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Was wird wie warum und mit welchen Folgen erinnert? DGfE-Kommissionen tagen in Augsburg

20.09.2005 - (idw) Universität Augsburg

Vom 26. bis zum 28. September befassen sich die DGfE-Kommissionen Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung und Psychoanalytische Pädagogik auf ihrer Herbsttagung 2005 mit dem Thema: "Erinnerungsarbeit - Zum Verhältnis von Psychoanalyse und Biographieforschung".
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Gut zwanzig Vorträge und AG-Beiträge umfasst das Programm der Herbsttagung der DGfE-Kommissionen Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung und Psychoanalytische Pädagogik, die in diesem Jahr vom 26. bis zum 28. September in Augsburg stattfindet. Ausrichterin dieser Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft ist die Inhaberin des Augsburger Lehrstuhls für Pädagogik/Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung, Prof. Dr. Hildegard Macha. Die Tagung wird am 26. September um 14.00 Uhr in der Tagungsstätte Haus St. Ulrich (Kappelberg, 86150 Augsburg) eröffnet (Programm im Anhang). ZUM TAGUNGSTHEMA

"Erinnerung", so Macha zum diesjährigen Tagungsthema, "ist eine Kategorie oder zumindest ein Thema, das in vielfältiger Weise Theorie und Praxis der pädagogischen Disziplin durchzieht. Erinnerung ist konstitutiv für Lebensgeschichten, für Identitätsentwicklung und für Bildungsprozesse Einzelner. Sie formt vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwürfe von Gesellschaften, Kulturen und Nationen.

Erinnerung repräsentiert jedoch weder ein objektives, allgemeingültiges, vollständiges und/oder statisches Wissen über die vergangenen Ereignisse der Weltzeit noch über die der individuellen Lebenszeit. Sie ist leibbezogen, subjektiv, gruppengebunden, bruchstückhaft und befindet sich in einem beweglichen Kontinuum zwischen Wahrnehmung und Interpretation, zwischen sinnlichem Eindruck und symbolischem Ausdruck, zwischen Tradition und Transformation.

Der Zusatz "Arbeit" verweist auf einen weiteren Bedeutungshof, nämlich den Modus der Konstruktion. Er hebt den Prozess der kreativen prozessualen Produktion hervor, mithin der subjektiven, individuellen, familiären, generationalen, regionalen und kollektiven Verarbeitungen von (erlebten und gehörten) Geschichten. Betont wird damit ebenso, dass Sich-erinnern und/oder Vergessen mit dem Einsatz von Anstrengung, Mühsal und Plage (= Arbeit) einhergeht, denn sowohl die Lenkung der Aufmerksamkeit auf einen Erinnerungsfokus als auch der Versuch zur Vermeidung konfliktträchtiger Erinnerungen bedarf der Kraftaufwendung."

EIN THEMA FÜR BIOGRAPHIEFORSCHUNG UND PSYCHOANALYSE

Die Tagungsthematik folgt dieser Leitlinie: Was wird wie warum und mit welchen Folgen erinnert? Dies ist eine Frage, die Biographieforschung und Psychoanalyse eint und zugleich die Gegenfrage aufwirft: Was wird wie warum und mit welchen Folgen "nicht" erinnert?

POTENTIALE UND GRENZEN DER VERSCHIEDENEN ANSÄTZE

Der Titel der Tagung versteht sich somit als doppelte Programmatik. Zum einen soll rekonstruiert und diskutiert werden, wie die methodischen und theoretischen Zugänge der beiden Forschungsrichtungen zur Erinnerungsarbeit aussehen. Zum anderen sollen die jeweiligen Potentiale und Grenzen anhand einer auch historisch und kulturell orientierten gemeinsamen Erinnerungsarbeit während der Tagung ausgeleuchtet werden, um auf diesem Weg neue Forschungsfragen und -perspektiven zu entwickeln.
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WEITERE INFORMATIONEN UND ANMELDUNG:
Andrea Steinbach
c/o Lehrstuhl Prof. Dr. Hildegard Macha
Universität Augsburg
Universitätsstraße 10
86159 Augsburg
Telefon 0821/598-5560
andrea.steinbach@phil.uni-augsburg.de
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TAGUNGSPROGRAMM
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MONTAG 26. SEPTEMBER 2005

14.00 Uhr: Begrüßung durch den Dekan der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät sowie Hildegard Macha und die Sprecherinnen der Kommissionen - Jutta Ecarius und Margret Dörr

14.30 - 18.15 Uhr: Plenarvorträge und Diskussion

14.30 Uhr: Eröffnungsvortrag von Jürgen Körner (Berlin): Erinnern oder Zurückphantasieren? Über "Nachträglichkeit" in der Psychoanalyse.

