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Die Familie im Schulbuch: Internationale Tagung und Ausstellung im Bayerischen Schulmuseum

23.09.2005 - (idw) Universität Augsburg

Jahrestagung 2005 der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung e. V. vom 30. September bis zum 2. Oktober im Bayerischen Schulmuseum Ichenhausen / Augsburger Pädagogik-Studenten begleiten die Konferenz mit einer Ausstellung
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Vom 30. September bis zum 2. Oktober richtet der Lehrstuhl für Pädagogik der Universität Augsburg (Prof. Dr. Eva Matthes) die Jahrestagung 2005 der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung e. V. aus. Im Bayerischen Schulmuseum Ichenhausen konferieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei Tage lang über "Die Familie im Schulbuch". Begleitet wird die Tagung von einer gleichnamigen Ausstellung, die Studentinnen und Studenten des Lehrstuhls Matthes in einem Projektseminar konzipiert und realisiert haben. Die Aufgaben und Funktionen der Familie werden derzeit im politisch-gesellschaftlichen Diskurs wieder intensiv diskutiert. Ein Beispiel hierfür ist die Initiative "Allianz für die Familie" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. "In der Auseinandersetzung kommt allerdings die pädagogische Dimension zu kurz", unterstreicht Prof. Dr. Eva Matthes die Aktualität und Relevanz des Themas der Ichenhausener Tagung: Es werde in dieser Diskussion kaum berücksichtigt, wie bereits Kinder und Jugendliche in schulischen und außerschulischen Bildungsprozessen mit der Problematik vertraut gemacht werden können. Hier setzt die internationale Tagung an. Sie bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Belarus, Deutschland, Norwegen, der Schweiz, Serbien und Montenegro, Spanien und der Türkei ein Forum, um vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen die Voraussetzungen, die Möglichkeiten und die Grenzen der Darstellung der Familie im Schulbuch unter einer international vergleichenden Perspektive zu diskutieren.

KONKRETE FRAGESTELLUNGEN

In den Referaten und Diskussionen wird das Tagungsthema u. a. in folgenden Fragestellungen konkretisiert:
o Wie wird die Familie in historischen und aktuellen Schulbüchern dargestellt?
o Welche Formen von Familie werden genannt?
o Wie werden die Eltern-Kind-Beziehungen beschrieben?
o Wie wird das Verhältnis der Eltern zueinander beschrieben?
o Wird Erziehung thematisiert und, wenn ja, wie?
o Wie werden Frau und Mann, Mutter und Vater dargestellt?
o Gibt es Diskrepanzen zwischen der Darstellung der Familie im Lehrplan und im Schulbuch?
o Werden Bezüge zu öffentlichen Diskursen über die Familie sichtbar?
o Werden Ergebnisse der Familienforschung in den Schulbüchern widergespiegelt?
o Werden Krisen der Familie thematisiert?
o Gab und gibt es öffentliche Diskurse über die Darstellung der Familie im Schulbuch?
o Wo werden Einflussnahmen der Politik, der Kirchen oder anderer gesellschaftlicher Gruppen deutlich?
o Welche Behandlungsformen von Familie im Unterricht werden nahegelegt: affirmative, aufklärerisch-kritische oder sozialtherapeutische?
o Welche Quellen bzw. Materialien werden genannt bzw. herangezogen?
o Wie wird Familie im Unterricht konkret thematisiert?
o Lassen sich Wirkungen der Darstellungen feststellen?

AUSSTELLUNG BIS ZUM 11. DEZEMBER

Begleitet wird die Tagung von einer gleichnamigen Ausstellung, die am 30. September am Tagungsort (Bayerisches Schulmuseum, Unteres Schloss, Schlossplatz 3, 89335 Ichenhausen) eröffnet und dann bis zum 11. Dezember dort gezeigt werden wird (Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr).

"Wir wollen mit dieser Ausstellung", erläutert Dr. Carsten Heinze, "das Thema unserer Expertentagung auch in eine breitere interessierte Öffentlichkeit tragen. Dazu haben wir die sensible Frage in den Mittelpunkt gestellt, wie weit die Schule bzw. das Schulbuch Problemlagen der Erziehung in der Familie thematisieren darf. Zugespitzt formuliert: Dürfen Kinder zur Kritik an ihren Eltern erzogen werden? Sollen sie ihre Lebensverhältnisse kritisch hinterfragen? Oder sollen sie die Problemlagen der Eltern eher verstehen lernen und sich damit abfinden?"

