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Ernst Haeckels Politisierung der Biologie

21.07.2005 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wissenschaftshistoriker der Universität Jena verfassen neue Ausgabe der "Blätter zur Landeskunde Thüringen" Jena (21.07.05) Ernst Haeckel (1834-1919) kann als Begründer der Ökologie gelten - verwendete er den Begriff doch 1866 erstmals in Jena, wo er ab 1862 als Professor für Zoologie an der Universität lehrte. Bekannt wurde er jedoch vor allem als "deutscher Darwin". Charles Darwin hatte in seiner Evolutionslehre die Idee formuliert, den Menschen als Teil eines Naturgefüges zu betrachten und demnach auch seine Kultur als ein Naturphänomen in den Blick zu nehmen. Solche evolutionsbiologischen Ideen, die Haeckel in Deutschland verbreitete, gerieten leicht in den Sog von Philosophie und Politik, wie eine neue Ausgabe (Nr. 35) der "Blätter zur Landeskunde Thüringen" darlegt. Die Wissenschaftshistoriker PD Dr. Uwe Hoßfeld und Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach von der Universität Jena präsentieren in Kurzform "Ernst Haeckels Politisierung der Biologie".

Haeckel war nicht nur führender Denker und Popularisierer seines Fachs. Er hat ebenfalls dafür gesorgt, dass seine weltanschaulichen Gedanken möglichst weite Verbreitung fanden. Dazu gründete er u. a. 1906 den "Deutschen Monistenbund". In dieser Vereinigung wurden die allgemeinen philosophischen Konsequenzen der Evolutionsbiologie im Haeckel'schen Sinne, wonach sich alle Vorgänge der Welt auf ein einziges Ordnungsprinzip zurückführen lassen, proklamiert. Aus der intensiven Diskussion um die Evolutionslehre und ihre gesellschaftlichen Implikationen ergab sich ein direkter Zusammenhang mit den Theorien des Sozialdarwinismus, der Eugenik, Euthanasie, "Rassenkunde" und "Rassenhygiene".

Auf Grund seiner Bedeutung erlangten Haeckel und seine Anhänger zur Lebenszeit des Biologen fast ein Informationsmonopol - und beherrschten somit wissenschaftliche wie öffentliche Meinungsbildung auf diesem Feld. Dennoch lösten Haeckels Thesen, wie die Jenaer Wissenschaftshistoriker darlegen, rasch auch Gegenbewegungen aus - sowohl zu seinen biologischen Thesen als auch zu Haeckels scharfen Kritiken, etwa an der Kirche.

Dass Haeckels drastische Thesen und seine oft polemische Kritik in vielen Bereichen der Politik - und dies über Jahrzehnte hinweg - Gehör fand, schien fast zwangsläufig. Haeckel befürwortete u. a. eine praktische Eugenik, warb - mit vermeintlich evolutionsbiologischen Gründen - für die Todesstrafe und positionierte sich im Ersten Weltkrieg in extrem chauvinistischer Weise. "So konnte Haeckel in den 1930er Jahren leicht im Sinne der nationalsozialistischen Rassenlehre vereinnahmt werden", wie Hoßfeld und Breidbach schreiben. Doch bereits zuvor im Kaiserreich und der Weimarer Republik als auch danach im Sozialismus wurde Haeckel politisch ,eingemeindet' und im jeweils passenden Sinn interpretiert.

All dies stellt die neue Broschüre in allgemeinverständlicher Form dar. Sie ist gegen Einsendung eines frankierten Rückumschlags kostenlos erhältlich bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt (www.thueringen.de/de/lzt).
Weitere Informationen: http://www.thueringen.de/de/lzt
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