15.30 Uhr: Winfried Marotzki/Benjamin Jörissen (Magdeburg): Erinnerungsbilder im Film

16.50 Uhr: Margit Datler/Wilfried Datler (Wien): Hat sich die Psychoanalyse von der "Erinnerungsarbeit" verabschiedet?

17.40 Uhr: Volker Kraft (Kiel/Neubrandenburg): Methodische Probleme der Psychoanalytischen Biographik

19.30 - 20.30 Uhr (Abendvortrag): Jörg Frommer (Magdeburg): Psychoanalyse und Qualitative Sozialforschung: Zur Zukunft des Verhältnisses beider Disziplinen

DIENSTAG, 27. SEPTEMBER 2005

9.00 Uhr: Hildegard Macha (Augsburg): Familiennarrationen und individuelle Biographien der Familienmitglieder

10.30 - 13.00 Uhr: Arbeitsgruppen

AG 1: Erinnerungsarbeit in biographischen Umbruchsprozessen (Moderation: Margret Dörr, Saarbrücken)
o Birgit Schreiber (Bremen): Verfehlte und mögliche Begegnungen mit Harry Young - zwei Interpretationen einer Lebensgeschichte
o Kerstin Dietzel (Magdeburg): Zur Bedeutung der Erinnerung für biographische Wandlungsprozesse. Diskutiert am Beispiel einer Befragung von Angehörigen der Opfer der SED-Diktatur
o Reinhold Stipsits (Wien): Erinnerungen an den Umbruch - Weihnachten 1989 in Transilvanien

AG 2: Erinnerungsarbeit als biographische Orientierung (Moderation: Heide von Felden, Mainz)
o Nicole Welter (Mainz): Die Theorie der moralischen Stimmen zur Analyse von Selbst-Bildungsprozessen
o Sylke Bartmann (Mainz)/Sandra Tiefel (Magdeburg): Biographische Ressourcen und Biographische Reflexion: zwei sich ergänzende Konzepte zur Analyse subjektiver Sinn- und Zusammenhangsbildung
o Birgit Schaufler (Augsburg): Vergangene Zukunft - Erinnerungsarbeit als Arbeit am zu lebenden Leben
o Martina Becker (Wien): WertErleben im biographischen Rückblick

14.15 Uhr: Christiane Micus-Loos (Berlin): Erinnerungsarbeit in ausgewählten Autobiographien des 20. Jahrhunderts

15.00 Uhr: Jürgen Zinnecker/Imbke Behnken/Dieter Nittel (Siegen): Die Generation der Kriegskinder - Verarbeitung von Kriegskindheitserfahrungen

16.15 - 18.15 Uhr: Arbeitsgruppen

AG 3: Erinnerungsarbeit mit verschiedenen Medien (Moderation: Regina Klein, Feldkirchen)
o Petra Grell (Hamburg): "Im Bild erinnert - aus der Sprache gefallen?" Bild-Text-Collagen als Forschungs- und Reflexionsinstrument
o Friederike Fetting (Siegen): Das Theaterspiel -Schöpferische Rekonstruktion
o Barbara Schulte-Steinicke (Berlin): Kreatives Biografisches Schreiben als Erinnerungsarbeit

AG 4: Erinnerungsarbeit in verschiedenen Professionen (Moderation: Burkhard Schäffer, Magdeburg)
o Fritz Seydel (Hannover): Biografische Entwürfe - ästhetische Verfahren in der Lehrerinnen(aus)bildung
o Gundel Mattenklott (Berlin): Kindheitserinnerungen in der Lehrerbildung

19.30 Uhr: Mitgliederversammlung der Kommissionen


MITTWOCH 28. SEPTEMBER 2005

9.00 Uhr: Regina Klein (Feldkirchen): Kultur erinnernd verstehen - der Versuch einer reflexiven Begegnung zwischen Biographieforschung, Psychoanalyse und Cultural Studies

9.45 Uhr: Rolf Haubl (Frankfurt): Erinnerungsarbeit: Über die Konstruktion individueller und kollektiver Autobiographien

12.00 Uhr: Theodor Schulze (Bielefeld): Kriegsende 1945 - Erinnerungsarbeit in einer Schreibwerkstatt. Zum Verhältnis von individueller Erinnerung und kollektivem Gedenken.

13.00 Uhr: Ende der Veranstaltung

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