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Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf: Klaus-Grohe-Preise für Medizinische Chemie

25.08.2005 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Zum zweiten Mal seit der Einrichtung der Klaus-Grohe-Stiftung bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) werden am 13. September in Düsseldorf aus Anlass der GDCh-Jahrestagung Klaus-Grohe-Preise für Medizinische Chemie vergeben. Nach 2004 sind es wiederum drei junge Wirkstoffforscher, die mit je 2000 Euro ausgezeichnet werden: Dr. Frank Böckler (Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. Dirk Gottschling (Bayer HealthCare, Wuppertal) und Dr. Sarah Ulmschneider (Universität des Saarlandes). Die Verleihung erfolgt im Rahmen des Klaus-Grohe-Symposiums, in dem der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie, Dr. Hans Ulrich Stilz (Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt), neben den Vorträgen der Preisträger über die Strategien für die Leitstrukturfindung und Leitstrukturoptimierung spricht.

Leitstrukturen für die Wirkstofffindung in der Medizinischen Chemie ergeben sich beispielsweise aus körpereigenen oder pflanzlichen Naturstoffen oder auch aus synthetischen Substanzen. Sie sind die Grundlage für das strukturbasierte Wirkstoffdesign. In den meisten Fällen entfaltet eine Substanz nur dann eine biologische Wirkung, wenn sie mehr oder weniger intensiv an das Zielmolekül (Rezeptor) im Körper bindet, "andockt", und damit den Zugang eines - im Falle einer Erkrankung unerwünschten - natürlichen Liganden unterbindet.


Frank Böckler befasst sich u. a. damit, die Entwicklung von Liganden pharmakologisch relevanter G-Protein gekoppelter Rezeptoren mit ligand- und strukturbasierten Modeling-Ansätzen zu unterstützen (G-Protein gekoppelte Rezeptoren nehmen eine Schlüsselrolle bei der Signalübertragung ein). Aufgrund der bekannten Wirkungsweisen dopaminerger Systeme im zentralen Nervensystem sollen antipsychotische sowie neuroprotektive Effekte von selektiven Agonisten und Antagonisten (Nachahmer bzw. Gegenspieler) auf molekularer Ebene verstanden werden. In seiner Doktorarbeit, die er vor einem Jahr am Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg mit Auszeichnung abschloss, untersuchte er die Struktur-Aktivitätsbeziehungen computerchemisch und pharmakologisch. Böckler hatte 2001 seine Approbation als Apotheker erhalten. Zur Zeit habilitiert er sich.

Dirk Gottschling studierte Chemie in Ulm, Heidelberg (Diplomarbeit) sowie an der TU München (Promotion) und ging nach einem Postdoktorat an der Universität Cambridge (GB) 2004 als Laborleiter zur Bayer HealthCare AG nach Wuppertal. In seiner Doktorarbeit untersuchte er potentielle Wirkstoffe für entzündliche Darmerkrankungen, und zwar selektive und potente Antagonisten für ein bestimmtes Integrin. (Integrine sind Rezeptoren auf der Oberfläche der Lymphozyten und werden von diesen genutzt, um ins Gewebe einzutreten und dort Entzündungsreaktionen auszulösen.) In seinem Postdoktorat befasste sich Gottschling mit dem Naturstoff Spongistatin-1, das wie alle Vertreter dieser Familie auch gegenüber chemoresistenten Tumorarten eine sehr gute Wirkung zeigt.

Sarah Ulmschneider arbeitet über neuartige Therapeutika bei Herzinsuffizienz und nach dem Myokardinfarkt, bei denen häufig erhöhte Aldosteron-Spiegel eine Rolle spielen. Ein neues innovatives Therapieprinzip verhindert die Aldosteronbiosynthese, in dem es das Enzym Aldosteronsynthase hemmt. Frau Ulmschneider hat neue, bereits sehr gut optimierte Leitstrukturen für solche Hemmstoffe synthetisiert, biologisch getestet und weiterentwickelt. Sie hat am Lehrstuhl für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der Universität des Saarlandes kürzlich ihre Promotion abgeschlossen. Das Studium der Chemie hatte sie bis zum Diplom an der Universität Köln absolviert.

Die Medizinische Chemie steht in einem weiteren Symposium, das gemeinsam mit der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie veranstaltet wird, auf der GDCh-Jahrestagung im Mittelpunkt. Darin geht es anhand von Beispielen aus der Forschung um die Frage, wie sich heute die organische Synthesechemie in die Wirkstoffentwicklung einbringt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Im Jahr 2001 hat das Ehepaar Klaus und Eva Grohe bei der GDCh die Klaus-Grohe-Stiftung errichtet, die hochqualifizierte junge Menschen anregen will, sich dem anspruchsvollen interdisziplinären Wissenschaftsfeld der Wirkstoffforschung zuzuwenden, und die erste Erfolge auf diesem Gebiet auszeichnet. Dr. Klaus Grohe entwickelte während seiner beruflichen Tätigkeit als Forschungschemiker bei der Bayer AG mit großem Erfolg wichtige innovative Medikamente.

Weitere Informationen: http://www.gdch.de
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