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Heidelberger Akademie der Wissenschaften gratuliert Lothar Ledderose zur Verleihung des Balzan-Preises 2005

20.09.2005 - (idw) Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Interview mit dem Preisträger - Akademieprojekt "Buddhistische Steinschriften in China" wird Forschungsschwerpunkt sein Am 6. September wurde Lothar Ledderose der mit einer Million Schweizer Franken, dies entspricht rund 660.000 Euro, dotierte Balzan-Preis verliehen. Dieser gilt seinem Rang nach als dem Nobelpreis vergleichbar und damit als eine der höchsten Auszeichnung für Kulturwissenschaftler. "Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften beglückwünscht Herrn Ledderose herzlich zu dieser außerordentlichen Auszeichnung. Es freut uns besonders, dass die Akademie durch das Projekt "Buddhistische Felsschriften in China" an der Forschung teilhat, für die Sie ausgezeichnet worden sind", so Prof. Dr. Peter Graf Kielmansegg, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Lothar Ledderose ist das zweite Mitglied der Heidelberger Akademie, das den Balzan-Preis erhält. 1996 wurde er bereits an den Historiker Prof. Dr. Arno Borst verliehen.



Der Balzan-Preis wird alljährlich in vier wissenschaftlichen Kategorien durch die italienisch-schweizerische Balzan-Stiftung vergeben. Gegründet wurde die Stiftung von Angela Lina Balzan zum Andenken an ihren Vater, den Journalisten und Unternehmer Eugenio Balzan. Sein Vermögen bildete den Grundstock der Stiftung. Ziel der Stiftung ist es, weltweit geistes-, naturwissenschaftliche und kulturelle Leistungen sowie humanitäre Verdienste für Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern zu fördern. Nationalität, Rasse und Religion spielen dabei keine Rolle. Den Preis nimmt Ledderose am 11. November in Bern entgegen. Seit 1961 wurden 106 Persönlichkeiten und Hilfsorganisationen mit dem Preis bedacht. Ledderose ist Professor für Ostasiatische Kunstgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität und seit 1986 Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Er gilt als einer der angesehensten Kunsthistoriker und Sinologen weltweit.
Über die Bedeutung des Preises für seine Forschung äußert sich Prof. Dr. Lothar Ledderose in einem Interview gegenüber Dr. Johannes Schnurr, Pressereferent der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Schnurr: Was bedeutet es für Sie, den Balzan-Preis erhalten zu haben? Er ist ja im Rang dem Nobelpreis vergleichbar.
Ledderose: Für mich persönlich ist der Balzan-Preis ein Höhepunkt in meinem Leben. Besonders freue ich mich, dass damit das Fach Ostasiatische Kunstgeschichte in seiner Bedeutung anerkannt und gefördert wird, und dass mir der Preis die Möglichkeit gibt, Nachwuchswissenschaftler zu unterstützen.

Schnurr: Was gab Ihrer Ansicht nach den Ausschlag für diese Auszeichnung?
Ledderose: Soweit ich vernommen habe, wurde ich von einer Reihe von akademischen Institutionen im In- und Ausland, darunter auch solchen in Ostasien, vorgeschlagen. Ich nehme an, dass meine Bemühungen, die ostasiatische Kunstgeschichte im Westen bekannter und im Rahmen einer Weltkunstgeschichte verständlich zu machen, Anerkennung gefunden haben.

Schnurr: Mit einer Million Schweizer Franken, dies entspricht 660.000 Euro, ist der Preis recht hoch dotiert. Was fangen Sie mit diesen Mitteln an?
Ledderose: Die Stiftung sieht vor, dass die Hälfte des Geldes für wissenschaftliche Projekte eingesetzt wird, die von Nachwuchsforschern bearbeitet werden. Ich werde der Stiftung vorschlagen, einen Teil der Summe für das von mir geleitete Projekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften "Buddhistische Steinschriften in China" zur Verfügung zu stellen.

Schnurr: Ernst Bloch sprach einmal von der "Melancholie des Erreichten". Kennen Sie ein solches Gefühl oder wird gerade durch den wissenschaftlichen Erfolg der faustische Impetus weiter befeuert?
Ledderose: Das Gefühl kenne ich noch nicht! Im Gegenteil, die Verleihung des Balzan-Preises ist für meine Mitarbeiter und mich ein enormer Motivationsschub. Unsere Arbeit in China hält uns so in Atem, dass wir für Melancholie fürwahr noch keine Zeit haben.

Schnurr: Ihr Projekt "Buddhistische Steinschriften in China" wurde als eines der ganz wenigen Neuvorhaben in das sonst von Kürzungen bedrohte Akademienprogramm aufgenommen. Was dürfen wir von diesem Vorhaben in den nächsten Jahren erwarten?
Ledderose: In enger Zusammenarbeit mit chinesischen, aber auch japanischen Spezialisten erforschen wir epigraphische Monumente des Buddhismus in China. Eines der Ergebnisse wird sein, dass das Fach Kunstgeschichte, welches in Deutschland eine große Tradition hat, durch die intensive Auseinandersetzung mit China neue Impulse erhält. Das Projekt ist ein Modellfall für eine globale Kooperation nach internationalem Standard. Auch in der Gruppe der Nachwuchswissenschaftler, die wir fördern, arbeiten Deutsche und Chinesen Seite an Seite.

Schnurr: Was meinen Sie konkret mit Förderung des Nachwuchses?
Ledderose: Als ich 60 Jahre alt wurde, habe ich darüber nachgedacht, dass ich einige Dinge vielleicht nicht mehr so gut machen kann wie früher - andere dafür aber besser. Zu dem, was ich nun besser machen kann, gehört die gezielte Förderung junger Kollegen. In unserem Projekt wird die Arbeit von Deutschen und Chinesen nach dem gleichen Maßstab bewertet. Das bedeutet für die deutschen Nachwuchsforscher vor allem auch eine sprachliche Anforderung. Die enge Zusammenarbeit mit chinesischen Studenten und Wissenschaftlern im Land hilft uns, auch unser Niveau in Deutschland noch weiter zu erhöhen. Zudem haben die jungen Leute eine seltene Gelegenheit, in China selbst praktische Erfahrung in der Feldforschung zu sammeln.

Schnurr: Welche weiteren Projekte werden Sie in den nächsten Jahren vor allem beschäftigen?
Ledderose: Das Akademieprojekt ist enorm vielfältig und anspruchsvoll und wird meine Energie auf längere Zeit binden. Dennoch denke ich daran, vielleicht einmal ein Buch über Paradiesvorstellungen und -darstellungen in Ostasien zu schreiben.

Schnurr: Welche Erkenntnisinteressen hat der Wissenschaftler Ledderose außerhalb des engeren Bezirks seiner sinologischen und kunsthistorischen Forschungen?
Ledderose: In jungen Jahren habe ich mich auch als Pianist ausgebildet und es sogar so weit gebracht, dass ich einmal im Radio spielen durfte. Seitdem habe ich den Traum, einen richtigen Konzertflügel zu besitzen. Diesen Wunsch kann ich mir nun vielleicht erfüllen.

Schnurr: Herr Ledderose, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.



Rückfragen bitte an
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de
sowie
Dr. Claudia Wenzel
Forschungsstelle Buddhistische Steinschrifen
Telefon 06221 / 54 39 67
Fax: 06221 / 54 33 84
E-Mail: claudia.wenzel@urz.uni-heidelberg.de
sowie
Prof. Dr. Lothar Ledderose
Forschungsstelleleiter
E-Mail: oakg@gw.sino.uni-heidelberg.de

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