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RUB-Finanzmarktforum: Vertrauen schaffen, Kunden binden - Wege aus der Krise der deutschen Kreditwirtschaft

22.06.2005 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Ein Vertrauensverhältnis aufbauen, den Kunden kontinuierlich betreuen, offen und ehrlich kommunizieren: Nur wenn sich die deutschen Banken auf diesem Wege glasklar profilieren, gelingt es ihnen dauerhaft, die Krise zu überwinden. Das ist das zentrale Ergebnis des vierten Finanzmarktforums in der RUB am 21.6., veranstaltet von der Wochenzeitung DIE ZEIT und dem Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der RUB (ikf). Untermauert wird dies durch aktuelle Forschungsergebnisse des Bochumer ikf. Eine Befragung zur Kundenzufriedenheit zeigt, dass nur wenige Banken ein deutlich wahrnehmbares Profil haben. Bochum, 21.06.2005
Nr. 196

Vertrauen schaffen, Kunden binden
Deutsche Kreditwirtschaft: Der Weg aus der Krise
4. Finanzmarktforum in der RUB

Ein Vertrauensverhältnis aufbauen, den Kunden kontinuierlich betreuen, offen und ehrlich kommunizieren: Nur wenn sich die deutschen Banken auf diesem Wege glasklar profilieren, gelingt es ihnen dauerhaft, die Krise zu überwinden. Das ist das zentrale Ergebnis des vierten Finanzmarktforums in der RUB am 21.6., veranstaltet von der Wochenzeitung DIE ZEIT und dem Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der RUB (ikf). Untermauert wird dies durch aktuelle Forschungsergebnisse des Bochumer ikf. Eine Befragung zur Kundenzufriedenheit zeigt, dass nur wenige Banken ein deutlich wahrnehmbares Profil haben.

Primus Air Berlin

Das Motto des Abends war nicht zufällig der Luftfahrt entliehen: Sind die Banken "ready for take-off", lautete die Frage, denn ehe es um die Turbulenzen der Kreditbranche ging, berichtete zunächst einmal der Primus der "Billigflieger" über sein Erfolgsrezept. Joachim Hunold, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Air Berlin, legte dar, wie er innerhalb von 14 Jahren zum Europa- und Vizeweltmeister in der Kundenzufriedenheit avancierte: große Flughäfen meiden und weiter in die Fläche gehen, die Kostenstruktur schlank halten und auf verschiedenen Vertriebswegen (Internet, 24-Stunden-Kundenservice) konsequent auf Service, Beratung und Qualität setzen, dabei aber zugleich einen günstigen Preis wählen.

In der zweiten Liga

Die deutsche Kreditwirtschaft könne von diesem Erfolgsmodell lernen, stehe sie doch vor vergleichbaren Problemen und Fragen und suche nach Lösungen, sagte Prof. Dr. Stephan Paul (ikf). Der Finanzexperte stellte der Branche insgesamt schlechte Noten aus: "Die Erlöse sind schlecht, die deutsche Kreditwirtschaft insgesamt spielt nicht in der Champions League, sondern in der zweiten Liga", so Paul.

Profil bilden, Profil zeigen

Einzig die Sparkassen und Genossenschaftsbanken erzielten heute (noch) nennenswerte Gewinne. Zudem verfügten sie über ein Profil, das die Kunden erkennen. In zwei wirtschaftlichen Kernzonen Nordrhein-Westfalens haben Bochumer Forscher um Prof. Paul Bankkunden zu ihrer Zufriedenheit befragt. Das Ergebnis: Nicht nur die Kunden von Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehen "ihr" Kreditinstitut als profiliert an, auch in der Wahrnehmung aller Bankkunden schneiden diese Häuser am besten ab. Pauls Fazit: "Auf den Captain kommt es an! Eine individuelle Profilierungsstrategie kann durchaus gelingen, und Investitionen in Flotte und Crew sind der Garant für einen Renditeschub in der Branche."

Klar fokussierter Markt als Alleinstellungsmerkmal

Die Teilnehmer an der Diskussion auf dem Bochumer Finanzmarktforum schlossen sich für ihre Häuser diesem Fazit an. "Wenn die Sparkassen nicht erfunden worden wären, müssten sie heute erfunden werden", sagte Thomas Fischer, Vorsitzender des Vorstandes der WestLB, mit Blick auf das aus seiner Sicht erfolgreiche Geschäftsmodell. Michael Fraedrich (WGZ-Bank) kritisierte zu schnelle strategische Wechsel bei den Privatbanken - die feste Struktur der Genossenschaftsverbünde und die starke Verankerung der Mitarbeiter vor Ort verhindere dies im genossenschaftlichen Sektor, so Fraedrich. "Wir sind in der Fläche präsent und haben einen klar fokussierten Markt, das ist unser Alleinstellungsmerkmal."

Von den USA lernen

Was also können die deutschen Privatbanken tun? Den Weg ins Ausland zu wählen und Verluste auf dem deutschen Markt dort zu kompensieren, sehen die Telnehmer am Bochumer Finanzmarktforum nicht als Königsweg. Jürgen Fitschen ("das Gesicht der Deutschen Bank", Prof. Paul) kritisierte, dass Deutschland endlich von den USA lernen müsse: Dort werde mit Risiken gehandelt, statt sie nur zu tragen. "Überall auf der Welt passiert das Gleiche, warum dauert es so lange, bis es hier verstanden wird", fragte Fitschen. Immerhin: Die Fusion der HypoVereinsbank mit der italienischen Unicredit trage dazu bei, das Thema Erlösschwäche deutscher Banken auch hierzulande "endlich besser zu vermitteln", so Fitschen. Christian Graf von Bassewitz (Bankhaus Lampe) schließlich erteilte als profilierter Privatbankier dem integrierten Konzern (Allfinanz) eine klare Absage: "Die Krise lässt sich bewältigen. Die Privatbanken müssen sich jedoch auf ihr Kerngeschäft beschränken - ohne Ausflüge in andere Geschäftsfelder, von denen sie möglicherweise nur wenig verstehen." Graf von Bassewitz schloss sich dem Fazit von Prof. Paul an: "Auf den Chef kommt es an! Der Chef kennt seine Kunden beim Namen." Die Qualität der Beratung sei das A&O, so von Bassewitz.


Weitere Informationen

Dr. Stefan Stein, Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft (ikf) der RUB, Tel. 0234/32-25344, E-Mail: stefan.stein@rub.de
Weitere Informationen: http://www.ruhr-uni-bochum.de/aktuell/2005/06-finanzmarkt/index.htm Fotos zu dieser Presseinformation
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