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IAMO-FORUM 2005: Agrar- und Lebensmittelmärkte im erweiterten Europa

22.06.2005 - (idw) Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Vom 16. bis 18. Juni fand in Halle (Saale) das dritte "IAMO Forum" statt. In diesem Jahr standen die Märkte des Agrar- und Ernährungssektors im Mittelpunkt. Zum Thema "Wie geschickt ist die unsichtbare Hand? Agrar- und Lebensmittelmärkte in Mittel- und Osteuropa" diskutierten Experten aus Wirtschaft, Verbänden, Politik und Wissenschaft über Formen des wirtschaftlichen Austauschs in den ehemals zentralverwalteten Ländern. Der erste Konferenztag galt dem wissenschaftlichen Austausch, mit vielfach theoretisch-methodisch orientierten Beiträgen. Am Freitag, dem "IAMO Tag", richteten sich die Referenten verstärkt auch an Politik, Wirtschaft und die breite Öffentlichkeit. Im Rahmen der Exkursion am Samstag, die zur Molkerei der Sachsenmilch AG in Leppersdorf, Sachsen, führte, wurden am konkreten Beispiel Fragen der Koordination zwischen Milcherzeugung, Verarbeitung und Handel im Dreiländereck Deutschland - Polen - Tschechien behandelt.
Einen inhaltlichen Schwerpunkt des IAMO FORUM 2005 bildeten die hochdynamischen Konzentrations- und Verflechtungsprozesse, die derzeit in den neuen und zukünftigen EU-Mitgliedsländern und in den Staaten der GUS zu beobachten sind. Durch vertragliche Bindungen oder Eingliederung in horizontale und vertikale Ketten reagieren viele Unternehmen auf Verbraucherwünsche bzw. auf die Herausforderungen zunehmenden globalen Wettbewerbs. Supermarktketten, Verarbeitungsfirmen mit "eigenen" Rohstofflieferanten sowie agro-industrielle Komplexe von bisher nicht gekannter Dimension sind Beispiele hierfür. Durch diese Entwicklungen können einerseits Effizienzpotentiale genutzt werden, andererseits besteht die Gefahr, dass strategisches Verhalten übermächtiger Verbünde die allgemeine Wohlfahrt beeinträchtigt. Die Frage, inwieweit staatliche Rahmensetzungen bzw. Markteingriffe sinnvoll sind, um eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu fördern, wurde in vielen der Beiträge berührt.
Prof. Johan Swinnen von der Universität Leuven (Belgien) zeigte die rasante Entwicklung von Supermarktketten in den neuen Mitgliedsländern der EU sowie in Staaten der GUS auf. Supermärkte führten noch Mitte der 90er Jahre in Ländern wie Polen, Tschechien und Ungarn mit einem Anteil am Lebensmittelumsatz von unter 5% ein Schattendasein. Bis zum Jahre 2003 stieg dieser Anteil bereits auf 40-50 %. Eine weitere Charakteristik in der Entwicklung ist der hohe Anteil ausländischer Supermarktketten. Problematisch ist, dass die hohen Anforderungen der Supermarktketten für viele ihrer Lieferanten aus Landwirtschaft und Ernährungsindustrie nur schwer zu erfüllen sind und damit den Konkurrenzdruck und Strukturwandel erheblich verstärken. Auf der anderen Seite betont der Autor, dass denjenigen Produzenten, die diese Anforderungen erfüllen können, durch die Supermärkte ein großes Konsumentenpotential erschlossen wird, was für ihre langfristige Behauptung am Markt eine entscheidende Voraussetzung sein kann.
Staatliche Regulierungen und bürokratische Hürden beim Bodentransfer und deren Auswirkungen wurden von Prof. Zvi Lerman kritisiert. So lassen große Unterschiede in der Bodenproduktivität zwischen gefährdeten Großbetrieben und hocheffizienten Einzelunternehmen in Russland die Realisierung enormer Produktionspotentiale erwarten, wenn ein größerer Anteil des Bodens zu den effizienten Betrieben wandern würde. In einer Studie über den polnischen landwirtschaftlichen Bodenmarkt zeigte A. Hurrelmann, Berlin, dass die Entscheidung zwischen Pacht und Kauf als Form des Transfers neben Unterschieden im bürokratischen Aufwand auch von persönlichen Wertungen und Aidan O`Connor, Mitarbeiter des Lebensmittel- und Veterinäramtes (FVO) der EU, sprach zu Fragen der Lebensmittelsicherheit. Die Behörde wurde 1997 nach den Skandalen um BSE und Dioxin eingerichtet und ist mit der Überprüfung der offiziellen Lebensmittel- und Veterinärkontrollen der Mitgliedsländer beauftragt. Die Kontrollen beschränken sich aber nicht auf die Mitgliedsstaaten der EU, sondern beziehen ebenfalls die Beitrittskandidaten und weitere Drittländer (aus denen die EU Nahrungsmittel importiert) mit ein. In den Jahren zwischen 2001 und 2003 stand die Vorbereitung des Beitritts der zehn neuen Mitgliedstaaten im Mittelpunkt.

Darüber hinaus wurde ein großes Spektrum weiterer Themen von den über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 23 Ländern diskutiert. Die Mehrzahl der Beiträge ist auf der Website www.iamo.de/forum2005 verfügbar.
Weitere Informationen: http://www.iamo.de/forum2005
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