SCHULBUCH UND FAMILIE: EIN BALANCEAKT

Als Ausgangspunkt für die Darstellung dieses Balanceaktes dient der Ausstellung der von Wolfgang Hilligen begründete Schulbuchbestseller "sehen beurteilen handeln", ein Lese- und Arbeitsbuch zur Sozialkunde und Gesellschaftslehre, das von den 50er bis in die 90er Jahre in immer wieder neubearbeiteten Fassungen im Gebrauch war. In der Ausgabe von 1971 für das 5. und 6. Schuljahr wird in einem Kapitel "Kein Platz für Kinder" der Parkraum je Auto (30 Quadratmeter) mit der Fläche des Spielplatzes je Kind (6 Quadratmeter) verglichen; gemeinsam mit den Kindern wird überlegt, wie der Spiel-Raum für Kinder vergrößert werden kann; es wird über Sinn und Unsinn von Sauberkeit diskutiert; es werden die Ursachen für Kindesmisshandlungen erforscht; es wird gefragt "Was Kinder heute und morgen brauchen"; und es wird gemeinsam mit den Schülern der Zusammenhang von Betrieb, Familie, Freizeit und Wohnen analysiert.

SCHULBUCHSCHELTE UND SCHULBUCHZULASSUNG

Ein Jahr nach ihrem Erscheinen verursachte die 1971er Ausgabe von "sehen beurteilen handeln" für das 5./6. Schuljahr große Aufregung, die Meinungen reichten von euphorischer Befürwortung bis zu kategorischer Ablehnung. Hier knüpft die Ausstellung mit der Frage an, wie "Schulbuchschelte", also die kritische Ablehnung von Schulbüchern, funktioniert und welche Ziele mit ihr verfolgt werden. Eng mit dieser Frage verbunden ist das Problemfeld "Schulbuchzulassung": In den 1970er Jahren z. B. war die umstrittene "sehen beurteilen handeln"-Ausgabe in einigen Bundesländern zum Unterrichtsgebrauch zugelassen und in anderen wieder nicht. Die Ausstellung forscht nach den Ursachen für die unterschiedlichen Beurteilungen des Schulbuches.

AKTUELLE VERGLEICHE - NATIONAL UND INTERNATIONAL

In diese Betrachtungen haben die Ausstellungsmacher auch aktuelle Schulbücher einbezogen. So werden etwa Sachkundebücher für die 2. Klasse in Hessen und Bayern auf die Darstellung der Familie hin verglichen, und in einem Blick über Deutschland hinaus wird die Darstellung der Familie in ukrainischen Leselernbüchern gezeigt.

DIE EIGENEN SCHULBÜCHER KRITISCH HINTERFRAGEN

"Unsere Ausstellung bietet allen am Thema Schulbuch Interessierten anregende Aspekte", verspricht Heinze, "speziell natürlich Eltern, Lehrern und Schülern." Mit der integrierten Präsentation des Projekts "Wie stelle ich mir eine Schulbuchseite zum Thema Familie vor", das an der Werner-Egk-Schule Augsburg, bearbeitet wurde, will die Ausstellung Schülerinnen und Schülern Anregungen geben, die eigenen Schulbücher kritisch zu hinterfragen.
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TAGUNGSHOMEPAGE (MIT DETAILLIERTEM PROGRAMM):

http://www.philso.uni-augsburg.de/web2/Paed1/Gesellschaft-Schulbuchforschung.htm


SPEZIELL ZUR AUSSTELLUNG:

http://www.philso.uni-augsburg.de/web2/Paed1/GesellschaftSchulbuchforschungAusstellung.htm

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Prof. Dr. Eva Matthes, Telefon 0821/598-5574 oder -5573, eva.matthes@phil.uni-augsburg.de

Dr. Carsten Heinze, Telefon 0821/598-5564 oder -5573, carsten.heinze@phil.uni-augsburg.de

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