zertifizierungsurkunde. Die BfS-Messstation auf dem Schauinsland bei Freiburg ist eine von weltweit 80 Spurenmessstationen für Radioaktivität in der Luft und die einzige in Mitteleuropa.

"Die Messstation Schauinsland hat eine lange Tradition der Messung von Kernwaffenfallout", erläutert Dr. Gerald Kirchner, Leiter des Fachbereichs "Strahlenschutz und Umwelt" im BfS, auf der Pressekonferenz anlässlich der Zertifizierung. "Von heute an stellen wir unsere Kompetenzen auch in den internationalen Dienst der CTBTO."

Der Kernwaffenteststoppvertrag sieht neben dem völkerrechtlichen Verbotstatbestand ein System zur Überwachung des Verbots vor. Dies baut die Vertragsorganisation CTBTO derzeit weltweit mit einem Netz von 321 Messstationen mit Hilfe der Untrezeichnerstaaten auf. Es ist in der Lage, eine nukleare Explosion an jedem Ort der Erde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu entdecken, zu identifizieren und auch zu lokalisieren. Das System beruht auf 170 Seismographen in der Erde, elf Unterwassermikrophonen in den Ozeanen, 60 Infraschallmikrophonen in der Atmosphäre und 80 Spurenmessstationen für Radioaktivität in der Luft.

Während die anderen drei Techniken (Seismik, Infraschall und Hydroakustik) zeitnah Explosionen mit einer Stärke entsprechend über einer Kilotonne TNT registrieren und lokalisieren können, kommt der Radionuklid-Messtechnik die besondere Aufgabe zu, den nuklearen Charakter einer Explosion zweifelsfrei nachzuweisen. "Detoniert ein nuklearer Sprengkörper, so entsteht eine Vielzahl radioaktiver Spaltprodukte. Dabei kommt die überwiegende Zahl der so gebildeten Radionuklide in der Natur nicht vor und unterscheidet sich auch signifikant in ihrer Zusammensetzung von Radioaktivität aus Kernkraftwerken", so Kirchner. Eine grobe Eingrenzung des Freisetzungsortes ist mit Hilfe von Luftmassen-Analysen möglich.

An allen 80 Stationen wird die Luft auf Spuren von aerosolgebundenen Gammastrahlern untersucht. An 40 von den 80 Stationen, darunter auch an der BfS-Station Schauinsland, wird zusätzlich nach den Xenon-Isotopen 131m, 133, 133m und 135 gefahndet. Radioaktive Edelgase wurden in das Messsystem einbezogen, weil diese auch bei unterirdischen und verdeckten Tests in die Atmosphäre entweichen können und damit das Risiko für einen potentiellen Vertragsbrecher erhöhen, entdeckt zu werden.

Sämtliche Messdaten werden über ein satellitengestütztes Kommunikationssystem an das internationale Datenzentrum der CTBTO in Wien übermittelt. Dort werden sie ausgewertet, an die Unterzeichnerstaaten verteilt und archiviert.

Hintergrund:

Zur Zeit sind auf der Station Schauinsland zwei Messsysteme installiert:

1. Ein Messgerät für partikelgebundene Radioaktivität: Es handelt sich dabei um das U.S.-amerikanische System RASA. Täglich werden ca. 24.000 Kubikmeter Luft erfasst und auf gammastrahlende Spaltprodukte untersucht. Die Nachweisgrenze beträgt 10 Mikrobecquerel pro Kubikmeter bezogen auf Barium-140.
2. Das französische System SPALAX für Radioxenon. Die Messung der radioaktiven Edelgase (Xenon 131m, Xenon 133m, Xenon 133 und Xenon 135) hat ein besonderes Gewicht, da auch bei unterirdischen Versuchen häufig Radioxenon in geringen Mengen austritt und bei entsprechenden empfindlichen Messungen nachgewiesen werden kann. Wichtig ist hierbei, dass die Messungen klar zwischen Verdachtsmomenten und sonstigen zivilen Quellen verlässlich unterscheiden können.


Mit dem Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen vom 24.9.1996 verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, auf nukleare Testexplosionen jedweder Art zu verzichten. Bisher haben 175 Staaten unterzeichnet und 121 Staaten ratifiziert. Der Vertrag ist bisher noch nicht formell in Kraft getreten, weil die Ratifizierung von 11 Staaten aus einer besonderen Gruppe von 44 Staaten mit "nuklearen Kapazitäten" noch aussteht, darunter auch die der USA.

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