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Revolution der Erkenntnis - Balzan Preisträger Jerome S. Bruner wird 90 Jahre alt

21.09.2005 - (idw) Internationale Balzan Stiftung "Fonds"

Zürich, 20. September - Generationen von Schulkindern müssten dem weltberühmten Humanpsychologen noch heute dankbar sein. Denn Jerome Seymour Bruner, am 1. Oktober 1915 in New York geboren, veränderte grundlegend unser Verständnis vom menschlichen Lernen. Bruner und seine Mitstreiter der "kognitiven Revolution" in den 60er Jahren machten das Kind zum Subjekt seiner Entwicklung. In "The Process of Education" (1960) und "Towards a Theory of Instruction"(1966) beschreibt Bruner das Kind als aktiven Problemlöser, das nicht überwiegend auf Reize seiner Umwelt reagiert. Mit dieser bis dahin vorherrschenden Vorstellung der Behavioristen räumte Bruner auf - und damit auch mit einer Form der Wissensvermittlung, die den Menschen quasi zum konditionierbaren Staubsauger von Informationen macht. Schon das kleine Kind habe ein "tiefes menschliches Bedürfnis, auf andere einzugehen und mit ihnen gemeinsam an einer Aufgabe zu arbeiten", lautet eine seiner Prämissen.

Bruner entwickelte das Modell der "schraubenförmigen Spirale". Danach könne bereits das Kleinkind die Dinge im Innern betrachten, reflektieren und so sein Bewusstsein auf ein immer höheres Niveau bringen. Und es sei fähig, Informationen ins Bewusstsein zu integrieren, die nicht unmittelbar an die Erfahrung gekoppelt sind: Hunde sind böse, vielleicht auch Schafe, also: Vorsicht vor Tieren! Das Kind strukturiere sich seine ganz individuelle Definition von Umwelt. Die moderne Didaktik wandte sich begeistert dieser entwicklungspsychologischen Schule zu. In den USA und in Großbritannien wurden die Lehrpläne entsprechend geändert. Frontalunterricht war out, lernen in Kleingruppen in.

Für seine lebenslangen Bemühungen, den menschlichen Geist zu verstehen, ehrte ihn die renommierte Internationale Balzan Stiftung 1987 mit dem Balzan Preis, dem heimlichen "Nobelpreis" der Geisteswissenschaften.

Bruner begann seine akademische Karriere 1937 an der Duke University in Durham. 1941 ging er nach Harvard, wo er 20 Jahre lang lehrte und forschte. In den 70er Jahren ereilte ihn der Ruf nach Oxford. Seit 1991 ist Bruner Research Professor an der New York University Law School. Seit Jahren beschäftigt sich Bruner mit kultureller Psychologie. Darin geht er unter anderem der Frage nach, wie Mythen und Erzählungen unser Bewusstsein prägen.

Die Internationale Balzan Stiftung mit Sitz in Mailand und Zürich vergibt jährlich vier Wissenschaftspreise. Jeder Balzan Preis ist mit einer Million Schweizer Franken dotiert (cirka ¤ 660.000). Seit 1961 wurden 106 Persönlichkeiten und Hilfsorganisationen mit dem Balzan Preis geehrt. Die Verleihung der Preise an die diesjährigen Preisträger findet am 11. November im Nationalratssaal in Bern statt. Einer der Preisträger 2005 ist der deutsche Kunsthistoriker und Sinologe Prof. Dr. Lothar Ledderose.

Kontakt:
Robert Mosberg
Pressestelle Deutschland der Internationalen Balzan Stiftung
PUBLICIS Berlin GmbH
Chausseestraße 8
10115 Berlin Fon + 49 . 30 . 820 82-429 Fax + 49 . 30 . 820 82-410Mobil 0171 - 40 76 774
Weitere Informationen: http://www.balzan.com
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