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UNIK-Modellprojekt: Regionale Biokost für die Schulkantine

30.09.2005 - (idw) Universität Kassel

Kassel/Witzenhausen/Schwalm-Eder-Kreis. Gesunde Schulverpflegung mit Lebensmitteln aus regionalen Bioprodukten ist realisierbar. Ein Modellprojekt "Regional-ökologische Schulverpflegung", das derzeit von der Universität Kassel mit Förderung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft durchgeführt wird, zeigt das. Modellregion des mit 223 000 ¤ geförderten Projekts ist der Schwalm-Eder-Kreis. Einen ersten Einblick in das noch bis September 2006 laufende Vorhaben ermöglichen Ausstellungen am 2. Oktober (ab 11 Uhr) im Rathaussaal von Homberg und am 11.Oktober im Foyer der Kasseler Stadthalle: Vorgestellt wird insbesondere das Teilprojekt "Ernährungsbildung auf dem Kartoffelacker", an dem sich bislang 25 Schulklassen beteiligt haben. Kassel/Witzenhausen/Schwalm-Eder-Kreis. Gesunde Schulverpflegung mit Lebensmitteln aus regionalen Bioprodukten ist realisierbar. Ein Modellprojekt "Regional-ökologische Schulverpflegung", das derzeit von der Universität Kassel mit Förderung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft durchgeführt wird, zeigt das. Modellregion des mit 223 000 ¤ geförderten Projekts ist der Schwalm-Eder-Kreis. Einen ersten Einblick in das noch bis September 2006 laufende Vorhaben ermöglichen Ausstellungen am 2. Oktober (ab 11 Uhr) im Rathaussaal von Homberg und am 11.Oktober im Foyer der Kasseler Stadthalle: Vorgestellt wird insbesondere das Teilprojekt "Ernährungsbildung auf dem Kartoffelacker", an dem sich bislang 25 Schulklassen beteiligt haben.

Nicht erst seit dem Pisa-Schock setzen die politisch Verantwortlichen in Deutschland verstärkt auf die Ganztagschule. Mit der Ausweitung von Unterricht und Betreuung in die Nachmittagszeit stellt sich für die Verantwortlichen aber nun verstärkt die Frage nach dem richtigen Verpflegungssystem. Denn ohne ein gesundheitsförderndes Mittagessen, so die Maßgabe des hessischen Kultusministeriums, kann kein Nachmittagsunterricht stattfinden, und die Schulen können auch nicht als Ganztagsschule anerkannt und gefördert werden.

Hier stehen Schulen und Schulverwaltungen plötzlich vor völlig neuen und zusätzlichen Aufgaben. Welche Qualitätsansprüche muss das Schulessen erfüllen? Welchen Stellenwert erhält das Thema Ernährung dadurch im Bildungsauftrag der Schule? Wie kann man die Schulverpflegung praktisch organisieren? Und was darf Essen an der Schule kosten?

Natürlich könnte man das Feld einfach den bundesweit aus dem Boden schießenden Komplettangeboten großer Catering-Unternehmen überlassen. Aber bietet nicht gerade das Schulessen angesichts des Gesundheitszustands vieler Kinder die Chance für einen Einstieg in ein geändertes Ernährungsbewusstsein? Und könnten nicht gerade im ländlichen Raum die Landwirte von neuen Absatzmärkten mit kurzen Wegen profitieren?

Dies ist der Rahmen für das Modellprojekt "Regional-ökologische Schulverpflegung", das die Uni Kassel durchführt. Wie Projektleiter Dietmar Groß aus Homberg betont, geht es darum, "gemeinsam mit Akteuren auf den verschiedensten Ebenen praxisorientiert Lösungsvorschläge zu entwickeln und zu erproben". Die Aufgabenstellung ist nahe liegend, aber nicht einfach. "Die Nahrungsmittel", so Dietmar Groß, selber Biolandwirt, "sollen möglichst aus der Region stammen, frisch eingesetzt werden und einen hohen Bioanteil aufweisen". Dazu werden Partnerschaften zwischen Schulen, Lieferanten und kleineren Küchenbetrieben aufgebaut. Regionale Partner sind dabei Hephata-Ausbildungsküche in Treysa und die "Starthilfe" in Homberg.
"Oberstes Ziel ist es", wie Dietmar Groß erläutert, "die regionale Wertschöpfung zu stärken und gleichzeitig das Ernährungsbewusstsein unserer Kinder zu fördern."

