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Belastungsfahrzeug BELFA der Hochschule Bremen am 7. Oktober auf Bremer Bahnhofsvorplatzgelände

26.09.2005 - (idw) Hochschule Bremen

Achtung, Redaktionen - Einladung zum Fototermin:
Präsentation zwischen 8.00 und 16.00 Uhr mit Gewinnspiel 22,5 Meter lang, 2,75 Meter breit, Höhe: 3,65 Meter, 80 Tonnen Gewicht, Wendekreis: 22 Meter - die Daten eines wendigen Stadtflitzers lesen sich anders. Aber davon kann beim "Belastungsfahrzeug" (kurz: BELFA) der Hochschule Bremen auch gar nicht die Rede sein. Vielmehr handelt es sich um einen imposanten Sattelzug, randvoll mit modernster Technik, mit der vor allem Brücken auf ihre Tragsicherheit "in situ", also an Ort und Stelle, getestet werden. Eine an bisher 36 Bauwerken erprobte Alternative für die Bewertung der Infrastruktur in Deutschland, wo "Jede vierte Brücke bröckelt" (WK am Sonntag, 25.09.05). Die Bremerinnen und Bremer haben am Freitag, dem 7. Oktober, zwischen 8.00 und 16.00 Uhr Gelegenheit, sich über die technischen Möglichkeiten des BELFA sowie aktuelle Projekte zu informieren. Es wird auch zwei Vorführungen geben, einmal um 12.00 Uhr, ein weiteres Mal um 15.00 Uhr, bei dem jeweils ein Holzbalken bis zum Bruch belastet wird. Im Rahmen eines Gewinnspiels können Passanten schätzen, wieviel Last für die Zertrümmerung des Holzes erforderlich ist.. Interessierte können sich außerdem in einem Pavillon über Projekte und technische Details informieren. Die Präsentation des BELFA ist ein Beitrag der Hochschule Bremen zum Veranstaltungszyklus "Stadt der Wissenschaft 2005".

Hinweis für Redaktionen:
Den Damen und Herren der Medien - auch den Bildjournalistinnen und -journalisten - stehen zwei Fototermine zur Auswahl, zu denen die Hochschule Bremen sehr herzlich einlädt: Freitag, 7. Oktober, 12.00 Uhr, oder 15.00 Uhr, Bahnhofsvorplatz, "Investorengrundstück" zwischen Breitenweg und Bahnsteigen der BSAG.
Ansprechpartner: Dr. Marc Gutermann, Institut für Experimentelle Statik der Hochschule Bremen, Neustadtswall 30, 28199 Bremen, 0421-5905-2345, mjpg@hs-bremen.de

Informationen über das Belastungsfahrzeug BELFA und Funktionsweise:
Das Belastungsfahrzeug BELFA wurde 1999-2003, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, in einem kooperativen Forschungsprojekt von der Hochschule Bremen (federführend), der TU Dresden, der HTWK Leipzig und der Bauhaus-Universität Weimar entwickelt und erprobt. Gebaut hat es die Eggers Fahrzeugbau GmbH, Stuhr. Im Vergleich zu den bisherigen konventionellen Methoden lassen sich damit Belastungsversuche von Bauwerken "in situ" (an Ort und Stelle) zeit- und kostengünstiger durchführen. Konventionell wurde Testlast zur experimentellen Tragsicherheitsbewertung von Massivbrücken mit Stahlträgern erzeugt, die vor Ort zu einem Fachwerk zusammengefügt und im Widerlagerbereich verankert werden mussten. Diese Methode ist zeitaufwendig, führt zu langen Straßensperrzeiten und erfordert ein Durchbohren der Dichtungsschicht, die das Bauwerk vor Durchfeuchtung schützen soll. Durch Einsatz des Belastungsfahrzeuges werden nicht nur volkswirtschaftlich unerwünschte Sperrzeiten wesentlich verkürzt, sondern in den meisten Fällen wird auch das Durchbohren der Dichtungsschicht vermieden.

Das BELFA ist als Sonderfahrzeug zugelassen und fährt mit eigenem Antrieb direkt zu seinem Einsatzort. Da Stromerzeuger, Kran und weitere Aggregate an Bord sind, ermöglichen diese den autarken und damit zeitsparenden Einsatz. Bevor die Sattelzugmaschine das zu testende Bauwerk überfährt, bremsen die hinteren Achsen und die Sattelzugmaschine zieht das vordere Fahrgestell aus. Zusätzlich kann der Satteldruck und somit die Achslasten der Zugmaschine verringert werden, indem die letzten drei Achsen entlüftet werden. Damit ist eine schädigungsfreie und für die Sicherheit des Bauwerks unbedenkliche Überfahrt der Zugmaschine gewährleistet. Bevor die Räder des hinteren Fahrgestells das Bauwerk erreichen, bremsen sie erneut und der Mittelteil wird ebenfalls ausgezogen. Die Gesamtlänge beträgt dann je nach Testobjekt variabel bis zu 35,5 Metern. Hat die Zugmaschine die Untersuchungsstelle überquert, werden alle Achsen entlüftet und Zugmaschine wie Räder an das Fahrgestell angekoppelt. Hydraulische Stützen heben das Fahrzeug an und machen damit die gesamte Masse für einen Belastungsversuch nutzbar.

Als nächstes kann der Bordkran, der auf dem Mittelteil in Längsrichtung verfahren wird, das Fahrzeug mit mitgeführtem und zusätzlichem Ballast trimmen. Wassertanks können das verfügbare Gesamtgewicht bis auf ca. 100 t steigern. Fünf Belastungsstempel, jeweils mit einer hydraulischen Leistung bis 500 kN (50 t), werden an ihre Testposition verfahren und führen die Belastungszyklen durch, die in der Vorplanung festgelegt wurden und durch umfangreiche Steuerungstechnik im rückwärtigen Messstand kontrolliert werden. Die Bauwerksreaktionen werden von einer unabhängig gelagerten Messbasis elektronisch aufgenommen und werden ebenfalls online überwacht. Zur Abfahrt wird das Fahrzeug wieder zusammengeschoben und ist sofort für einen neuen Einsatz bereit.


Der Haupteinsatzbereich des Belastungsfahrzeuges ist der Test von Straßenbrücken (Holz-, Beton-, Stahlbeton-, Steinbrücken bis 18 m Stützweite). Weitere Einsatzgebiete sind:
· Industriebau (Dachbinder, Decken, Industriefußöden)
· Ingenieurbau (Pfähle, Gründungsplatten)
· Tiefbau (Abwasserkanäle, -sonderbauwerke)
Die Liste der möglichen Einsatzbereiche lässt sich beliebig fortsetzten.
Weitere Informationen (auch mit Bildmaterial: http://www.belfa.de) bzw. bei Dr. Marc Gutermann (s.o.).

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