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Bayreuther Tagung zeigt eindrucksvolles Bild der Breite zoologischen Forschung

29.09.2005 - (idw) Universität Bayreuth

Ein eindrucksvolles Bild der Breite der Zoologischen Forschung werden die 98. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) und das IV. Symposium des "German Endocrine Brain Immune Network" (GEBIN) präsentieren, die vom 3. - 6. Oktober auf Einladung der Bayreuther Zoologen in den Räumen der Universität (Gebäude NW I und NW II) stattfindet. Bayreuth (UBT). Ein eindrucksvolles Bild der Breite der Zoologischen Forschung werden die 98. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) und das IV. Symposium des "German Endocrine Brain Immune Network" (GEBIN) präsentieren, die vom 3. - 6. Oktober auf Einladung der Bayreuther Zoologen in den Räumen der Universität (Gebäude NW I und NW II) stattfindet.
Die Tagung soll unter anderem die bereits bestehenden engen Beziehungen zwischen diesen Disziplinen weiter vertiefen. Entsprechend ist die Beteiligung mit derzeit nahezu 500 Anmeldungen sehr groß. Neben 16 Plenarvorträgen mit Rednern aus dem In- und Ausland sind über 300 weitere Beiträge (Kurzvorträge und Poster) angenommen
In dem Eröffnungsvortrag behandelt Herr Prof. Wiltschko (Frankfurt) Orientierungsleistungen im Tierreich - vor allem beim Vogelzug. Der Vogelzug gehört aufgrund der hierbei zurückgelegten Strecken und der damit verbundenen Orientierungsleistungen zu den eindrucksvollsten Phänomenen in der Biologie. Herr Wiltschko wird hierbei auf die Bedeutung des Magnetfeldes der Erde für die Orientierung im Tierreich eingehen; der Vektor dieses Magnetfeldes dient als Grundlage für einen Magnetkompaß (Richtungsorientierung), die Intensität des Magnetfeldes kann Informationen über die geographische Breite vermitteln, wodurch eine echte Navigation ermöglicht wird.
Drei Schwerpunktthemen prägen diese Tagung:
1. Multitrophic interactions (Dienstag)
Alle Lebewesen sind Bestandteile von Gemeinschaften aus den verschiedensten Tier- und Pflanzenarten, die miteinander interagieren. Gerade Pflanzen sind aufgrund ihrer meist ortsfesten Lebensweise zur Entwicklung von Mechanismen gezwungen, um z.B. geeignete Fortpflanzungspartner zu finden, die Ausbreitung der eigenen Nachkommen zu gewährleisten und sich vor Fraßfeinden und Pathogenen zu schützen. In seinem Plenarvortrag wird Prof. Baldwin (Jena) schwerpunktmäßig auf die Interaktionen zwischen Pflanzen und ihren Fraßfeinden eingehen. Die große Zahl an Herbivoren führte zur Entwicklung wirksamer chemischer Abwehrmechanismen: Pflanzen synthetisieren komplexe Mischungen organischer Substanzen, die fraßhemmende bzw. toxische Wirkungen auf Herbivore besitzen.
2. Psychoneuroimmunology (Mittwoch)
Dieser Schwerpunkt beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel zwischen Verhalten und dem Nerven-, Hormon- und Immunsystem sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier. Das Spektrum der Beiträge reicht von den Interaktionen des Immun- und Hormonsystems auf zellulär-molekularer Ebene bis hin zu den Auswirkungen von Stress oder psychiatrischen Erkrankungen (wie Depression) auf die Gesundheit.
In zwei Plenarvorträgen werden herausragende Beispiele psychoneuroimmunologischer Forschung präsentiert. Im dem Vortrag von Prof. Ben-Eliyahu (Tel Aviv) geht es um die Frage, wie sich Operationen und Stress auf die Tumormetastasierung bei Ratten und Menschen auswirken können. Dabei wird die Möglichkeit prophylaktischer Maßnahmen diskutiert, die beim Menschen das Risiko einer stress-bedingten Erhöhung der Tumormetastasierung bei operativen Eingriffen verhindern können.