Aber kann man die heutigen Kinder überhaupt noch für ein regional-biologisches Mittagessen gewinnen? Sind die Vorbehalte der McDonalds-Generation gegenüber fadem und freudlosem "Öko-Fraß" nicht unüberwindbar groß? Hier kommt mit dem Umweltbildungszentrum in Licherode ein besonderer Projektpartner ins Spiel. Im Ökologischen Schullandheim Licherode wurden in den letzten zehn Jahren 30.000 Schulkinder regional-biologisch verpflegt, die Erfahrungen sind positiv. Licherode hat im Rahmen des Projekts die Aufgabe übernommen, Modellschulen bei der Umstellung auf regional-biologische Verpflegung zu begleiten. Als pädagogisches Kernstück wurde die "Besser-Esser-Woche" entwickelt, die von einem Pädagogenteam aus Licherode an ausgewählten Modellschulen des Schwalm-Eder-Kreises durchgeführt wurde.

"Eine ganze Woche lang", so berichtet der Leiter des Licheröder Zentrums, Klaus Adamaschek, "beschäftigen sich die Schulklassen mit gesunder Ernährung und ökologischem Landbau". Die Projektwoche beinhaltet verschiedene "Lernwerkstätten", einen Besuch auf dem Biohof und die gemeinsame Weiterverarbeitung der selbst geernteten Lebensmittel in der Schulküche. Am Ende erhalten die Kinder den "Besser-Esser-Pass". "Dieses kindgerechte Zertifikat", so Klaus Adamaschek vom Amt für Lehrerbildung (AfL), "stellt sozusagen die Eintrittskarte für die umgestellte Schulverpflegung dar."

"Wir müssen die gesamte Schulgemeinde mitnehmen, Lehrer, Eltern und vor allem die Kinder, nur dann kann die Verankerung von regional-biologischer Kost an Schulen dauerhaft funktionieren", so fasst Adamaschek den Projektansatz zusammen. Das Konzept wurde in der Eckhard-Vonholdt-Schule in Treysa und in der Gesamtschule in Borken erprobt; für den Herbst und Winter sind in Zusammenarbeit mit dem Amt für Lehrerbildung erste Multiplikatorenseminare in Licherode geplant. Info zu den Seminarangeboten gibt es im Internet unter http://www.umweltzentrum-licherode.de.

Um im Projektzeitraum möglichst viele weitere Schulen erreichen zu können, hat Dietmar Groß zusätzlich das Projekt "Ernährungsbildung auf dem Kartoffelacker" ins Leben gerufen. 25 Schulklassen, überwiegend aus dem Grundschulbereich, haben im Frühjahr auf landwirtschaftlichen Betrieben der Region Kartoffeln gepflanzt und im Frühsommer bei einem zweiten Termin gepflegt. "Zur Zeit steht mit der Ernte der Höhepunkt an, und es ist schon toll zu beobachten, wie stark die Bindung der Kinder an ihre eigenen Kartoffeln ist", berichtet Dietmar Groß. Im Schulunterricht werden diese Praxistage dann aufgearbeitet und mit Wissen "rund um die Kartoffel" erweitert. Die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit im Rahmen von Ausstellungen am 2. Oktober (ab 11 Uhr) im Rathaussaal von Homberg und am 11. Oktober im Foyer der Kasseler Stadthalle vorgestellt werden. Finanziell unterstützt wird diese Maßnahme von der Marketinggesellschaft Gutes-aus-Hessen.

Noch in diesem Jahr sollen die Ergebnisse des bundesweit beachteten Forschungsprojekts in eine Informationsbroschüre aufgenommen werden, die das Bundesministerium für Verbraucherschutz Anfang 2006 veröffentlichen wird. Prof. Dr. Onno Poppinga, Fachgebiet Landnutzung und Regionale Agrarpolitik in Witzenhausen, fasst die Zwischenergebnisse wie folgt zusammen:

> Das Projektziel Schulverpflegung mit Lebensmitteln aus regionalen Bioprodukten ist realisierbar. 40 bis 50 Prozent der Rohkomponenten des Essens an der Modellschule weisen diese Merkmale auf.
> Die Akzeptanz des Ansatzes kann durch eine enge Kooperation zwischen Schulgemeinde, Küchenbetrieb und Landwirten der Region erreicht werden und muss durch eine entsprechende Meinungsbildung auf der politischen Ebene (Schulträger, Schulämter, regionale Politik) flankiert werden.
> Der Mehrpreis gegenüber "preiswerten" Angeboten ist vermittelbar.
> Regional-biologische Schulverpflegung, eingebettet in eine fachübergreifende Entwicklungsstrategie, kann einen wichtigen Beitrag zur Ernährungsbildung bei Kindern und zur Sicherung regionaler Wertschöpfung leisten.


Unter http://www.uni-kassel.de/hrz/db4/extern/dbpresse/bio stehen Ihnen mehrere Bilder zur Verfügung.

p/dg
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Info
Dietmar Groß
Projektleiter "Regional-biologische Schulverpflegung"
Dorfbrunnen 1
34576 Homberg-Mühlhausen
tel (05681) 77 54 17
mobil (0170) 3 80 34 16

Universität Kassel
Prof. Dr. Onno Poppinga
Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften
tel + fax (05542) 98 1673/1668

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