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Unsere Einwanderungsgesellschaft braucht die interkulturelle Öffnung ihrer Hilfeeinrichtungen

23.09.2005 - (idw) Universität Bremen

Jede fünfte Eheschließung in Deutschland ist binational, jedes vierte Neugeborene hat mindestens einen ausländischen Elternteil und jeder dritte Jugendliche hat einen Migrationshintergrund. "Vielfalt ist Normalität", sagt Marieluise Beck, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, und fordert die gesellschaftlichen Institutionen auf, diesen Pluralismus zu nutzen und sich zu öffnen. Ihr öffentlicher Vortrag "Interkulturelle Öffnung der Hilfeeinrichtungen" im Institut für Betriebstechnik und angewandte Arbeitswissenschaft an der Universität Bremen (BIBA) bildet den Auftakt zu dem bundesweiten Fachkongress "Spannungsfeld - Vorurteil und Verständnis" vom 5. bis 7. Oktober in Bremen. Veranstaltet wird die Tagung von den Kinderschutz-Zentren in Kooperation mit dem Arbeitswissenschaftlichen Institut Bremen (AIB) der Universität Bremen sowie mit dem Gesundheitsamt, dem Zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer Refugio, den Erziehungsberatungsstellen, dem Amt für Soziale Dienste, der Beratungsstelle für schulische Förderung von Migrantenkindern, dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften (iaf e.V.).

Mit seinen Vorträgen und Arbeitsgruppen bietet der Kongress einen Querschnitt zu aktuellen Problemen aus den Bereichen Gesundheit, Familie, Gewalt, Recht und Armut. So referiert Prof. Dr. Joachim Gardemann (Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe, FH Münster) zur gesundheitlichen Situation von Kindern mit Migrationshintergrund, und die Berliner Rechtsanwältin Dr. Kerstin Niethammer berichtet zum Kindschaftsrecht mit Auslandsberührung. Prof. Franz J. Heeg von der Universität Bremen behandelt "Methoden der energetischen Psychologie zur Beratung in multikulturellen Kontexten", und Carola Bury von der Arbeitnehmerkammer Bremen widmet sich in ihrem Vortrag dem Thema "Armut als Herausforderung in der professionellen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen". Mit ihrem Bericht "Armut und Gesundheit" machte sie bundesweit Schlagzeilen.

Beck belegt die Aktualität dieser Themen und zeigt den Handlungsbedarf auf: "In Deutschland leben 14 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund", sagt sie und verdeutlicht damit die Größenordnung der Herausforderung, vor der unsere Gesellschaft steht. Erst vor wenigen Tagen legte sie ein Memorandum zur "Integrationspolitik in der Einwanderungsgesellschaft" vor und macht darin unter anderem auf die schlechten Ausbildungsbedingungen insbesondere von Migrantenkindern aufmerksam: 40 Prozent blieben ohne berufliche Qualifizierung. "Hier bahnt sich eine Katastrophe an", sagt Beck und verweist unter anderem auf die Schlüsselfunktion der frühzeitigen Förderung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Und dass besonders in diesem Bereich die Bedarfe kaum noch adäquat gedeckt werden können, zeigt beispielhaft die Arbeit im Bremer Kinderschutz-Zentrum.

Über 6.000 Anrufe registrierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderschutz-Zentrums im vergangenen Jahr und führten allein am Telefon rund 2.000 Beratungsgespräche mit Hilfe suchenden Eltern, Kindern und Jugendlichen. Über die direkte Durchwahl des Bremer Zentrums hatten sie sich gemeldet. Hinzu kommen noch die Anrufe über die zwei bundesweit geschalteten Freecall-Nummern und mehr als 1.000 Beratungen im Kinderschutzzentrum selbst. Vier Psychologinnen und Psychologen arbeiten dort - in Teilzeit. "Ohne unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer könnten wir diesen ständig wachsenden Ansturm nicht bewältigen", sagt die Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Petra Stern. Gut 40 Freiwillige sind es derzeit: vom pensionierten Kinderarzt und der Psychologiestudentin bis hin zum Professor.


Ansprechpartner:

Arbeitswissenschaftlichen Institut Bremen der Universität Bremen
Prof. Franz J. Heeg
Tel. 0421/218-55 55
E-Mail: hee@biba.uni-bremen.de

Kinderschutz-Zentrum Bremen
Tel.: 0421 70 00 37
E-Mail: kinderschutzzentrum.bremen@t-online.de
Weitere Informationen: http://www.kinderschutz-zentren.org/migration.
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