Der zweite Hauptvortrag von Herrn Prof. Dantzer (Bordeaux) beschäftigt sich mit dem Thema, wie Botenstoffe des Immunsystems (Zytokine) das Verhalten von Mensch und Tier beeinflussen können. Erhöhte Zytokinkonzentrationen, wie sie z.B. nach Infektionen auftreten, sind in der Lage, das typische Krankheitsverhalten ("sickness behavior) auszulösen. Dazu müssen die Signale des Immunsystems in das Gehirn übermittelt werden. Der Vortrag wird zudem Parallelen zwischen Krankheitsverhalten und Depressionen aufzeigen.
3. Genes, hormones and development (Donnerstag): Durch die rasante Entwicklung molekularer Techniken wird es zunehmend möglich, die genetischen Grundlagen komplexer Entwicklungsprozesse im Rahmen der Evolution sowie auch auf individueller Ebene zu untersuchen, wie die Entwicklung morphologischer und physiologischer Prozesse sowie von Verhaltensweisen. Durch die Integration der verschiedensten Teilgebiete der Biologie, von der Genetik über Anatomie, Physiologie und Entwicklungsbiologie bis hin zur Verhaltensökologie werden hier Erkenntnisse gewonnen, die auch für Humanbiologie und Medizin von großem Interesse sind.
Prof. Dr. B. Lutz aus Mainz befasst sich in seinem Plenarvortrag mit dem Endocannabinoidsystem. Endocannabinoide sind Cannabis-ähnliche Substanzen, die im Gehirn von Wirbeltieren gebildet werden und dort Signalfunktionen ausüben - unter anderem sind sie für die Auslöschung unangenehmer Erinnerungen verantwortlich. Wie Lutz in anhand seiner Untersuchungen über Freßverhalten, Reaktionen auf Stress sowie über Lernprozesse zeigen wird, werden diese Endocannabinoide bei allen übermäßigen Anforderungen im Körper gebildet; sie scheinen hierbei eine zentrale Bedeutung für die Rückkehr des Organismus´ zum Normalzustand und damit für die Einhaltung der körperlichen und geistigen Integrität von Tier und Mensch zu haben.
Schlüsselfrage der Entwicklungsbiologie ist, wie die verschiedensten Baupläne im Tierreich realisiert werden. Frühe Entwicklungsentscheidungen aktivieren genetische Schaltkreise, die in Folge zur unterschiedlichen Ausdifferenzierung der jeweiligen Körperregionen führen. Vergleichende Untersuchungen an verschiedenen Insektenarten, die von Prof. Wimmer (Göttingen) vorgestellt werden, erlauben die Identifikation der genetischen Prozesse, die zur unterschiedlichen Ausbildung der verschiedenen Tierarten führen - sie legen damit einen Grundstock zum Verständnis der genetischen Prozesse, die im Rahmen der Evolution an der Entstehung neuer Arten beteiligt sind.
Frau Dr. Hammock aus Nashville (USA) wird in ihrem Vortrag über Untersuchung an Wühlmäusen zur Entstehung der Monogamie berichten. Während Wühlmäuse normalerweise promiskuitiv leben, wobei sich die Männchen nach einer Paarung nicht um die Weibchen und ihre Jungen kümmern, sind Prairiewühlmäuse zeitlebens monogam: Männchen und Weibchen bleiben stets zusammen und ziehen ihre Jungen gemeinsam auf. Wie Frau Hammock in ihrem Vortrag zeigen wird, beruhen diese dramatischen Unterschiede im Sozial- und Sexualverhalten zwischen diesen Arten auf einer extrem gesteigerten Ansprechbarkeit bestimmter Hirngebiete auf die Hormone Oxytocin und Vasopressin bei der monogamen Art. Die hierfür verantwortliche genetischen Prozesse beruhen auf Veränderungen der Länge bestimmter Abschnitte regulatorischer Gene, für die bisher keine Funktion nachgewiesen werden konnte und die daher als Junk-DNA (Ausschuß-DNA) bezeichnet wurden.
Die DZG (Deutsche Zoologische Gesellschaft) wurde 1890 gegründet und ist damit eine der ältesten naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften; sie repräsentiert alle deutschen Zoologen.

GEBIN (German Endocrine Brain Immune Network) wurde 1997 in München bei einem Symposium über "Neuroimmunologie, Verhalten und Befinden" gegründet; das von der Stiftung Volkswagenwerk finanziert wurde. Es ist ein Verbund von Wissenschaftlern aus Medizin, Psychologie, Psychiatrie und Zoologie, die über die Wechselbeziehungen zwischen Immunsystem, Hormonen und Verhalten von Tier und Mensch arbeiten.
Weitere Informationen unter
http://www.uni-bayreuth.de/dzg-gebin2005/

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